Nach zwei Jahren Corona

Sechs Probleme für unseren Sommerurlaub – und wie wir sie lösen können

Die Lust auf sorgenfreien Sommerurlaub ist nach zwei Pandemiejahren groß, doch der Personalmangel macht der Reisebranche schwer zu schaffen. Das wird sich auch auf den Urlaub auswirken.
Eine Familie geht an den Ostseestrand in der Nähe der Seebrücke.
Wie verändern zwei Pandemiejahre den Sommerurlaub 2022? © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Den Koffer packen, zum Flughafen reisen und ab in den Flieger: So lief die Reiseplanung vor der Pandemie ab. Doch zwei Corona-Sommer haben die Reisebranche und das Verreisen verändert.

Das betrifft zum einen das Personal, das im Sommer 2022 an Flughäfen und im Gastgewerbe fehlt. Viele ehemaligen Mitarbeitende haben der Branche in der unsicheren Corona-Zeit den Rücken gekehrt. Zum anderen steigen die Preise für Lebensmittel und Energie, wodurch auch die Kosten für Urlaubsflüge und Restaurant­besuche höher ausfallen.

Doch was bedeutet das für die Reisenden und wie wirkt sich das auf die Ferien aus? Hier fünf Probleme, die im Sommerurlaub 2022 drohen.

1. Last-Minute-Preisschock

Vieles wird teurer – und auch Last-Minute-Angebote halten oft nicht, was sie vermeintlich versprechen. „Wir gehen nicht davon aus, dass es 2022 eine starke Last-Minute-Saison mit vielen Schnäppchen geben wird,“ sagt Christoph Heinzmann, Tourismusexperte bei „Holidaycheck“, dem Redaktions­Netzwerk Deutschland (RND). Expertinnen und Experten raten Schnäppchen­jagenden eher zu zeitiger Buchung für den Sommer.

Laut Kerstin Heinen, Pressesprecherin vom Deutschen Reiseverband, machen Frühbucherinnen und Frühbucher inzwischen die größeren Schnäppchen. Sie können bei Buchungen bis Ende März von Rabatten zwischen 30 und 50 Prozent beim Sommerurlaub profitieren, sagte sie dem Reisereporter.

Umgekehrt können unter anderem spontane und verspätete Flugbuchungen Reisende teuer zu stehen kommen. „Aufgrund der derzeitigen Entwicklung des Rohöl­preises sind weitere Preis­anpassungen bei Flugreisen dieses Jahr wahrscheinlich“, sagt ein Sprecher der Lufthansa dem RND.

Was Reisende tun können: Abseits der Reiseklassiker schauen. Inseln wie Kreta und Mallorca sind in diesem Jahr besonders gefragt, dementsprechend voll und kostspielig wird es an den touristischen Hotspots der Insel. Auch weniger nachgefragte Urlaubsziele abseits der Massen haben viel zu bieten und sind in der Regel spontaner und günstiger buchbar. Inspiration gefällig? Elf eher unbekannte Traumstrände in Europa hat der Reisereporter schon zusammengetragen.

2. Servicemangel wegen Personal­mangel

Küche, Service, Rezeption: Die Hotels und Restaurants an Nord- und Ostsee klagen über Personalmangel in allen Bereichen. „Wir haben mit diesem Problem seit Jahren zu kämpfen, aber Corona hat es noch einmal verstärkt“, sagt Brigit Kolb-Binder, Vorsitzende des Dehoga-Bezirks­verbandes Ostfriesland. Mit Folgen für Urlauberinnen und Urlauber, sagt die Expertin: Immer häufiger führen Hotels und Restaurants Ruhetage ein, schränken Öffnungszeiten ein und reduzieren Angebote, etwa indem sie den Mittagstisch streichen.

Ähnliche Meldungen gibt es aus Griechenland, Spanien, Italien, Portugal und Kroatien. Von Zahlen zwischen 50.000 (Griechenland) und 350.000 (Italien) fehlenden Fachkräften ist die Rede.

Was Reisende tun können: Sich in Gelassenheit üben und Verständnis aufbringen, wenn es mit der Bestellung im Café oder an der Hotelrezeption einmal länger dauert.

3. Kein Hotelzimmer bekommen

Der Personalmangel sorgt vereinzelt auch dafür, dass Hotels weniger Betten vermieten können. Dem steht vielerorts eine hohe Nachfrage gegenüber. Daher könnte es in den beliebten Ferienzielen eng werden, das haben schon die Osterferien gezeigt: Die Quartiere an der Küste waren zu 90 Prozent ausgebucht.

Für den Sommerurlaub ist mit einem ähnlichen Ansturm zu rechnen. Kurzentschlossene Reisende könnten keine Unterkunft mehr in ihrem Wunschferienort ergattern.

Was Reisende tun können: Flexibel sein – in Sachen Unterkunft und beim Datum. Je näher das Reisedatum rückt, desto kleiner ist die Auswahl an Unterkünften. Womöglich ist die Buchungslage im Nachbarort und einige Tage früher oder später noch entspannter. Daher lohnt es sich, verschiedene Reiseziele und auch solche aus der zweiten Reihe zu recherchieren. Das könnte nicht nur für einen entspannten Urlaub, sondern auch für spannende neue Entdeckungen sorgen.

4. Überfüllte Züge wegen 9‑Euro-Ticket

Mit dem 9‑Euro-Ticket fahren Reisende in Juni, Juli und August preiswert durch ganz Deutschland. Der Fahrschein hat einen regelrechten Hype ausgelöst: Viele Menschen planen in den kommenden Monaten Ausflüge und Reisen mit dem 9‑Euro-Ticket. Vor allem an den Wochenenden könnte es daher in den Regionalzügen Deutschlands extrem voll werden.

Deswegen kann es auf beliebten Strecken zu Einbußen in Sachen Komfort kommen: Einige Reisende werden keinen Sitzplatz ergattern können, womöglich muss sogar auf den nächsten ausgewichen werden. Wenn es an den Bahnhöfen bei vielen Ein- und Umsteigenden voll wird, wird dies zu Verspätungen führen. Die Bahn warnt außerdem, dass wegen Platzmangels nicht immer jedes Fahrrad mitgenommen werden könnte.

Was Reisende tun können: Alternative Routen und Reisezeiten wählen. Züge Richtung Nord- und Ostsee werden tendenziell sehr voll sein. Wer hingegen ein alternatives Ziel, am besten in der Region wählt, könne entspannter reisen, sagte ein Sprecher des Fahrgastverbands Pro Bahn dem Reisereporter. Tendenziell leerer seien die Züge wochentags sowie zwischen 4 und 6 Uhr, zwischen 11 und 15 Uhr sowie nach 18 Uhr. Wichtig sei es auch, dass Ausflüglerinnen und Ausflügler sich über den gesamten Bahnsteig verteilen, um beim Einsteigen die gesamte Zuglänge auszunutzen.

Wer die Bahn für einen Ausflug mit dem Fahrrad nutzen möchte, könnte über ein Mietrad nachdenken. Wer den Drahtesel am Zielort abholt, hat weniger Mühe beim Betreten des Zugs und muss sich nicht darum sorgen, einen Platz im Fahrradabteil zu ergattern. Alternativ kann ein Ticket für den Fernverkehr gebucht werden. Dort ist mit weniger Andrang zu rechnen, zudem kann der Platz für das Fahrrad vorab reserviert werden.

Urlauberinnen und Urlauber, die mit dem Regionalzug zum Flughafen anreisen, sollten eine Verbindung mit genügend Vorlaufzeit wählen. Eine frühe Ankunft hilft auch dabei, dem drohende Flughafenchaos entspannt zu begegnen.

5. Flughafenchaos

Die langen Wochenenden im Frühjahr haben einen Vorgeschmack gegeben auf das, was Flugreisende an den Airports im Sommer erwarten wird: Extrem lange Warteschlangen, die bis vor die Terminals reichen, etwa in Frankfurt, London und Amsterdam. Sowohl Airlines als auch den Flughäfen war es im Vorfeld nicht gelungen, ihr Personal nach den vergangenen zwei Jahren Corona-Pandemie aufzustocken. Vor allem an den Sicherheits­kontrollen kam es zu Engpässen. Nicht wenige Reisende haben deswegen ihren Flug verpasst.

Einige Airlines zogen Konsequenzen: KLM etwa setzte mit Buchungen über das Himmelfahrtswochenende aus, damit nicht noch mehr Reisende den Flughafen Amsterdam-Schiphol ansteuern. Lufthansa und Easyjet strichen für den Sommer vereinzelt Flüge, „um operative Engpässe zu entzerren“, sagte ein Airlinesprecher dem RND. Auch Eurowings und Swiss Air haben angekündigt, den Flugplan auszudünnen. Hunderte Verbindungen sind betroffen.

Wenn zur Hauptsaison in den Sommer­monaten noch mehr Reisende unterwegs sind, werden die Warteschlangen an der Flug­gast­abfertigung noch länger. Die Folge: Extreme Wartezeiten, mehr Flug­verspätungen oder ‑absagen und verpasste Flieger.

Was Reisende tun können: Frühzeitig am Airport erscheinen. Viele Airlines empfehlen inzwischen die Ankunft mindestens drei Stunden vor Abflug. Bei frühen Flügen nehmen einige Anbieter zudem das Gepäck schon am Vorabend entgegen, das spart Urlauberinnen und Urlaubern am Reisetag Zeit und Nerven. Wer die nötigen Reisedokumente vor der Sicherheits­kontrolle bereithält, Flüssigkeiten ordnungsgemäß im Plastikbeutel verstaut und so wenig Gepäck wie möglich in den Koffer steckt, trägt zu einer zügigen Abfertigung bei.

6. Gesperrte Strände an Nord- und Ostsee

Seit Beginn der Corona-Pandemie boomt der Urlaub in Deutschland. Besonders an Nord- und Ostsee ist es in den vergangenen Sommern eng geworden. Der Trend setzt sich auch in diesem Jahr fort, schon über die Osterferien waren viele Betriebe gut gebucht, auch für den Sommer stehen die Zeichen gut.

Der Ansturm sorgte in der Vergangenheit für Strandsperrungen an Nord- und Ostsee, weil die Corona-Sicherheits­abstände nicht eingehalten werden konnten. Mitte Juni 2021 war das zeitweise unter anderem in Scharbeutz und Haffkrug der Fall. Bei ähnlicher Buchungslage werden die Strände auch in diesem Jahr wieder voll werden.

Was Reisende tun können: Frühzeitig zum gewünschten Strand anreisen oder eine Alternative in Betracht ziehen. Einige Regionen geben inzwischen online Auskunft über die Auslastung der Strände, unter anderem die Ferienregion an der Lübecker Bucht.

RND

Unna am Abend

Täglich um 18.30 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.