Um die Eishalle zu retten, sind Fachleute nötig. Die gibt es nicht umsonst: Die Stadt rechnet damit, 140.000 Euro ausgeben zu müssen, unter anderem für einen Projektmanager, der nun schnell anfangen soll.

Königsborn

, 12.09.2019, 14:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Nach der Rettung der Eishalle durch den Bürgerentscheid war schnell klar, dass die Stadt, die Wirtschaftsbetriebe und die Initiative „Unna braucht Eis“ (UbE) allein nicht das Expertenwissen aufbringen für all das, was in den kommenden Monaten erledigt werden muss.

Die Eishalle ist Chefsache im Rathaus: Eine Projektgruppe unter Leitung des Bürgermeisters hat inzwischen viermal getagt und will nun einen externen Projektmanager einstellen. Das sei notwendig „aufgrund der Komplexität der Maßnahmen und der Spezifika einer Eissporthalle“, heißt es in einer Drucksacke aus dem Rathaus. Ein Fachmann, der Erfahrung mit dem Bau bzw. der Sanierung einer solchen Halle hat, wird gesucht.

„Worst Case“: 90.000 Euro für Projektmanager

Die Stadt rechnet damit, dass sie diesem Experten ein Honorar von 90.000 Euro wird zahlen müssen. Das sei die „worst case Variante“: Grundlage für die Schätzung ist einerseits eine Honorarordnung für Ingenieure und Architekten. Andererseits geht man von einem bestimmten Wert des Projekts aus: den Sanierungskosten, die das von der Stadt beauftragte Architekturbüro Weicken ermittelt hatte. Demnach seien 8,25 Millionen Euro für die Sanierung aufzuwenden. In einer Schätzung UbE geht es auch um Millionen, aber es stand bisher eine „2“ vorne. Beobachter gehen davon aus, dass die Wahrheit letztlich irgendwo dazwischen liegen wird. Bei einer geringeren Gesamtsumme könnte das Expertenhonorar auch niedriger ausfallen, wie die Stadt auf Nachfrage bestätigt.

Bevor irgendetwas gebaut wird: Stadt rechnet mit 140.000 Euro für Eishallen-Experten

Vertreter der Initiative „Unna braucht Eis“ und der Stadtverwaltung besprechen sich regelmäßig in einer Projektgruppe. Das Bild zeigt Wilhelm Ruck (v.l.), Ingo Malak, Bürgermeister Werner Kolter und die Sport-Beigeordnete Kerstin Heidler. © Marcel Drawe

Stadt will Fachmann schnell beauftragen

Um einen Projektmanager zu finden, wurde eine Leistungsbeschreibung vorbereitet und eine Marktsondierung durchgeführt. Das heißt, man hat sich umgeschaut, welche Büros infrage kämen. Wann die Leistung ausgeschrieben wird, ist noch offen. Man sei bemüht, zeitnah einen Auftrag zu vergeben, sagt Verwaltungssprecher Christoph Ueberfeld. Wie berichtet plant die Eis-Initiative, die Eishalle im kommenden Jahr wieder zu eröffnen. Sollte dieser Zeitplan nicht aufgehen, wird im Rathaus dafür niemand die Verantwortung übernehmen wollen.

Vor-Ort-Termin zum Thema Dach

Zu den Aufgaben eines Projektverantwortlichen gehören unter anderem die Entwicklung einer Projektstruktur, die Koordination der Beteiligten, die Überprüfung der Planung auf Vollständigkeit und Plausibilität und die Mitarbeit an einem Kostenrahmen für Nutzungs- und Investitionskosten.

Apropos Investition: Ein wesentlicher Punkt bei der anstehenden Sanierung ist das Dach der Eishalle. Im städtischen Gutachten stand eine komplett neue Dachkonstruktion, UbE schlug eine vermutlich sehr viel günstigere Reparatur vor. Die vorhandenen Holzbalken könnten durch Verpressen wieder ihre notwendige Tragfähigkeit erreichen.

Welche Sanierungsmöglichkeiten es gibt, soll nun geklärt werden. Ein erster Vor-Ort-Termin soll bald stattfinden. Die Eishallen-Projektgruppe zieht ein Ingenieurbüro und die Materialprüfungsanstalt der Universität Stuttgart hinzu – beide Fachleute für Leimholzbinderkonstruktionen. Und beide arbeiten nicht umsonst: Angebote für die Begutachtung liegen bei insgesamt 5000 Euro. Noch einmal die gleiche Summe würde anfallen, wenn eine Sanierung grundsätzlich möglich erscheint. Für diesen Fall würden Bohrkerne aus dem Eishallendach entnommen, die im Labor untersucht würden.

Bevor irgendetwas gebaut wird: Stadt rechnet mit 140.000 Euro für Eishallen-Experten

Bei einer Begehung im vergangenen Jahr hatten verschiedene Eishallen-Kenner unter anderem die Technik unter die Lupe genommen. © UDO HENNES

Glykol, Ammoniak oder doch Öko-Eis?

Eine Expertenmeinung soll auch zum Thema Eisaufbereitungsanlage eingeholt werden. Die Projektgruppe will klären lassen, ob das Eis besser mit einer Glykol- oder einer Ammoniakanlage wie bisher aufbereitet wird – oder ob es Alternativen gibt. Andere Aufbereitungsmethoden könnten „vor allem vor dem Hintergrund ihrer ökologischen Ausrichtung und der aktuellen Diskussionen rund um das Thema Klimaschutz sinnvoll“ sein, wie es in der Drucksache zum Eishallen-Sachstand steht.

Betreiberkonzept muss geprüft werden

In den kommenden Wochen soll ein überarbeitetes Betreiberkonzept von „Unna braucht Eis“ auf dem Tisch liegen. Dieses müsse dann noch einmal untersucht werden, heißt es im Verwaltungspapier. Es müsse wie die baulichen Planungen vor allem deswegen stichhaltig sein, weil Banken das fordern. Für die Sanierung der Halle soll die NRW-Bank ein zinssubventioniertes Darlehen für Sportvereine bereitstellen. Dieses soll 80 Prozent der Kosten abdecken, den Rest die Hausbank des Eishockeyvereins KJEC. Der Verein soll Bauherr der Halle werden.

Die Banken hätten mitgeteilt, dass sie dem Projekt grundsätzlich positiv gegenüberstehen, die bauliche Realisierungsfähigkeit und ein überzeugendes Betreiberkonzept seien aber von entscheidender Bedeutung für die Kreditgeber. Für die Untersuchung des Konzepts und für die Klärung steuerlicher Fragen fallen auch wieder Kosten an. Der Finanzbedarf laut Drucksache aus dem Rathaus: 40.000 Euro.

Insgesamt 140.000 Euro soll der Stadtrat außerplanmäßig freigeben, damit das Projekt Eishalle weiter vorangetrieben werden kann.

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