Staatsanwaltschaft ermittelt: Wollten „Querdenker“ Karl Lauterbach entführen?

Karl Lauterbach (SPD), Bundesminister für Gesundheit.
Karl Lauterbach (SPD), Bundesminister für Gesundheit. © picture alliance/dpa
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Nach Angaben Generalstaatsanwaltschaft Koblenz soll eine Gruppe aus der „Querdenker“- und Reichsbürgerszene geplant haben, Gesundheitsminister Karl Lauterbach zu entführen und einen Bürgerkrieg anzustiften. Die Verdächtigen hätten die Absicht verfolgt, das demokratische System in Deutschland zu stürzen und anschließend die Regierung zu übernehmen. Es sei mit Anschlägen auf Umspannwerke und Stromleitungen geplant worden, mit einem bundesweiten Stromausfall Chaos herbeizuführen. In dieser Woche sollen bei einer bundesweiten Razzia Datenträger beschlagnahmt und vier Personen festgenommen worden.

Ermittler sind in mehreren Bundesländern gegen Mitglieder einer Telegram-Chatgruppe vorgegangen. Das teilte die federführende Generalstaatsanwaltschaft Koblenz am Donnerstag in Mainz mit. Demnach gab es am Mittwoch Durchsuchungen in 20 Objekten in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Brandenburg, Bayern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Schleswig-Holstein und Thüringen. Im Einsatz waren rund 270 Beamtinnen und Beamte, darunter auch Spezialeinheiten. Die Polizei habe Datenträger, Computer und Handys sichergestellt.

Vier Beschuldigte seien festgenommen worden, gegen sie seien Haftbefehle beantragt worden. Die Hauptverdächtigen sollen ein 55-Jähriger aus dem rheinland-pfälzischen Neustadt/Weinstraße sowie aus Brandenburg sein. Der 55-Jährige wurde demnach bei der Vorbereitung einer Waffenübergabe festgenommen.

Insgesamt ermittle die Staatsanwaltschaft gegen zwölf Verdächtige, so die „ARD“. Bei den Beschuldigten handelt es sich um Deutsche im Alter von 55, 54, 50, 42 und 41 Jahren, vorgeworfen werden ihnen die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat und Verstöße gegen das Waffen- und Kriegswaffenkontrollgesetz. Zuzuordnen seien die Personen der Corona-Protestszene und der Reichsbürgerbewegung. Bei den Durchsuchungen wurden etwa Waffen, Munition, Bargeld, Goldbarren und Silbermünzen sichergestellt.

Die zwölf Beschuldigten organisierten sich in mehreren rechtsextremen Telegram-Gruppen, unter anderem in Gruppen namens „Vereinte Patrioten“ und „Aktive Patrioten“. Einzelne Mitglieder der Gruppen hätten auch über Mordanschläge auf Politiker fantasiert, sich Tipps zur Herstellung von Giften gegeben und über die Organisation von Waffen ausgetauscht, so „Report Mainz“. Auch in Person habe es mehrere Treffen gegeben. Die Ermittlungen gegen die Gruppe liefen seit Oktober vergangenen Jahres.

Lauterbach will sich nicht einschüchtern lassen

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach will sich von mutmaßlichen Entführungsplänen nicht einschüchtern lassen. „Manchen Covid-Leugnern geht es nicht um den Kampf gegen Impfungen oder Corona-Auflagen. Sie kämpfen gegen unsere demokratische Grundordnung“, sagte der SPD-Politiker der „Bild am Sonntag“, „Damit werden sie aber keinen Erfolg haben“.

Lauterbach hatte wiederholt von Drohungen gegen ihn berichtet. Anfang März, nachdem der österreichische Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) unter anderem wegen ständiger Anfeindungen zurückgetreten war, schrieb der SPD-Politiker bei Twitter: „Es ist eine Schande, dass er durch Drohungen aus dem Amt gedrängt wurde. Auch ich werde rund um die Uhr bewacht und kenne diese Belastung.“ Im vergangenen Herbst hatte Lauterbach geschrieben: „Seit Tagen wird im Netz erneut dazu aufgerufen, mich zu erschlagen. Es ist absolut inakzeptabel, dass so etwas nicht sofort gelöscht werden muss.“

RND/hyd/dpa

Der Artikel "Staatsanwaltschaft ermittelt: Wollten „Querdenker“ Karl Lauterbach entführen?" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland