Angeln

Mann beißt lebendem Fisch den Kopf ab – Blutige Angler-Tradition?

Ein Video zeigt einen Mann, der einem noch lebenden Fisch den Kopf abbeißt. Eine Tradition unter Anglern? Tierschützer sind entsetzt. Und nicht nur diese.
Einem lebenden Fisch den Kopf abbeißen? „Das geht gar nicht“, sagen auch die Angelfischer. © picture alliance/dpa

Dieses Video sorgt in der Angler- und Fischerei-Szene für Aufsehen: Es zeigt einen Angler, der seinem eben gefangenen, noch lebendigen Fisch den Kopf abbeißt, darauf herumkaut und ihn schließlich ausspuckt. Dem nun toten Fischkörper saugt er das Blut aus. Eine blutige Tradition – oder ein absolutes Unding?

Gepostet habe das Video der Bootsverleih Stralsund/Dänholm am 27. März auf Facebook, berichten mehrere Medien übereinstimmend. Mittlerweile ist das Video gelöscht und für die Öffentlichkeit nicht mehr abrufbar.

Die Überschrift zum Video lautete „Tradition beim 1. gefangenen“. Im Video ist zu hören, wie ein anderer Mann den Angler fragt, ob das eine Tradition sei. Beide lachen.

Ist das wirklich eine blutige Tradition? Viele Angler und Fischer haben davon offenbar noch nie etwas gehört. Wie „t-online“ berichtet, habe es unter dem Facebook-Post jede Menge entsetzte Kommentare gegeben. Auch von Anglern, die so eine Tradition nicht kennen.

Der Landesverband Westfälischer Angelfischer (LVWA) schließt sich der Kritik an. „Das geht gar nicht, einem Fisch einfach so den Kopf abzubeißen“, sagte Geschäftsführer Michael Silió-Funk auf Nachfrage unserer Redaktion. Er kenne die Tradition ebenfalls nicht. „Ich bin da zwar kein Experte, weil ich kein Meeresangler bin, aber es widerspricht allem, was ein Angler machen sollte“, so Silió-Funk.

In der Regel darf ein Angler einen Fisch laut Tierschutzgesetz „ohne vernünftigen Grund“ überhaupt nicht töten. Vernünftige Gründe seien „der Nahrungserwerb oder die Hege und Pflege des Fischbestandes“. Getötet werden darf ein Fisch zudem nur dann, wenn er vorher betäubt worden ist. Einen Fisch „aus Freude am Sport“ zu töten, ist verboten.

LVWA: „Das geht halt nicht“

Die Tierschutzorganisation Peta hat gegen den Fall in Stralsund bereits Strafanzeige wegen Tierquälerei erstattet. „Bevor und während der Mann in den Fisch beißt, sind deutliche Bewegungen des Tieres zu erkennen, die darauf schließen lassen, dass es noch lebt“, schreibt Peta in einer Mitteilung.

„Dass Peta da aktiv wird, ist logisch“, sagte Silió-Funk. Würde ein solcher Fall im LVWA auftreten, „würden wir da sicher auch tätig werden. Das geht halt nicht.“

Die Betreiber des Angelbootsverleihs, die das Video öffentlich gemacht haben, sehen offenbar kein Problem in dem Vorfall. Gegenüber der „Ostsee-Zeitung“ sagte der Mann: „Der Fisch wurde getötet, so wie es Menschen früher mal gemacht haben.“

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