Symptome, Testung und Isolation

Was tun bei einem Verdacht auf Affenpocken?

Die Affenpocken-Fälle mehren sich weltweit. Ein Grund zur Panik ist das nicht - aber zur Vorsorge. Fünf Fragen und Antworten zum neu kursierenden Virus.
Dieses Bild aus dem Jahr 1997, das von der CDC während einer Untersuchung eines Affenpockenausbruchs in der Demokratischen Republik Kongo (DRC), dem früheren Zaire, zur Verfügung gestellt wurde, zeigt die Rückenflächen der Hände eines Affenpocken-Patienten, der den charakteristischen Ausschlag in der Erholungsphase zeigte.
Dieses Bild aus dem Jahr 1997 zeigt die Rückenflächen der Hände eines Affenpocken-Patienten, der den charakteristischen Ausschlag in der Erholungsphase zeigte. © picture alliance/dpa/CDC

Immer mehr Affenpocken-Fälle werden gemeldet. Bislang sind der Weltgesundheitsorganisation rund 250 Fälle in 16 Ländern bekannt – außerhalb der sonst epidemischen Gebiete. Auch in Deutschland gibt es erste Infektionen (Stand: 25. Mai). Fachleute gehen davon aus, dass die Zahl der Ansteckungen vermutlich auch in den kommenden Tagen weiter steigen wird.

Grund zu Panik sei das allerdings nicht, denn: Das ist „nicht der Beginn einer neuen Pandemie“, sagte Karl Lauterbach (SPD) am Dienstag bei einer Pressekonferenz. Dennoch sei Vorsorge jetzt wichtig. „In den frühen Phasen einer Epidemie muss hart und früh reagiert werden“, so der Bundesgesundheitsminister. Das Robert Koch-Institut (RK) habe inzwischen eine Empfehlung für die Bundesländer erarbeitet. Das Virus könne bei engem Körperkontakt prinzipiell auf jeden und jede übertragen werden.

Wie bemerkt man also eine Affenpocken-Infektion? Wie viel Kontakt zu einer infizierten Person ist ungefährlich und wann muss man in Quarantäne? Und wie lässt sich das Virus im Körper überhaupt nachweisen? Ein Überblick dazu, was Gesundheitsbehörden momentan empfehlen.

1. Affenpocken: Welche Symptome sind typisch?

Zu den ersten Symptomen der Affenpocken zählen Fieber sowie Kopf-, Muskel und Rückenschmerzen, hält das RKI fest. Einige Tage darauf können Hautausschläge in Form von Flecken bis hin zu Pusteln auftreten – vor allem im Gesicht, Handflächen sowie Fußsohlen.

Diese verkrusten irgendwann und fallen ab. Diese Krusten sind neben Körperflüssigkeiten für andere Menschen ansteckend. Hautschädigungen treten teils auch in der Mund- und Rachenschleimhaut auf. Bei den aktuellen Fällen wurden Hautveränderungen auch im Genital- und Analbereich festgestellt.

Die Symptome halten etwa zwei bis vier Wochen an. Bei einer Erkrankung ist eine Behandlung in der Regel nicht notwendig. Die meisten Fälle verlaufen eher mild. Es kann jedoch auch zu Komplikationen kommen: In endemischen Ländern wurde von Hirnentzündungen, bakteriellen Hautinfektionen, Flüssigkeitsverlust, Bindehaut-, Hornhaut- und Lungenentzündungen berichtet, schreibt das RKI.

2. Affenpocken: Was tun, wenn man Kontakt hatte?

Wer engen Kontakt zu einer infizierten Person hatte, sollte das lokale Gesundheitsamt kontaktieren, rät das RKI. Wie Lauterbach am Dienstag in einer Pressekonferenz mitteilte, wird unmittelbaren Kontaktpersonen eine Quarantänezeit von 21 Tagen dringend empfohlen.

Für Infizierte hingegen ist eine Isolationspflicht geplant. Gerade bei ersten Symptomen sollte man den Kontakt zu anderen Menschen vermeiden. Das RKI empfiehlt, bei einem konkreten Verdacht den Hausarzt oder die Hausärztin oder gegebenenfalls eine HIV-Schwerpunktpraxis telefonisch zu kontaktieren.

3. Wer kann sich auf Affenpocken testen lassen?

Bislang ist es so geregelt, dass nur in bestimmten Fällen eine Labordiagnostik zu Affenpockenviren angeordnet wird (Stand: 24. Mai 2022). Die Person muss dazu die entsprechenden Symptome aufweisen und zusätzlich:

– einen Tierkontakt gehabt haben,

– einen Aufenthalt in einem Endemiegebiete (Zentral- und Westafrika) oder

– engen Kontakt zu einer mit Affenpocken infizierten Person nachweisen.

Laut dem RKI empfehle es sich jedoch aufgrund der aktuellen Fälle diese Regelung zu erweitern, da nicht alle der derzeit Infizierten in ein endemisches Gebiet gereist sind. Daher sollten künftig auch Menschen „mit unklaren pockenähnlichen Hautveränderungen (in Abgrenzung von Windpocken, Syphilis etc.) in die erweiterten Überlegungen zur möglichen Diagnose einbezogen werden“, schreibt das Institut.

4. Wie wird eine Affenpocken-Ansteckung diagnostiziert?

Ein Nachweis des Affenpockenvirus ist in Deutschland derzeit nur in Laboren ab der sogenannten Biologischen Schutzstufe drei möglich. Dafür werden Proben aus nässenden Hautveränderungen, Bläschenflüssigkeit, Pustelinhalt oder Krusten entnommen. Auch weitere Abstriche sind möglich. Während der akuten Krankheitsphase wird außerdem ein PCR-Test, also über Polymerase-Ketten-Reaktion, gemacht. Der Nachweis ist elektronenmikroskopisch möglich.

Ein Antikörpernachweis durch eine Blutprobe ist hingegen nicht immer hilfreich, da die Orthopockenviren, die den Menschen infizieren können, „sehr ähnliche Immunantworten auslösen“, schreibt das RKI. Fehlt ein Direktnachweis, das heißt der Nachweis des Erregers selbst oder seine Bestandteile und nicht der Antikörper, kann ein nachträglicher Antikörpertest dennoch sinnvoll sein, heißt es.


5. Ich bin infiziert, was mache ich?

Fällt das Ergebnis positiv aus, sollte der Kontakt zu anderen gemieden werden. Auch vom geschützten Geschlechtsverkehr rät das RKI ab. Das gilt so lange bis „der Ausschlag abgeklungen ist und der letzte Schorf abgefallen ist.“

Das kann bis zu vier Wochen dauern. Daher sollten sich Infizierte für mindestens 21 Tage in Isolation begeben, wie Lauterbach am Dienstag mitteilte. Die Bundesregierung plant dies künftig für Infizierte zu verpflichten. Wichtig sei vor allem, dass Betroffene dann symptomfrei sind, wie der Gesundheitsminister betonte. Denn auch noch nach Ablauf der drei Wochen könnten beispielsweise noch die ansteckenden Krusten vorhanden sein.

Eine Behandlung ist in der Regel bei mildem Verlauf nicht notwendig. Die Krankheit heilt von selbst aus. Dennoch gibt es Medikamente und Therapien, die unterstützend wirken, um größere bakterielle Infektionen zu vermeiden. Ob diese notwendig werden, sollte mit dem behandelnden Arzt oder der Ärztin besprochen werden.

Das Affenpockenvirus kann auch über lange Zeiträume – teils Monate – auf Oberflächen und Stoffen bleiben. Wohnen Betroffene also mit anderen Menschen zusammen, sollten Bettzeug und Haushaltsgegenstände nicht geteilt und im Idealfall ein eigenes Badezimmer genutzt werden, empfehlen die Expertinnen und Experten des RKI.

Der Artikel "Was tun bei einem Verdacht auf Affenpocken?" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland

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