Hübsche Farbe, aber blöder Standort, oder? Ein Poller ist zum „Stein des Anstoßes" geworden. © Martina Niehaus
Poller am Radweg

Herausforderung für Radfahrer: Dicker Poller steht mitten auf dem Weg

Er ist schwarz-gelb und müsste der Traum eines jeden BVB-Fans sein. Aber der Poller mitten auf dem Radweg ist vor allem kurios. Warum steht er da? Darauf gibt es eine Antwort.

Ein ganz offizieller Radweg ist es, auf dem der „Poller des Anstoßes“ steht. Die dicke, knapp einen Meter hohe Säule sieht aus wie aus dem BVB-Fanartikelshop entsprungen.

Ein Radfahrer hatte sich über den Poller geärgert und den ADFC (Allgemeinen Deutschen Fahrradclub) Schwerte auf den Plan gerufen. Gefährlich sei der Poller, und unnötig noch dazu.

Ein kurzer Besuch beim Poller zeigt: Elegant umfahren werden kann er tatsächlich nicht. Er steht nämlich genau vor einem weiteren Hindernis: Zwei Umlaufschranken, die klassisch im Slalom umschifft werden müssen. Hat man das geschafft, kann man weiterfahren auf dem Radweg, der hinter der Lippmann GmbH entlangführt und Weidenweg und Holzweg miteinander verbindet.

Doppelt hält besser – oder doppelte Gefahr?

Doppelt hält besser, mag man sich da denken. Doch mit dem Rad kommt man auf gar keinen Fall so einfach hindurch. Kurz vor dem Poller steht sogar noch ein Schild, das diesen Weg als Radweg ausweist. Und dann steht da dieser Pömpel. Komisch.

Mitten auf dem Radweg steht ein Poller. Sicherheitshalber, sagt die Stadt. Überflüssgerweise, sagt der ADFC.
Mitten auf dem Radweg steht ein Poller. Sicherheitshalber, sagt die Stadt. Überflüssgerweise, sagt der ADFC. © Martina Niehaus © Martina Niehaus

Tatsächlich handelt es sich bei dem Radwegabschnitt um einen Privatweg, der von der Lippmann GmbH gepachtet wurde und die auf Anfrage bei der Stadt Schwerte den Poller dort hat aufbauen lassen. Aber warum?

Stadt hat den Poller genehmigt

„Der Poller ergänzt die Umlaufschranken und soll Gefahren ausschließen, die immer wieder durch die Nutzung des Weges durch Krafträder entstanden sind“, erklärt Stadtsprecher Ingo Rous. Die Stadt Schwerte habe das Aufstellen des Pollers vor rund 15 Jahren „mündlich genehmigt“. Noch nie habe sich jemand beschwert.

Und die Stadtverwaltung schätzt die Umlaufschranken plus Pömpel nicht als gefährliches Hindernis ein. Sondern als „Mittel, die der Verkehrssicherheit dienen“. Denn durch die Hindernisse würden hohe Geschwindigkeiten vermieden. „Die Firma Lippmann kommt damit ihrer Verkehrssicherungspflicht nach“, erklärt Ingo Rous.

„Wir Radfahrer wollen schnell von A nach B“

Monika Rosenthal ist Sprecherin des ADFC Schwerte. Sie hält den Poller für keine direkte Gefahrenstelle. „Er ist gut sichtbar, das ist kein Problem. Aber er bremst Radfahrer schon aus.“ Und das, erklärt sie, wolle man ja eigentlich vermeiden.

Monika Rosenthal ist ADFC-Sprecherin. Auch sie findet: „Der Poller stört.“
Monika Rosenthal ist ADFC-Sprecherin. Auch sie findet: „Der Poller stört.“ © Foto: Bernd Paulitschke (A) © Foto: Bernd Paulitschke (A)

„Wir Radfahrer möchten gerne schnell von A nach B kommen – am liebsten schneller als die Autofahrer“, sagt sie und lacht. Mit Rolf Lippmann, dem Eigentümer des Radweges, habe sie bereits telefoniert. Es habe die Vereinbarung gegeben, dass man noch einmal miteinander reden werde.

„Ich finde es schön, dass Herr Lippmann die Bereitschaft zeigt, da etwas zu ändern“, sagt sie. Schließlich habe die Stadt Schwerte in der Vergangenheit bereits mehrere der Umlaufschranken auf Radwegen entfernt.

„Mofafahrer sind hier durchgebrettert“

Auf Anfrage unserer Redaktion bestätigt Rolf Lippmann, dass man noch einmal in Ruhe mit den ADFC-Experten über den kuriosen Poller reden könne. Er betont aber auch, dass er den Poller aus guter Absicht aufgebaut habe: „Es war so, dass hier tatsächlich immer viele Mopeds durchgebrettert sind. Und das ist auch für Radfahrer gefährlich“, erklärt er.

„Den Seitenstreifen zwischen Weidenweg und Autobahn haben wir von der BRD gepachtet“, erzählt Lippmann. Der würde auf eigene Kosten gepflegt, im Umfeld der Firma wünsche man sich ein „ordentliches Erscheinungsbild“. Die Hecken würden geschnitten, der Weg ist beleuchtet.

Aber es gäbe auch manchmal Ärger: Oft käme es es „zu unsachlichen Diskussionen, zum Beispiel wegen Hundekot“, sagt er. Auch eine Bank habe man aufgebaut, die dann jedoch regelmäßig vermüllt und beschmutzt worden sei. Deshalb habe die Lippmann GmbH sie wieder entfernt.

Macht ein Hinweisschild Sinn?

Doch zurück zum Poller: Eine Frage wäre, ob es Sinn machen würde, zumindest mit einem Schild darauf hinzuweisen. Denn es wäre ja wichtig, die Fahrgeschwindigkeit zu verringern, bevor man vor dem Poller landet.

Doch in puncto Gefahr lässt sich die Stadt Schwerte auf keine Diskussion ein. Ein Warnschild sei nicht nötig, antwortet Ingo Rous auf Anfrage. „Umlaufschranke und Poller sind gut sichtbar.“ Die Stadt sei jedoch bereit, die Anregung zu prüfen.

Erst links, dann rechts, dann mitten ins Schwarz-Gelbe: Radfahren ist hier eine Herausforderung.
Erst links, dann rechts, dann mitten ins Schwarz-Gelbe: Radfahren ist hier eine Herausforderung. © Martina Niehaus © Martina Niehaus

Es sei übrigens nicht ungewöhnlich, dass private Wege dem Fuß- und Radverkehr zur Verfügung gestellt werden. „Der Ruhrtalradweg zum Beispiel führt auf Schwerter Stadtgebiet nahezu in seiner gesamten Länge über Gelände, das sich im Privatbesitz befindet“, sagt der Stadtsprecher.

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Begegnungen mit interessanten Menschen und ganz nah dran sein an spannenden Geschichten: Das macht für mich Lokaljournalismus aus.
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Martina Niehaus
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