Das Kopfballpendel hat nicht nur im Kreis Unna jeder Kicker gehasst. Der englischen Fußballverband will jetzt beim Nachwuchs komplett das Kopfballtraining verbieten – als Vorsichtsmaßnahme.

Kreis Unna

, 25.02.2020, 15:26 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der englische Fußballverband (FA) schafft Kopfballübungen für Kinder im Grundschulalter ab. Zu groß sei die Gefahr, dass der kickende Nachwuchs in frühen Jahren bereits Hirnschädigungen davonträgt. Ab den U12-Junioren sollen Kopfballübungen nur noch selten trainiert, ab der U18 weitestgehend reduziert werden. Aber: In Punktspielen sind Kopfbälle bei den Nachwuchsfußballer weiterhin erlaubt.

Trainer im Kreis Unna sind sich einig: Kopfballtraining im Jugendbereich nur gut dosiert

© neumann

Der Jugendkoordinator des Fußballkreises Unna/Hamm, Thomas Trahe, ist selbst Jugendtrainer bei Westfalia Rhynern: „Bei allen Trainerlehrgängen des Fußballverbandes Westfalen gibt es die Empfehlung, auf ein Kopfballtraining bis zu den D-Jugend-Altjahrgängen oder C-Junioren zu verzichten. Es macht meines Erachtens überhaupt keinen Sinn, vorher Kopfbälle zu trainieren, da sich der Kopf der Fußballer noch im Wachstum befindet. Das ist nicht zielführend.“

„Es macht meines Erachtens überhaupt keinen Sinn, in jungen Jahren Kopfbälle zu trainieren.“
Thomas Trahe, Jugendkoordinator

Trahe stellt heraus, dass der Fußballkreis Unna/Hamm nichts verbieten kann, aber empfiehlt allen Trainern und Betreuern, den Ball flach zu halten. „Immerhin haben wir in Deutschland ja bereits einiger Maßnahmen im jüngsten Altersbereich vorgenommen. Die Mini-Kicker spielen bereits mit gewichts- und umfangreduzierten Light-Bällen. Hier sollen vor allem die Füße geschont werden. Erst mit Anstieg des Alters werden auch die Bälle größer. Das zahlt sich aus - auch im Spiel der Kleinen.“

„Das Thema Kopfbälle im Jugendbereich ist deshalb bei uns auch noch kein konkretes Thema“, ergänzt Kreis-Jugendobmann Uli Ritter. „Ich gehe stark davon aus, dass die Betreuer in unserem Fußballkreis stets ein altersgerechtes Training anbieten.“

Britische Studie

Höheres Demenz-Risiko bei Fußballern

  • Laut einer Studie, die der englische Fußballverband zusammen mit der Spielergewerkschaft PFA in Auftrag gegeben hat, heißt es, dass die Fußballprofis von der Insel im Vergleich der britischen Gesamtbevölkerung mit einer 3,5 Mal höheren Wahrscheinlichkeit an einer degenerativen Hirnkrankheit sterben.
  • Das Risiko sei laut dieser Studie bei den Profis 3,45 Mal höher, an Demenz zu erkranken und 3,44 Mal höher, an Alzheimer zu erkranken.
  • Eine genaue Ursache hierfür liefert diese Studie jedoch nicht. Über einen Zusammenhang mit Kopfbällen kann lediglich spekuliert werden. Eine englische Verbandsärztin vermutet dies jedoch, heißt es in Presseberichten.

So beispielsweise Stefan Lesniewski von der SG Massen. Der ehemalige Spieler der ersten Mannschaft, der zu seinen aktiven Zeiten schon so manchen Treffer mit dem Kopf erzielt hat, ist nun als Trainer der F-Junioren im Einsatz. Ein explizites Kopfballtraining gibt es bei ihm nicht. „Es geht vielmehr darum, den Kindern die Angst vor dem Ball zu nehmen, wenn ich ihnen den Ball zuwerfe. Drei von 14 Kindern haben dann aber auch mal keine Hemmungen den Ball mit dem Kopf zu nehmen. Das passiert halt“, erklärt der Jugendtrainer.

Stefan Lesniewski trainiert die F-Junioren der SG Massen.

Stefan Lesniewski trainiert die F-Junioren der SG Massen. © neumann

In seinen Trainingseinheiten will Lesniewski den Kickern vor allem auf spielerische und altersgerechte Art und Weise das Hobby näherbringen. „Ich denke, das gelingt mir ganz gut.“

„Es ist aber auch Blödsinn, das generell zu verbieten.“
Stefan Rebbert, Jugendtrainer SuS Kaiserau

Ähnlich sieht es Stefan Rebbert, der als ehemaliger „Stürmer-Star“ des SuS Kaiserau auf Torjagd ging. „Ein gezieltes Kopfballtraining hab ich persönlich nur selten bis gar nicht in meinen Trainerjahren bei den Mini-Kickern bis zu den D-Junioren trainiert“, erklärt der aktuelle F-Jugendtrainer.

Stefan Rebbert (links) und Thomas Berns engagieren sich im Jugendbereich des SuS Kaiserau.

Stefan Rebbert (links) und Thomas Berns engagieren sich im Jugendbereich des SuS Kaiserau. © Michael Neumann

„Wenn dann wurde das nur mit Softbällen oder mit kleineren, leichteren Bällen gemacht. Im Normalfall kommt das alles von ganz alleine. Dann kann man mal die optimale Haltung vormachen und kurz trainieren. Es ist aber auch Blödsinn, das generell zu verbieten. Ich denke, dass die meisten Trainerkollegen hier von sich aus behutsam die Sache angehen.“

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