TuRa-Trainer Thomas Rycharski: Die Gesundheit jedes Einzelnen geht vor:

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TuRas Trainer findet die Unterbrechung des Spielbetriebs korrekt: „Es gibt Dinge, die wichtiger sind, als ein Oberliga-Handballspiel“, sagt er in einem Interview mit unserer Sportredaktion.

von Mats-Yannick Roth

Bergkamen

, 19.03.2020, 14:18 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die massiven Einschränkungen des gesellschaftlichen Zusammenlebens zur Eindämmung der Corona-Pandemie machen auch vor dem Sport keinen Halt. Die heimischen Handballer müssen mindestens bis zum 19. April pausieren. Der Handball-Verband Westfalen hat bis dahin den gesamten Spielbetrieb ausgesetzt. Wie es danach weitergehen wird, ist noch völlig offen. Unsere Sportredaktion sucht in der ebenso unfreiwilligen wie unumgänglichen Pause den Draht zu den Protagonisten der heimischen Handball-Szene. Heute im Gespräch: Thomas Rycharski, Trainer des HC TuRa Bergkamen.

Herr Rycharski, wie haben Sie als Trainer mit Ihrer Mannschaft die Unterbrechung aufgenommen?

Es ist eine Situation eingetreten, die keiner von uns schon einmal erlebt hat. Es gibt einfach Dinge, die viel wichtiger sind, als ein Oberliga-Handballspiel. Ich denke, es ist alles korrekt, wie es entschieden wurde. Die Gesundheit jedes Einzelnen geht vor.

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In welchem Rahmen können Sie derzeit noch mit Ihrer Mannschaft trainieren?

Die Sporthallen sind ja sowieso dicht, an Handballspielen ist in den kommenden Wochen somit eh nicht zu denken. Schon bevor die Fitnessstudios offiziell geschlossen wurden, habe ich den Jungs aber geraten, das Training dort erst einmal sein zu lassen. Die Jungs sollen alle paar Tage an die frische Luft ein bisschen Laufen gehen und sich so einigermaßen fit halten.

Zum Zeitpunkt der Unterbrechung standen Sie mit Ihrer Mannschaft auf dem drittletzten Platz in der Oberliga, der wahrscheinlich zum Klassenerhalt reichen würde. Wie bewerten Sie die bisherige Saison mit 8:28 Punkten im ersten Jahr nach dem Aufstieg?

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Wir haben zwischen November und Februar zehn Spiele in Folge nicht gewonnen. Das macht natürlich keinen Spaß! Aber ich habe immer gesagt, dass unsere Spiele noch kommen werden, in denen wir da sein müssen, wenn wir die Liga halten wollen. Bei so einer langen Niederlagenserie bleibt eine gewisse Verunsicherung natürlich nicht aus. Letztlich haben wir aber gegen Bielefeld beim 26:26 und gegen Hemer beim 21:19 unsere Ergebnisse gebracht und haben jetzt zwei Mannschaften hinter uns stehen, nachdem wir zwischendurch auch mal Letzter waren. Mit dem Tabellenstand kann ich deswegen auch leben.

Was macht die Oberliga in dieser Saison so besonders?

Man sieht, dass in der Liga Mannschaften bei sind, die noch einmal eine ganz andere Qualität besitzen, als die aus der unteren Region. Phasenweise haben wir in diesen Spielen gegen die Top-Teams ganz gut mitgehalten und unsere Hausaufgaben gegen Bielefeld/Jöllenbeck und Hemer erledigt, gegen die wir beide den direkten Vergleich gewonnen haben. Was wir damit jetzt anfangen können, liegt eh nicht in unserer Hand.

Thomas Rycharski geht in den Spielen stets engagiert mit.

Thomas Rycharski geht in den Spielen stets engagiert mit. © Thorsten Teimann

Wie sollte es für Sie und Ihre Team weitergehen? Bei einem endgültigen Saisonabbruch blieben Sie wohl in der Liga.

Ich nehme es, wie es kommt. Noch einmal: In der momentanen Situation geht die Gesundheit aller vor. Wenn wir im September wieder Oberliga spielen dürfen, werden wir wieder antreten. Ich hätte eine Unterbrechung aber genauso richtig gefunden, wenn wir jetzt Letzter oder Vorletzter gewesen wären. Ich stehe dahinter, wie mit der Situation jetzt umgegangen wird.

Was war in der Saison 2019/2020 das beste Erlebnis mit Ihrer Mannschaft?

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Die kämpferische Leistung im Heimspiel gegen Altenhagen war einfach großartig. Obwohl wir da 19:21 verloren haben, war ich hinterher richtig stolz auf die Mannschaft. Wie wir gegen den haushohen Favoriten mit Disziplin und sehr viel Ehrgeiz dagegen gehalten haben, war einfach klasse. Da konnten wir viel raus mitnehmen. Auswärts in Ferndorf war es ähnlich, auch wenn wir da ebenfalls knapp verloren hatten.

Was war in der Saison 2019/2020 das bitterste Erlebnis?

Die Spiele im Januar gegen TV Soest und ASV Hamm II waren schon sehr bitter. In Soest haben wir bis zum 8:8 richtig gut mitgehalten und dann noch 22:34 verloren. Eine Woche später sind wir in Hamm, wo ich selbst lange gespielt habe, noch deutlicher unter die Räder gekommen (19:34, Anm. d. Red.). In solchen Spielen, wenn wir eh schon klar hinten liegen, müssen wir einfach abgezockter spielen und vielleicht nicht mehr das volle Tempo gehen.

Auf einer Skala von 1 bis 10: Wie bewerten Sie die bislang gespielte Saison?

Mit einer 5.

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