Uwe Nitsch, Trainer des VfL Kamen, geht nicht davon aus, dass in dieser Handball-Saison nocheinmal gespielt wird. Es werde deshalb einige Unzufriedene geben, sagt er.

von Mats-Yannick Roth

Kamen

, 27.03.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die massiven Einschränkungen des gesellschaftlichen Zusammenlebens zur Eindämmung der Corona-Pandemie machen auch vor dem Sport keinen Halt. Die heimischen Handballer müssen mindestens bis zum 19. April pausieren. Der Handball-Verband Westfalen hat bis dahin den gesamten Spielbetrieb ausgesetzt. Wie es danach weitergehen wird, ist noch völlig offen. Unsere Sportredaktion sucht in der ebenso unfreiwilligen wie unumgänglichen Pause den Draht zu den Protagonisten der heimischen Handball-Szene wie Uwe Nitsch, dem Trainer des Bezirksligisten VfL Kamen.

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Herr Nitsch, Mannschaftssport ist momentan auch in Kamen undenkbar. Wie sind Sie derzeit mit Ihrem Team verblieben?

Konkrete Vorgaben habe ich im Prinzip keine gemacht. Die Spieler sollen individuell und freiwillig etwas machen und sich fit halten. Ich muss mich da auf den Einsatz jedes Einzelnen verlassen, kontrollieren kann ich momentan ja sowieso nichts.

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Was meinen Sie, wird in diesem Spieljahr überhaupt noch einmal Handball gespielt?

Die Situation ist für alle sehr frustrierend, den Jungs fällt schon die Decke auf den Kopf. Wir müssen jetzt weiter abwarten, wie sich das Ganze entwickelt. Ich gehe fest davon aus, dass in dieser Saison gar nicht mehr gespielt wird. Die Olympischen Spiele und die Fußball-EM sind längst abgesagt, warum sollte es also im Amateurbereich weitergehen?

Wenn die Saison endgültig abgebrochen wird, wie sollte die Wertung aussehen, damit es möglichst gerecht für alle Vereine ist?

Bei uns ist eh alles entschieden, von daher bin ich da eigentlich ganz gelassen. Aber klar: Es gibt sehr viele Mannschaften, da geht es jetzt um die Fragen nach möglichen Auf- oder Abstiegen. Wirklich gerecht werden kann man am Ende eh nicht jedem, es wird bei jeder Variante auch Unzufriedene geben.

Uwe Nitsch

Uwe Nitsch © VfL

Sie haben den VfL Kamen vor knapp zehn Monaten übernommen. Nach 18 gespielten Begegnungen stehen Sie auf Platz drei mit 28:8 Punkten. Wie fällt die Bilanz aus?

Die Bilanz sieht eigentlich so aus, wie ich es mir vor der Saison vorgestellt hatte. Wir wollten versuchen, möglichst lange oben dran zu bleiben und den Abstand zur Ligaspitze zu verringern. Das ist uns bis hierher ganz ordentlich gelungen. Natürlich sind Niederlagen immer frustrierend. Wenn sie berechtigt sind, kann ich damit leben. Aber die Niederlagen gegen Dolberg und Hamm haben mich schon geärgert.

„Die Trainingsbeteiligung und der Einsatz haben sich auf jeden Fall verbessert.“
Uwe Nitsch

In welchen Bereichen haben Sie die meisten Fortschritte bei Ihrer Mannschaft ausgemacht?

Nach den Eindrücken, die ich mir selbst verschafft habe und auch nach einigen Gesprächen mit Spielern und anderen Personen im Verein, lässt sich denke ich schon sagen, dass insgesamt etwas mehr Zug und Einstellung drin ist. Das Training ist vielleicht qualitativ etwas besser geworden, dadurch hat der ein oder andere auch mehr Spaß am Training. Die Beteiligung und der Einsatz haben sich auf jeden Fall verbessert, das haben mir auch die Spieler so bestätigt. Zwei, drei der jüngeren Spieler haben sich auch wirklich sehr gut entwickelt. Das gilt aber noch nicht für alle, sodass wir auch noch genug zu tun haben.

Vor allem die guten Deckungsleistungen Ihrer Kamener stechen hervor. So haben Sie insgesamt 38 Gegentore weniger kassiert als Spitzenreiter Unna Massen. Ist die Defensive das große Plus beim VfL?

Ja, ganz sicher hat uns das die notwendige Sicherheit verliehen. Die Abwehr stand auch vorher schon recht gut, da haben wir einige Details noch einmal angesprochen und uns da verbessert. Allerdings müssen wir aus dem Umschaltspiel von hinten nach vorne noch mehr Kapital schlagen. Vor allem gegen die besseren Gegner in der Liga ist uns das nur zu selten gelungen.

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Wo sehen Sie noch am meisten Entwicklungspotenzial?

Wir haben es in der bisherigen Rückrunde schon besser hinbekommen, auch mit einem Vorsprung die Konzentration 60 Minuten lang hochzuhalten. Daran wollen wir weiter arbeiten. Eine Baustelle sehe ich bei uns noch im rechten Rückraum. Da spielen wir ohne Linkshänder und haben viele verschiedene Varianten probiert. Letztlich hat aber noch nichts so funktioniert, wie ich mir das vorstelle.

„Es ist für uns schwierig, Spieler aus der Umgebung zum VfL zu holen.“
Uwe Nitsch

Sie haben für die nächste Saison ebenso wie der Großteil des Kaders bereits zugesagt. Wie stets um die Planungen und wo kann die Reise in naher Zukunft hingehen?

Stand jetzt stehen mir in der neuen Saison 13 Spieler zur Verfügung. Lennart Pahlig ist nach seinem Umzug nach Münster noch fraglich. Vielleicht kommt noch der ein oder andere Spieler aus der zweiten Mannschaft hinzu. Darauf müssen wir zurückgreifen, weil es für uns sicher schwierig werden wird, Spieler aus der Umgebung zum VfL zu holen. Bei Steven Vogt müssen wir nach seiner schweren Knieverletzung noch abwarten. Aber der hat ja jetzt noch jede Menge Zeit.

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Was war in der Saison 2019/2020 das beste Erlebnis mit Ihrer Mannschaft?

Wie gesagt, die Mannschaft hat es immer besser hinbekommen, die Konzentration hochzuhalten und konsequent bis zum Ende durchzuziehen. Das ist im Laufe der Rückrunde deutlich besser geworden wie auch im letzten Spiel gegen den TV Beckum, als wir auf alle Umstellungen des Gegners sofort eine Antwort gefunden hatten (Endergebnis 37:18).

Auf einer Skala von 1 bis 10: Wie bewerten Sie die bislang gespielte Saison?

Mit einer 7,5.

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