Umfrage zur Bundesliga: Geisterspiele sind wie eine Dokumentation auf „Phoenix“

Fußball

Der Spielbetrieb in der Bundesliga läuft wieder – vor leeren Kulissen. Kenner der heimischen Fußballszene sagen, wie ihnen die Geisterspiele gefallen. Wir wollen auch Ihre Meinung wissen.

von Ulrich Eckei, Michael Friehs

Kreis Unna

, 28.05.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 4 min
Ein trauriges Bild: Die Spiele der ersten Fußball-Bundesliga werden wegen der Coronakrise vor leeren Rängen ausgetragen.

Ein trauriges Bild: Die Spiele der ersten Fußball-Bundesliga werden wegen der Coronakrise vor leeren Rängen ausgetragen. © dpa

Endlich wieder Fußball oder blanker Unsinn? Die Meinungen zu Geisterspielen in der Fußball-Bundesliga gehen nicht nur unter Fans weit auseinander. Wir haben uns in der heimischen Fußballszene umgehört. Und wollen auch Ihre Meinung wissen – machen Sie mit bei unserer Umfrage!

Umfrage

Wie finden Sie die Geisterspiele in der Fußball-Bundesliga?

20 abgegebene Stimmen


Stefan Kortmann, Trainer des SV Langschede, Bekennender BVB-Fan:
Auf der einen Seite finde ich es gut, mal wieder nach langer Zeit Fußball schauen zu können. Auf der anderen Seite merkt man auch, dass ohne die entsprechende Atmosphäre auf jeden Fall etwas fehlt. Ein wenig albern finde ich, wie man versucht, unbedingt hier und da noch schnell einen Mundschutz in die Kamera zu halten. Das ergibt in Summe keinen Sinn.

Ulli Neuhaus, Co Trainer SV Bausenhagen, Fan des 1. FC Köln: Die Begegnungen haben aus meiner Sicht lediglich Freundschaftsspielcharakter, da die Zuschauer fehlen. Das Niveau ist allerdings recht ordentlich. Überraschend aus meiner Sicht ist aber, dass die Heimteams enorme Probleme haben.

Marco Slupek, Trainer SSV Mühlhausen II, Fan des FC Bayern München: Finde ich nicht gut, die Spiele sind langweilig. Wenn ich an die Partie BVB gegen Bayern denke: Keine Stimmung, keinerlei Emotionen. Aber aufgrund der aktuellen Lage muss man sich leider damit abfinden.

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Martin Klüting, Fußball Ikone, Fan des FC Schalke 04: Ich denke, dass es für alle Clubs lebensnotwendig war, dass der Spielbetrieb fortgesetzt wurde. Ich persönlich könnte aber darauf verzichten. Das ist mir zu steril. Keine Stimmung, kaum Emotionen. Das ist nicht mein Fußball.

Tayfun Basyigit, Trainer der SpVg Bönen, Fan von Borussia Dortmund: Grundsätzlich bin ich sehr froh, dass die Bundesliga wieder begonnen hat. Sicherlich fehlen die Zuschauer, doch es ist schön, wieder zu sehen, wie der Ball rollt. Ich hoffe, dass in einigen Wochen wieder Fans ins Stadion dürfen. Denn dann gibt es wieder Emotionen, die unbedingt dazugehören.

Christian Jagodzinski, Trainer des FC Overberge, Fan von Borussia Dortmund: Ich persönlich bin da hin- und hergerissen. Einerseits freue ich mich, dass nach langer Pause die Bundesliga wieder spielt. Andererseits wirkt es doch arg steril ohne Fans. Die Stadionatmosphäre ist doch das, was wir alle so lieben und das Spiel so besonders macht.

Daniel Knapp, Trainer des VfK Weddinghofen, Fan des FC Schalke 04: Als Schalker habe ich derzeit nicht viel zu lachen, aber Geisterspiele sind schon gewöhnungsbedürftig. Der Fußball lebt von Fans, und ich glaube, dass der BVB am Dienstagabend gegen Bayern mit Zuschauern zumindest einen Punkt ergattert hätte. Die Unterstützung gerade in unserer Region sorgt oftmals für 10, vielleicht sogar 20 Prozent mehr Leistung. Klar, es geht um viel Geld. Das geht es in anderen Bereichen aber auch.

Mit Zuschauern hätte der BVB gegen die Bayern wohl eher eine Chance auf den Sieg gehabt.

Mit Zuschauern hätte der BVB gegen die Bayern wohl eher eine Chance auf den Sieg gehabt. © picture alliance/dpa

Alexander Berger, demnächst Vorstandsmitglied des SuS Kaiserau, Fan von Borussia Dortmund: Spiele ohne Zuschauer sind aus meiner Sicht immer noch besser als keine Spiele. Ich sehe es etwas kritisch, dass die deutsche Bundesliga das Vorrecht genießt, die Begegnungen stattfinden zu lassen. Es ist aber mein Sport, und ich persönlich freue mich dann doch über jede Partie, die ich sehen kann. Auch wenn man sich an die Ruhe im Stadion gewöhnen muss. Dafür ist es sehr interessant, welche Kommandos auf diesem Niveau auf dem Platz gegeben werden.

Sven Runge, Pressesprecher des Königsborner SV, Fan des FC Bayern München: Ohne den Re-Start der Bundesliga hätten einige Vereine vor dem wirtschaftlichen Ruin gestanden. Außerdem ist die Fortsetzung der Bundesliga die einzige Chance, dass wir Amateure auch bald wieder mit dem Trainings- oder Spielbetrieb starten können. Auch wenn Bundesliga ohne Zuschauer wie die Kreisliga A ohne Ulli Eckei ist.

Emre Aktas, Trainer des VfL Kamen, Sympathisant von Hannover 96 und Bayern München, Fan von Galatasaray Istanbul: Ich finde es erst einmal okay, dass wieder gespielt wird. Von der Atmosphäre ist es natürlich öde, es fehlt einfach was. Aber so 2, 3 Geisterspiele zu sehen, ist schon recht interessant. So hört man deutlich, wie die Profis auf dem Platz miteinander kommunizieren. Das sollten wir im Amateurbereich auch mehr machen.

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Helmut Meierjohann, Sportlicher Leiter SV Frömern. Fan des FC Schalke 04: Geisterspiele sind ein notwendiges Übel, um die wirtschaftlichen Interessen zu bedienen. Ansonsten geht bei dieser Art von Spielen jegliche Emotion und soziales Miteinander verloren, was den eigentlichen Kern des Spiels ausmacht. Und selbst das Rudel gucken im öffentlichen Bereich wirkt - unter Beachtung der Abstandsregelung - mehr als absurd.

Ralf Mäkler, Sportlicher Leiter SSV Mühlhausen, Fan von Borussia Dortmund: „Aus wirtschaftlicher Sicht kann ich die Entscheidung, die Bundesliga-Saison in Form von „Geisterspielen“ wieder aufzunehmen, absolut nachvollziehen. Ich glaube auch, dass tatsächlich hier einige Clubs enormen Existenzängsten ausgesetzt waren und dadurch ein erheblicher Druck auf der DFL lastete. Man muss auch sagen, dass die Umsetzung mit Christian Seifert an der Spitze vorbildlich geklappt hat. Auch die Befürchtung, dass sich diverse Fangruppierungen zu den Spielen vor den Stadien bilden könnten, hat sich erwartungsgemäß nicht erfüllt. Als selbst ernannter „Stadionjunkie“ kann ich dem ganzen Treiben allerdings nicht viel abgewinnen. Sicher, es ist schön, mal wieder Fußball nicht aus der Konserve vorgesetzt zu bekommen, allerdings muten die Spiele in den riesigen, menschenleeren Arenen doch etwas skurril an. Daher bin ich hin und hergerissen, einerseits ist Fußball live im TV mal wieder schön, andrerseits merkt man erst jetzt, was die Fußballfans in den Stadien bewirken können. Fußball lebt von Emotionen und Aggressivität – beides leidet grad sehr stark durch die äußeren Umstände. Und das man seine Freude bei erzielten Treffern nicht mehr freien Lauf lassen kann, setzt dem Ganzen noch die Krone auf – hygienisch natürlich nachvollziehbar…“

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Oliver Bartosch, U17-Trainer Kamener SC, Fan des Hamburger SV: Dass die Bundesliga-Saison mit Geisterspielen aus finanziellen Aspekten fortgesetzt wird, kann ich nachvollziehen. Klar, es gibt in diesen Zeiten sicherlich viele, viele Dinge, die wichtiger sind. Aber ganz ehrlich: Ich verfolge die Partien auch im TV. Doch die Emotionalität, die Vorfreude auf Knallerpartien wie das Revierderby oder den Classico ist komplett weg. Ohne Zuschauer im Stadion kommen die Geisterspiele wie eine Dokumentation auf „Phönix“ rüber. Man schaut hin, aber man fiebert nicht mit. Aber ganz ohne Fußball geht es eben auch nicht.

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