Sommerurlaub mit Frustpotenzial

Erste Flughäfen kapitulieren: Wo sich schon jetzt Tausende Koffer stapeln

Nicht nur in Deutschland herrscht bei Airlines und an Flughäfen Personalnot. In ganz Europa droht Chaos: Flughäfen in London und Amsterdam streichen Airlines Hunderte Flüge.
Viele Reisende warten im Flughafen Schiphol auf ihre Abreise.
Bereits im April gab es am Flughafen Schiphol in Amsterdam personelle Engpässe, es kam zu langen Warteschlangen. Im Sommer könnte sich das wiederholen. © picture alliance/dpa/ANP

Lufthansa und Eurowings haben bereits angekündigt, mehr als 1000 Flüge im Sommer zu streichen, weil Personalnot herrscht. Doch nicht nur in Deutschland herrscht nach der Corona-Pandemie Personalknappheit, weil viele Menschen während der zweieinhalbjährigen Zwangspause in anderen Branchen untergekommen sind – alle Bereiche des Tourismus in vielen Ländern weltweit klagen.

Die Flughäfen Amsterdam-Schiphol und London-Gatwick heben das nun auf ein neues Level: Es fehlt schon jetzt so viel Personal, dass absehbar ist, dass das Passagieraufkommen im Sommer nicht zu stemmen ist. Die Folge: Sie haben die Airlines aufgefordert, Flüge zu streichen.

Amsterdam lässt im Juli bis zu 30.000 Menschen täglich stehen

Normalerweise reisen zwischen 85.000 und 100.000 Passagierinnen und Passagiere täglich über den Flughafen Schiphol. Der Betreiber des Airports in Amsterdam teilte nun mit, dass man im Juli nur 67.500 und im August 72.500 Reisende befördern könne. Bis zu 30.000 Reisende können also nicht befördert werden – pro Tag! In einem Statement heißt es vom Flughafen, die angespannte Lage auf dem Arbeitsmarkt mache die Entscheidung notwendig, vor allem gebe es zu wenig Sicherheitspersonal für notwendige Sicherheitskontrollen. Betroffene Reisende sollen umbuchen können, entweder was das Datum oder aber den Abflugs- beziehungsweise Zielort angeht.

Am Londoner Flughafen Gatwick verhält es sich ähnlich. Wie der Betreiber am Freitag ankündigte, können statt der bis zu 900 Flügen täglich im Juli nur 825, im August 850 pro Tag abgewickelt werden. Ohne diese Entscheidung wäre der Frust bei vielen Passagierinnen und Passagieren noch größer gewesen, da sie mit langen Wartezeiten, Flugausfällen und schlechtem Service konfrontiert gewesen wären, heißt es vom Flughafenbetreiber.

Tausende Koffer stapeln sich im Terminal in London-Heathrow

Die Billigfluglinie Easyjet, die ebenfalls mit Unterbesetzung zu tun hat, hat bereits reagiert. Man werde zahlreiche Flüge von und nach Amsterdam und London-Gatwick streichen, ließ das Unternehmen verlauten. Easyjet wollte eigentlich im Sommer 97 Prozent der Kapazität aus dem Vorkrisensommer 2019 erreichen. Nun wurde die Erwartung angepasst und man hoffe auf 90 Prozent Kapazität, berichtet das „Handelsblatt“. Easyjet hatte bereits auf einigen Flügen Sitzplätze gesperrt, weil nicht genug Personal vorhanden war, um alle Reisenden zu versorgen.

Kofferchaos in London nimmt absurdes Ausmaß an

Schon in den vergangenen Wochen war es immer wieder zu langen Wartezeiten gekommen, zahlreiche Menschen verpassten ihre Flüge, obwohl sie Stunden vor Abflug am Flughafen waren. Am Wochenende war das Chaos in London – allerdings am Flughafen Heathrow – perfekt: Weil es Probleme bei der Gepäckanfertigung in Terminal 2 gab, stapelten sich Tausende Koffer im Terminal. Videoaufnahmen zeigen, wie Personal immer neue Koffer herankarrte und ganze Bereiche von Terminal 2 gesperrt wurden.

Heathrow, der größte Flughafen Großbritanniens, rief daraufhin Fluggesellschaften dazu auf, zehn Prozent ihrer Verbindungen für den heutigen Montag, 20. Juni, zu streichen. Nach wie vor bestehen demnach Probleme bei der Gepäckabwicklung, sowohl wegen technischer Ursachen als auch wegen Personalmangels. Rund 5000 Passagierinnen und Passagiere waren von den Streichungen betroffen.

Reisende müssen im Sommer mit Frust und Notfallplänen rechnen

Der Sommer 2022 sollte für den Tourismus das große Comeback werden. In vielen Ländern sind Einreisebeschränkungen gefallen, in den Urlaubsländern gelten vor Ort kaum mehr Restriktionen und die Menschen sind nach zweieinhalb Jahren Pandemie und Lockdowns reiselustig wie nie. Doch nun bremst ausgerechnet die Personalknappheit einen unbeschwerten Sommer aus. Weder bei Lufthansa noch an den Flughäfen in Amsterdam und London könne man die aktuelle Nachfrage befriedigen, heißt es.

Flughäfen und Airlines empfehlen Reisenden in diesem Sommer daher, Notfallpläne zu schmieden. Das Risiko, einen gebuchten Flug trotz frühzeitiger Anreise zu verpassen oder ihn wegen eines Ausfalls nicht antreten zu können, sei deutlich höher als in den vergangenen Jahren. Reiseexpertinnen und -experten raten zu einer Reiseversicherung und zu Notfallgeld, falls Reisende für einige Tage ungeplant im Ausland stranden.

Personalnot und Streik: Flughäfen stehen bisweilen still

Zu den Personalproblemen kommen vielerorts noch lokale Verzögerungen wie Streiks. An diesem Montag wird etwa am größten Flughafen Belgiens, in Brüssel, gestreikt. Da die Ankündigung erst am Sonntagabend kam, stauten sich am Montagmorgen 70.000 Menschen in den Terminals – obwohl keine Passagiermaschine abhob. Auch im norwegischen Oslo streiken die Luftfahrttechniker bereits seit Tagen, immer wieder kommt es zu Flugausfällen und langen Wartezeiten an der Sicherheitskontrolle.

Der Artikel "Erste Flughäfen kapitulieren: Wo sich schon jetzt Tausende Koffer stapeln" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland

Unna am Abend

Täglich um 18.30 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.