Wenn Willi Schulte aus dem Omnibus stieg, ging die Post ab

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Willi Schulte war in den 70er-Jahren ein gefürchteter Torjäger. 700 Zuschauer bei den Spielen seines Heerener Teams waren keine Seltenheit.

von Werner Hahn

Heeren-Werve

, 18.06.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Er galt in seiner aktiven Zeit als gefürchteter Torjäger. Die Rede ist von Willi Schulte, der sich in den 70er-Jahren in der heimischen Fußballszene einen Namen als Torjäger machte. Zunächst beim BV, nach der Fusion mit der SG zum heutigen BSV Heeren, ist er dem Kamener Vorstadtklub ein Leben lang treu geblieben. Das war schon in der damaligen Zeit durchaus nicht selbstverständlich. Angebote von höherklassigen Vereinen lagen vor, doch Willi Schulte, der damals als Stürmer keinen Zweikampf scheute, auch dahin ging, wo es wehtut, blieb den Blau/Gelben erhalten. Die Sportredaktion dieser Zeitung unterhielt sich mit dem Torgaranten von einst nicht nur über vergangene Zeiten.

Angesichts des Pandemie die wohl wichtigste Frage zuerst, wie geht es Ihnen und Ihrer Familie derzeit?

Uns geht es sehr gut, es gibt daher keinen Grund zu klagen.

Wo wir bei der Familie sind: Ihr Sohn Sebastian war zu Beginn des vergangenen Jahrzehnts wie auch Sie in den 70er-Jahren ein gefürchteter Torjäger, das allerdings mit Schwerpunkt SSV Mühlhausen. Was macht Ihr Filius heute?

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Sebastian lebt heute mit seiner Familie in Pullach bei München. Er ist Vater eines Töchterchens, sein ganzer Stolz. Beruflich ist er in München im Marketingbereich für einen britischen Automobilkonzern tätig, ist dadurch bedingt auch häufig in London unterwegs.

Sie waren wie bereits erwähnt in den 70er-Jahren ein gefürchteter Torjäger im Großraum Unna und hatten seinerzeit Angebote von höherklassigen Vereinen. Was hat Sie bewogen, dem BV und späteren BSV Heeren die Treue zu halten?

Das hatte verschiedene Gründe. Ich habe mich in Heeren früh selbstständig gemacht, habe ein Buch- und Schreibwarengeschäft übernommen. Allein das hat mich schon vor Ort gehalten. Außerdem haben mich meine Brüder Günter und Siegfried beeinflusst, keinen Vereinswechsel vorzunehmen, das war wohl der richtige Schritt.

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Angefangen hat Ihre sportliche Karriere beim damaligen BV Heeren, bekanntlich einem Vorgänger des heutigen BSV. Ihr sportliches Domizil war seinerzeit der Platz am Schattweg. Für viele Gegner galt der Platz mit den Bretterzäunen als fast uneinnehmbare Festung. Was hat den Charme dieser Sportstätte ausgemacht?

Wir hatten als Umkleidekabinen zwei ausrangierte Omnibusse, die direkt am Eingangsbereich platziert waren. Wenn wir da herauskamen, ging die Post ab. Unsere Fans waren heiß. Über 700 Zuschauer, manchmal auch noch mehr, eine Zahl, die auf dieser Ebene heute nicht mehr denkbar ist, säumten den Zuschauerbereich. Vor allem dann, wenn es gegen wie Konkurrenten wie den BV Königsborn, der SG Massen oder den Unnaer Klubs Schwarz-Gelb 07 und den Sportclub 08 ging. Nicht zu vergessen auch der damalige SV Holzwickede.

Der BV war seinerzeit die Nummer eins im Ort als Fußballverein. Vor gut 50 Jahren ging Ihr Verein, der BV dann die sportliche Ehe mit der SG zum BSV Heeren ein. War die Fusion für Sie eine richtige Maßnahme?

Ich war immer ein Befürworter dieser Fusion, auch wenn es im Ort schon einige Gegner gab. Willi Heseler, Reinhard Strüwer und Hubert Neuer waren seinerzeit die Triebfedern dieser Vereinigung, das war und ist schon eine gute Entscheidung. Wir hatten damals als BV schon eine gute Mannschaft, aber auch die SG brachte mit Wim Donkervoort, den Gebrüder Hillebrecht oder Udo Rübenacke, um nur einige zu nennen, gute Akteure mit ein.

Was war ihr größter sportlicher Erfolg als Fußballer in Heeren, wenn Sie heute einmal die Vergangenheit Revue passieren lassen?

Wir sind nur ein Jahr nach der Fusion 1969 mit der SG in die Landesliga aufgestiegen. Auch ein Zeichen dafür, dass das Zusammengehen der beiden Heerener Vereine richtig war. Sportlich war das mein größter Erfolg.

Willi Schulte (li.) war in den 70er-Jahren ein gefürchteter Torjäger. Trotz zahlreicher Angebote hielt er dem Verein stets die Treue.

Willi Schulte (li.) war in den 70er-Jahren ein gefürchteter Torjäger. Trotz zahlreicher Angebote hielt er dem Verein stets die Treue. © hahn

Und was würden Sie als größten Misserfolg in Ihrer sportlichen Laufbahn bezeichnen?

Das war sicher die Heim-Niederlage einige Jahre früher gegen eben die SG Heeren, die erst kurz zuvor in die Bezirksliga aufgestiegen war. Das war für viele BVer damals schon so etwas wie eine Schmach.

Wenn Sie heute zurückblicken, an was erinnern Sie sich mit gut 50 Jahren Abstand besonders gern?

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Wir hatten damals eine Truppe mit einer guten Kameradschaft beieinander, die durch dick und dünn ging. Ich bin mit Leuten wie Kalla Andres, Heiner Hakenesch, Heiner Rumpf oder Heinz-Gerd Wechsler fast zeitgleich aus der Jugend gekommen, das hat dann schon gut gepasst.

In der heutigen Zeit gehen die Akteure nach den Spielen meistens sehr schnell ihre eigenen Wege. Wie war das in der damaligen Zeit bei Ihnen, haben Sie auch außerhalb des Sportplatzes schon einmal was zusammen unternommen?

Wie bereits erwähnt wurde Kameradschaft bei uns immer großgeschrieben. Wir haben nach dem Spielen meist noch ein Bier zusammen getrunken, manchmal hat uns der Verein auch ein Essen spendiert. Aber auch so haben wir häufig etwas gemeinsam unternommen. Mit Heiner Hakenesch und Heiner Rumpf habe ich mich früher besonders gut verstanden.

Sie gelten als großer Fan von Borussia Dortmund. Auf welchem Rang landet der BVB nach ihrer Meinung am Ende dieser Saison in der Bundesliga?

Die Meisterschaft hat ja schon der FC Bayern München geholt. Aber der zweite Rang sollte es schon sein.

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