In der Corona-Pause machen sich viele Verantwortlichen Gedanken, wie es im Fußball weitergehen kann. Andreas Conradi vom VfL Kamen hat einen Vorschlag, der so noch kein Thema war.

Kamen

, 26.03.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Fußballspiele nachholen, Play-Offs und Play-Downs oder schlichtweg die Saison abbrechen - es kursieren derzeit viele Möglichkeiten, wie die Amateurfußballer ihren Ligenbetrieb noch retten können. Auch Andreas Conradi, Berater des Fußballvorstands beim VfL Kamen und Vorsitzender des Fördervereins, befasst sich mit diesem Thema und hat seine eigene Vorstellung. Im Interview mit unserer Sportredaktion lässt er in die Pläne der Fußballabteilung blicken.

Jetzt lesen

Herr Conradi, der Fußball befindet sich in der Corona-Pause, bedeutet das auch Stillstand beim VfL Kamen?

Aktuell sind wir, wie alle Vereine an die Weisungen der Städte und der Regierung gebunden. Ein Training findet also nicht statt. Wir haben allerdings unsere Sportler aus Fürsorge schon zwei Tage zuvor vom Training entbunden. Die Spieler, halten sich momentan in eigener Regie fit. Unsere Trainer haben ein Trainingsprogramm für daheim entworfen, an das sich die Spieler halten. Auch die Vorstandsarbeit ruht aktuell, sicherlich sind wir täglich untereinander in Kontakt, dennoch ist produktives Arbeiten momentan nur schwer möglich.

Sie sind derzeit sehr auf dem Spielermarkt aktiv. Sind da noch einige Neuverpflichtungen in der Pipeline?

Ja, wir haben insgesamt noch vier Spieler, die wir bislang noch nicht veröffentlicht haben. Unsere Kaderplanung für die kommende Saison ist somit abgeschlossen.

Andreas Conradi engagiert sich in der Fußballabteilung des VfL Kamen.

Andreas Conradi engagiert sich in der Fußballabteilung des VfL Kamen. © VFL

Sie wollen also in der neuen Saison ganz oben angreifen. Lohnt sich dieser Aufwand aktuell bei dieser hochkarätigen Konkurrenz?

Konkurrenz finden wir nicht schlimm, im Gegenteil. Andere Vereine machen ebenfalls einen guten Job. Der Aufwand lohnt sich immer.

Jetzt lesen

In der Corona-Pause gibt es viele Spekulationen darüber, wie die Saison beendet werden soll. Wofür sprechen Sie sich aus?

Das kommt darauf an, wie lange diese Katastrophe noch anhält. Ich persönlich glaube nicht, dass die aktuelle Saison kurz nach den Osterferien fortgeführt wird. Ich hoffe auf eine Neuaufnahme des Spielbetriebes ab Mai. Ich würde die ausgefallenen Spiele ohne Wertung verbuchen und die Saison mit den verbleibenden Spielen dann zu Ende spielen lassen. Ich fände es schade, für die Mannschaften die aktuell in ihren Ligen ganz oben stehen, die Saison abbrechen zu müssen. Sollte allerdings eine Spielaufnahme in dieser Saison nicht mehr zustande kommen, sollten die Ligen Ihre Saison unverändert in der nächsten Spielzeit neu austragen.

Die erste Mannschaft will hoch hinaus, um auf lange Sicht hin auch noch attraktiver für die Jugend zu werden?

Ja, für uns ist die Jugend entscheidend. Der VfL Kamen hat aktuelle von den Minis bis zur A Jugend alle Mannschaften besetzt. Für uns hat die Ausbildung des Nachwuchses große Bedeutung. Die nächsten Maßnahmen beim VfL besteht in der Ausbildung der Trainer. Unsere Trainer sind hoch motiviert, das wollen wir ihnen danken. Gemeinsam mit unseren Jugendleitern arbeiten wir derzeit an internen und externen Schulungskonzepten für unsere Jugendtrainer.

„Der Plan besteht darin, auch unsere Zweite in der Kreisliga A zu halten.“
Andreas Conradi

Es tut sich auch einiges in der Infrastruktur!?

Ja das stimmt. Die Stadt Kamen hat mit Landesunterstützung die Renovierung des alten Kabinentraktes noch in diesem Jahr vor. Durch andere Fördertöpfe und durch Eigenmittel sollen auch das Vereinsheim und die Sanitäranlagen im Vereinsheim renoviert werden. Der VfL selber wird in Zusammenarbeit mit der Stadt Kamen die Tribüne im Jahnstadion renovieren. Weiterhin ist das Ziel, einen neugestalteten Fitnessraum für unsere Sportler einzurichten. Bepflanzungen und weitere Gimmicks werden das Allgemeinbild des Jahnstadions noch in diesem Jahr neu erstrahlen lassen. An dieser Stelle müssen wir auch nochmals der Stadt Kamen danken, die uns immer unterstützt, wo es nur geht.

Bei Ihren Planungen haben Sie auch immer den Blick auf die eigene Reserve-Mannschaft in der gleichen Liga. Da es für die erste Mannschaft um nichts mehr geht, wird die Zweite verstärkt und eilt nun von Erfolg zu Erfolg!?

Ja, der Plan besteht darin, auch unsere Zweite in der Kreisliga A zu halten. Das haben sich die Jungs auch verdient, wenn man den Blick auf die letzten Jahre des VfL Kamen richtet. Die zweite Mannschaft war immer da, hat den Verein nie im Stich gelassen. Die Jungs haben sich von der Kreisliga D bis in die A hochgekämpft. Aktuell brauchen sie unsere Unterstützung und die sollen sie auch bekommen. Allerdings geschieht dies nie ohne die Zustimmung der Trainer der ersten Mannschaft. Das Miteinander zwischen Trainern der ersten und zweiten Mannschaft war noch nie besser beim VfL Kamen.

Sollte die Reserve den Klassenerhalt schaffen, dann sollen beide Teams künftig in verschiedenen Staffeln spielen. Warum?

Ja. Für uns bedeutet die aktuelle Situation sehr viel Arbeit. Jede Woche wird ein Heimspiel ausgetragen. Es müssen immer Ordner und Kassierer vor Ort sein. Wenn wir beide Mannschaften wieder in unterschiedlichen Staffeln haben, wird die Reserve wieder um 13 Uhr vor der ersten Mannschaft spielen können. Für uns bedeutet das einen geringeren Aufwand und zufriedenere Fans.

„Ziel ist es, in der nächsten Saison den Aufstieg in die Bezirksliga zu realisieren.“
Andreas Conradi

Es gibt ein sportliches Konzept mit Zielen beim VfL Kamen. Bis wohin geht der neue Weg, bis in welche Liga und warum ist das realistisch?

Wir wollen nichts überhasten. Ziel ist es, in der nächsten Saison den Aufstieg in die Bezirksliga zu realisieren. Das soll aber noch nicht das Ende der Fahnenstange sein. Wir müssen abwarten, wie sich alles entwickelt. Ich denke, wenn man zu ungeduldig ist, wirkt sich das nicht positiv aus. Wir haben eine tolle Infrastruktur, unser Gesamtvorstand leistet tolle Arbeit und wir von der Fußballabteilung haben uns eines auf die Fahne geschrieben: Nichts versprechen, was wir nicht halten können. Wir werden sehen, wo uns dieser Einsatz hinführt.

Jetzt lesen

Bei diesem Vorhaben sind Sponsoren unerlässlich. Glauben Sie, dass die Unterstützung nach der Corona-Krise weiter so anhält. Gibt es eine Art Notfallplan?

Ich glaube, dass diese Frage momentan schwer zu beantworten ist. Aktuell müssen sich die Sponsoren um Ihre Firmen und um Ihre Mitarbeiter kümmern. Das hat oberste Priorität. Durch den regelmäßigen Kontakt zu unseren Partnern sind wir immer auf dem Laufenden. Aktuell kann ich nur sagen, dass jeder Partner an Bord bleibt und uns auch in der nächsten Saison unterstützt. Aber einen Notfallplan haben wir natürlich.

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Handball:
Coach Rau vom Landesligisten SuS Oberaden II befürchtet: „Das wird eine Leerlauf-Saison“