Alexander Berger, Trainer des FC TuRa Bergkamen, wechselt so gut wie sicher in den Vorstand des SuS Kaiserau. Eine Rückkehr auf die Trainerbank schließt er aber nicht aus.

von Ulrich Eckei

Bergkamen

, 29.03.2020, 15:30 Uhr / Lesedauer: 4 min

Am Ende der Saison ist Schluss. Alex Berger beendet sein Trainer-Engagement beim Fußball-A-Kreisligisten FC TuRa Bergkamen. Eine neue Aufgabe findet er dann im Vorstand des SuS Kaiserau. Unsere Sportredaktion sprach mit dem Coach über seine Erfahrungen und die vom Coronavirus geprägte Saison.

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Wann haben Sie Ihre Trainertätigkeit begonnen und über welche Lizenz verfügen Sie?

Begonnen habe ich meine Trainertätigkeit vor mehr als 20 Jahren. Zum Ende meiner aktiven Zeit als Spieler habe ich damals bereits die ersten Schritte in Richtung Trainerjob gemacht, als ich die dritte Mannschaft des SuS Kaiserau als Spielertrainer gecoacht habe. Im Jahr 2014 habe ich die UEFA-B-Lizenz erworben, im Jahr 2016 folgte die beim DFB gültige Elite-Jugend-Lizenz, welche für den nächsten Schritt, die A-Lizenz in Deutschland erforderlich ist. Ich kann wirklich jedem engagierten, motivierten Amateurtrainer empfehlen, die Lizenz-Ausbildung des DFB zu absolvieren, sofern man die Möglichkeit dazu bekommt. Neben dem nicht zu vernachlässigendem Netzwerk, das man sich dort aufbaut, bieten der FLVW und der DFB eine Ausbildung auf sehr hohem Niveau.

Welche Vereine haben Sie in Ihrer langen Zeit als Übungsleiter trainiert und was waren Ihre größten Erfolge?

Zunächst einmal sehe ich uns Trainer nicht als Übungsleiter. Zu dem Job gehört bekanntlich mehr, als nur Übungen zu leiten. Da sind die Anforderungen an einen Trainer sowohl im technisch-taktischen als auch im menschlichen und organisatorischen Bereich deutlich größer. Mein Schwerpunkt liegt eindeutig beim SuS Kaiserau, bei dem ich im Jugendbereich die überkreislich spielende U17 trainiert habe und im Seniorenbereich zunächst die Dritte, dann die Zweite und zuletzt die erste Mannschaft des Vereins verantwortet habe. Dazwischen gab es zwei kurze Abstecher zum Holzwickeder SC und zum SuS Lünern. In den letzten Jahren war ich darüber hinaus für eine Saison beim TuS Niederaden tätig, bevor ich vor drei Jahren zum FC TuRa Bergkamen gewechselt bin. Tabellarisch muss ich leider gestehen, dass nicht allzu viele Titel in meiner Vita zu finden sind. Oft haben mich die schwierigen Aufgaben gereizt, den Umbruch, die Konsolidierung und die Verjüngung von Mannschaften war für mich stets die Herausforderung. Ich denke schon, dass bei meinem Weggang in den Vereinen die Mannschaften in einem für die Zukunft gut aufgestellten Zustand und mit einem guten Teamgeist ausgestattet waren. Das war mir stets das Wichtigste. Jürgen Klopp hat mal gesagt „Wichtig ist nicht, was die Leute von dir denken, wenn du ankommst, sondern wenn du wieder gehst.“ Ich freue mich immer wieder, ehemalige Spieler oder Mitstreiter aus den Clubs zu sehen und habe eigentlich meist das Gefühl, dass dies auf Gegenseitigkeit beruht. Das ist vermutlich mein größter Erfolg.

„Ein paar Plätze weiter oben hätte ich uns schon gerne gesehen.“
Alex Berger

Wie bewerten Sie den aktuellen Saisonverlauf des FC TuRa Bergkamen?

Wir sind mit der aktuellen Saison alle nicht zufrieden, ein paar Plätze weiter oben hätte ich uns schon gerne gesehen. Allerdings haben wir im Laufe der Saison auf viele enorm wichtige Leistungsträger verzichten müssen. Dazu haben uns einige Spieler aus den verschiedensten Gründen während der Saison verlassen müssen. Wenn man dann berücksichtigt, wie stark diese Liga inzwischen aufgestellt ist, ist unter den gegebenen Umständen aktuell leider nicht mehr möglich.

Halbzeitansprache durch Alex Berger. Am Saisonende ist für den Trainer am Nordberg Schluss.

Halbzeitansprache durch Alex Berger. Am Saisonende ist für den Trainer am Nordberg Schluss. © Wagner

Am Ende der Saison steigen Sie als Trainer des FC TuRa Bergkamen aus und bewerben sich aktuell um eine Vorstandstätigkeit beim SuS Kaiserau. Bedeutet dies, dass Ihre Trainerlaufbahn damit beendet sein wird?

Das kann ich zum derzeitigen Zeitpunkt nicht sagen. Ich weiß nicht, ob das endgültig ist. Aber aktuell habe ich kein Interesse, eine Mannschaft als Coach zu führen. Ob das für immer so sein wird, darauf möchte ich mich jetzt noch nicht festlegen.

Was waren die Gründe für eine Kandidatur im Vorstand des SuS Kaiserau?

Dass ich auch weiterhin dem Fußball erhalten bleibe, stand für mich immer außer Frage. In welcher Form und Rolle, das war mir lange nicht klar. Ausschlaggebend waren hier sicher die Gespräche mit Ecki Stender, dem Vorsitzenden des SuS Kaiserau. Er hat mich absolut überzeugt, hat enorm viele gute Ideen und sucht dafür Leute mit Praxisbezug. Weiterhin war für mich schon immer klar, dass ich zum gegebenen Zeitpunkt wieder zu meinem Heimatverein zurückkehren möchte.

„Es gibt beim SuS Kaiserau eine Unmenge von spannenden Aufgaben.“
Alex Berger

Falls Sie gewählt werden sollten, wie wird Ihr Aufgabenbereich dann aussehen?

Da haben wir uns bereits intensiv drüber ausgetauscht und die Ideen und Planungen gehen in viele Richtungen. In jedem Fall würde mein Verantwortungsbereich ganz klar im sportlichen Bereich liegen. Es gibt beim SuS eine Unmenge von spannenden Aufgaben und ich würde mich sehr freuen, wenn mir der Verein, die Versammlung, dafür das Vertrauen ausspricht. Die Versammlung hätte bereits stattfinden sollen, in der aktuellen Situation weltweit gibt es aber wahrlich andere und wichtigere Dinge als den Sport.

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Glauben Sie, dass der Spielbetrieb bei den Amateurvereinen in dieser Saison nochmals aufgenommen wird?

Sicher die beste Frage, die man aktuell im Sport stellen kann. Das gilt über alle Sportarten hinweg und durch alle Ligen, egal ob es sich um den Amateur- oder den Profisport handelt. Ich persönlich kann mir aktuell ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass die Saison nochmals aufgenommen wird. Auf der anderen Seite hätte ich mir aber auch vor ein paar Wochen nicht vorstellen können, dass sämtliche Ligen ihren Spielbetrieb einstellen und die Europameisterschaft und sogar die Olympischen Spiele nicht an den geplanten Termin stattfinden. Die Entwicklung ist aktuell immer noch so rasant, dass ich nicht an ein ordentliches Beenden der Saison glaube.

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Wie sollte der FLVW Ihrer Meinung nach die Saison 2019/2020 bewerten?

Das ist dann wohl die zweitbeste Frage. Man wird sicher keine Entscheidung treffen können, mit der alle einverstanden und zufrieden sein werden. Im Wettbewerb gibt es keine goldene Lösung. Nimmt man die Tabelle zur Winterpause? Sind überhaupt alle Spiele der Vorrunde überall gespielt? Es wäre schon problematisch, wenn nicht. Betrachtet man die Saison quasi als nicht gespielt? Das wäre eine gute Idee für die, die sich aktuell auf den Abstiegsplätzen befindlichen. Aber die Vereine, die ganz oben stehen, sehen das sicher anders. Ich muss gestehen, dass ich diese Frage so nicht beantworten kann. Ich würde mich aber sehr freuen, wenn die Verbände im Rahmen dieser Entscheidungsfindung auch Kontakt zu den Vereinen aufnehmen. Das ist eine komplett neue Situation, die man aus meiner Sicht besser gemeinsam mit allen Beteiligten, als nur von oben nach unten bewerten und lösen sollte.

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