Niklas Domanski spielt beim Oberligisten TuRa Bergkamen und trainiert die Reserve. Nach der Corona-Pause wäre für ihn die Wildcard-Regel eine Option, mit der die Handballer leben können.

von Mats-Yannick Roth

Bergkamen

, 06.04.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die massiven Einschränkungen des gesellschaftlichen Zusammenlebens zur Eindämmung der Corona-Pandemie machen auch vor dem Sport keinen Halt. Die heimischen Handballer müssen mindestens bis zum 19. April pausieren. Der Handball-Verband Westfalen hat vorerst den gesamten Spielbetrieb ausgesetzt. Wie es danach weitergehen wird, ist noch völlig offen. Unsere Sportredaktion sucht in der ebenso unfreiwilligen wie unumgänglichen Pause den Draht zu den Protagonisten der heimischen Handball-Szene. Heute im Gespräch: Niklas Domanski, Trainer des Bezirksligisten HC TuRa Bergkamen II.

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Herr Domanski, Sie sind als Spieler der ersten und Trainer der zweiten Mannschaft doppelt vom Sportverbot betroffen. Wie sehr kribbelt es schon in den Händen?

Im Moment ist es schon eine extreme Umstellung, weil alles ruht. In der letzten Zeit war ich eigentlich jeden Tag in der Halle, sei es mit der ersten oder der zweiten Mannschaft. Von 100 Prozent auf null herunterzufahren ist dann schon ein krasser Schnitt. Dann vermisst man das Ganze vielleicht auch nochmal eher als andere.

Niklas Domanski

Niklas Domanski © Wagner

Wie halten sich Sie sich persönlich und Ihre Spieler derzeit fit?

Ich selbst versuche, jeden zweiten Tag laufen zu gehen. Ich habe zu Hause außerdem eine kleine Hantelbank und mache Übungen mit Terrabändern, bin also ganz gut ausgestattet. Bei unserer Bezirksliga-Mannschaft sollen die Spieler es selber entscheiden. Viel kontrollieren kann man ja eh nicht. Ich habe an die Einstellung jedes Einzelnen appelliert. Die meisten Spieler sind da aber auch sehr diszipliniert.

Das Hallen- und Sportverbot gilt zunächst bis zum 19. April. Wie wird es danach weitergehen?

Ich kann mir nicht vorstellen, dass im Amateurbereich die Saison noch zu Ende gespielt wird. Im Profibereich ist es vielleicht noch mal etwas anderes, weil es da ja um viel mehr Geld geht. Ich hoffe darauf, dass eine vernünftige Lösung gefunden wird und zumindest die nächste Saison einigermaßen nach Plan gestartet werden kann.

„Aus den jeweiligen Ligen sollte schon eine Mannschaft aufsteigen.“
Niklas Domanski, HC TuRa Bergkamen

Was wäre im Falle eines Abbruchs die fairste und sauberste Lösung? Wie sollte die bisher gespielte Saison absolviert werden?

Ich finde schon, dass in den Ligen eine Mannschaft aufsteigen sollte. Dass gar nichts gewertet wird, ist nicht fair, wenn man bedenkt, wie viel die Teams investiert haben, um da oben zu stehen. Wenn es besonders knapp ist, sollte den Mannschaften dahinter aber vielleicht auch noch eine Chance gegeben werden, aufzusteigen. Vielleicht in Form eines Turniers. Im Basketball gibt es ja auch eine Wildcard-Regel, darüber könnte man auch nachdenken. Letztlich muss ich es zum Glück nicht entscheiden und wir sind auch nicht betroffen. Eine für alle Seiten optimale Lösung wird es wahrscheinlich eh nicht geben.

Bis zur Unterbrechung holte ihre Mannschaft 10:24 Punkte und lag auf Platz zehn der Tabelle. Wie zufrieden sind Sie mit dieser Bilanz?

Um ehrlich zu sein, können wir mit der Ausbeute nicht zufrieden sein. Das hat mehrere Gründe. Zum einen haben wir immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen gehabt und mussten häufig improvisieren. Am Schlimmsten war es sicherlich in Dolberg, als wir nur mit sieben Spielern angereist sind, von denen zwei Torhüter waren. Zum anderen haben wir in einigen Spielen aber auch einfach nicht gut gespielt und sind hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Es war bis hierhin eine unterdurchschnittliche Saison mit ein paar Punkten zu wenig.

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Was waren die größten Probleme in dieser Saison?

Die vielen Verletzungen von wichtigen Spielern haben dazu geführt, dass wir teilweise nur sehr schlecht trainieren konnten. Das hat sich natürlich auch auf die Spiele ausgewirkt. In den Spielen fehlten uns häufiger mal die Alternativen. Im Rückraum fehlte es uns an Wurfgewalt, sodass wir zu leicht auszurechnen waren und wir unsere Probleme mit sehr defensiven Abwehrreihen hatten. Ich muss aber auch dazu sagen, dass die Jungs es in einigen Spielen trotzdem sehr ordentlich gelöst haben und die Sache mit der richtigen Einstellung angegangen ist. Wir haben in der Saison gezeigt, dass wir besser sind als die Mannschaften, die noch hinter uns stehen.

„Die Truppe ist jung genug und hat das Potenzial, sich weiter zu entwickeln.“
Niklas Domanski, HC TuRa Bergkamen

Wie wird es mit der zweiten Mannschaft weitergehen?

Die Mannschaft wird weitestgehend zusammenbleiben. Der Blick sollte langfristig gesehen wieder nach oben gehen. Die Truppe ist auf jeden Fall jung genug und hat das Potenzial, sich in den nächsten Jahren weiter zu entwickeln. Ich hoffe auch darauf, dass die Zusammenarbeit zwischen erster und zweiter Mannschaft noch ein bisschen besser wird. Da ist noch Luft nach oben. Letztlich profitieren da beide Teams von.

Was war in der Saison 2019/2020 das beste Erlebnis mit Ihrer Mannschaft?

Der knappe Sieg gegen Ennigerloh (34:33, Anm. d. Red.) in der Hinrunde war sicher nicht gut für den Blutdruck. Aber da haben wir eine tolle Leistung gezeigt gegen eine Mannschaft, die im Vorfeld klar als Favorit galt. Das Unentschieden in letzter Sekunde gegen Werne war natürlich auch ein super Ding für uns.

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Und welches das bitterste Ereignis?

Das Hinspiel gegen Overberge (33:33) hatte mich schon ziemlich geärgert und zuletzt die Heimniederlage gegen Brambauer II (18:24).

Auf einer Skala von 1 bis 10: Wie bewerten Sie die bislang gespielte Saison?

Mit einer 5.

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