Abbruch in Etappen: Wie die Anne-Frank-Realschule Stück für Stück verschwindet

dzBildungscampus

Bagger und Container haben den Platz der Aula eingenommen, die Hälfte des Hauptgebäudes ist schon weg: Der Abbruch der Anne-Frank-Realschule schreitet in großen Schritten voran. Übrig bleiben die Bäume.

Königsborn

, 26.10.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein wenig verloren wirkt er schon, wie er da so steht, schützende Bretter um seinen Stamm gelegt, das erste Herbstlaub an den Zweigen: Der Apfelbaum auf dem Gelände der Anne-Frank-Realschule ist gut zu erkennen, steht er doch allein auf weiter Flur. Um ihn herum: Matsch, Betonreste, ein paar Container. Bis vor wenigen Tagen noch stand hier die Aula der ehemaligen Anne-Frank-Realschule – fast schon auf Kuschelkurs mit dem Apfelbaum. Der Baum ist geblieben, die Aula ist Geschichte.

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Die Ära der Anne-Frank-Realschule ist auf dem Papier auch schon Geschichte. Übrig geblieben sind nur die einstigen Gebäude der Königsborner Realschule, deren letzte Schüler im Sommer ihren Abschluss am Standort der Hellweg-Realschule in Massen machten. Seit Anfang Oktober verschwinden auch Stück für Stück die Schulgebäude, die über 50 Jahre das pädagogische Zuhause etlicher Schüler- und Lehrergenerationen bildeten.

Abbruch in Etappen: Wie die Anne-Frank-Realschule Stück für Stück verschwindet

Der Abriss der ehemaligen Schulgebäude geht zügig voran. Ende November soll alles abgerissen sein. © Anna Gemünd

Die jüngsten Räume der Schule verschwanden als Erstes: Im Juli 2018 wurden die 108 Container – im korrekten Behördendeutsch als „Raummodule“ bezeichnet – abtransportiert, die seit 2011 als Alternative zu den mit PCB-belasteten Räumen im Obergeschoss des Hauptgebäudes dienten.

Abbruch in Etappen: Wie die Anne-Frank-Realschule Stück für Stück verschwindet

Das Archivbild zeigt die Anne-Frank-Realschule in den 1960er-Jahren. Gebaut wurde die Schule ab 1963. Gut zu erkennen: Die noch kleinen Jungbäume vor der Schule sowie die Skulptur der „Seejungfrau“ im Wasserbecken – noch ohne Schilf. © Archiv

Fast zeitgleich mit den Containern verschwand auch ein Markenzeichen der Königsborner Realschule: Die in dem Wasserbecken vor dem Hauptgebäude installierte Skulptur von Kurt Lehmann wurde eingelagert. „Seejungfrau“ oder „Die Liegende“ – was genau sie eigentlich darstellen soll, darüber entbrannte Anfang 2019 eine lebhafte Diskussion.

Abbruch in Etappen: Wie die Anne-Frank-Realschule Stück für Stück verschwindet

Die als „Seejungfrau/Die Liegende“ bezeichnete Skulptur von Kurt Lehmann stand in dem Wasserbecken vor der Anne-Frank-Realschule. Zur Zeit ist sie eingelagert, soll aber wieder auf das Gelände zurückkehren – ohne Wasser. © Hennes

Fakt ist: Auf dem neuen „Bildungscampus“, der auf dem Gelände der ehemaligen Realschule entsteht, wird sie wieder einen Platz finden – aber definitiv ohne Wasser. Das vorhandene Wasserbecken wird abgebaut, die „Seejungfrau“ wird künftig auf einem Steinbeet mit Kieseln platziert. Auch dies wird aber mit Schilf bepflanzt, so wie es aktuell auch das Wasserbecken noch ist.

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Bevor die tatsächlichen Abbrucharbeiten beginnen konnten, wurden im Februar 2019 zunächst die auf dem Schulgelände stehenden Bäume und Büsche zurückgeschnitten, um Platz für die Baustellen-Fahrzeuge zu schaffen. Einige Bäume mussten auch weichen; sie standen zu nah an den abbruchreifen Gebäuden und hätten die nun laufenden Abrissarbeiten ohnehin nicht überlebt.

Anders der Apfelbaum an der Aula: Auch er stand sehr nah an der Aula der Anne-Frank-Realschule, doch er durfte bleiben.

Abbruch in Etappen: Wie die Anne-Frank-Realschule Stück für Stück verschwindet

Ganz schön nah dran: Der Strauch links und der Apfelbaum rechts standen sehr nah an der Aula. Der Strauch wurde vor dem Abriss des Gebäudes entfernt, der Apfelbaum durfte bleiben – und ihm geht es gut. © Anna Gemünd

Und offenbar hat er die Baggerarbeiten in seinem direkten Umfeld gut überstanden. Wie Kreis-Pressesprecherin Birgit Kalle auf Anfrage unserer Zeitung sagt, sei der Baum gesund. „Er ist für die Abbrucharbeiten lediglich etwas eingekürzt worden. Auf dem neuen Bildungscampus wird er Teil des geplanten Innenhofes sein“, sagt Kalle.

Nach den Abbrucharbeiten im Inneren der einstigen Schule, die wegen der Schafstoffbelastung unter besonderen Vorsichtsmaßnahmen stattfanden, läuft nun seit Anfang Oktober der eigentliche Abbau der Gebäude. Holz, Stahl, Beton und Teppich werden zu sorgsam getrennten Haufen auf dem Schulgelände gestapelt und abtransportiert. Ende November wird nichts mehr an die Königsborner Realschule erinnern – außer einem Apfelbaum, der einst viel zu nah an der Aula stand.

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