SuS Kaiserau siegt hoch und zeigt Flagge

Fußball

Der SuS Kaiserau hat sein Meisterschaftsspiel gegen die Hammer SpVg II mit 9:0 gewonnen. Ebenso viel Aufmerksamkeit erfährt derzeit aber eine andere Aktion des Landesligisten.

Kreis Unna

von Michael Friehs

, 14.10.2018, 18:31 Uhr / Lesedauer: 4 min
SuS Kaiserau siegt hoch und zeigt Flagge

Die Mitglieder des SuS Kaiserau stehen für eine offene Gesellschaft: Gewalt und Rassismus zeigen sie gemeinsam die Rote Karte.SzS © privat

Rechtsextremismus und Gewalt sorgen gerade jetzt für Redebedarf in ganz Deutschland. Leider ist auch der Fußball davon nicht ausgenommen. Prügeleien unter Fans, beleidigende Choreografien oder Rassismus gehören noch immer zu häufigen Szenen in den Stadien. Aus diesem Grund wurde beim Landesligisten SuS Kaiserau nun eine Aktion gestartet, die für Weltoffenheit, Toleranz und Nächstenliebe steht.

Nach der Idee von Timo Milcarek, dem Kapitän der ersten Mannschaft, druckte der Verein T-Shirts, die mit der Aufschrift „Ganz Kaiserau gegen Rassismus, Hass und Hetze“ dazu dienen sollen, Abneigung, Ignoranz und Fremdenfeindlichkeit aus der Welt des Fußballs zu verbannen.

Vorsitzender Eckart Stender ist von dieser Aktion seiner ersten Mannschaft völlig begeistert: „Wir erhalten viel Lob von anderen Vereinen. Das liegt auch daran, dass die Shirts in allen Altersklassen vertreten sind.“ Dadurch seien viele Gegnermannschaften in allen Jugenden auf die Aktion aufmerksam geworden.

Innerhalb von einer Woche gingen schon 321 Bestellungen für die Shirts ein. Ungefähr 78% aller Vereinsmitglieder besitzen mittlerweile ein solches Kleidungsstück.

Bezahlen müssen die Vereinsmitglieder die T-Shirts aber nicht. „Die Kosten dafür hat der Verein übernommen. Wir wollen die tolle Idee unterstützen. Die T-Shirts sind daher umsonst.“ Für die Öffentlichkeit stehen sie allerdings nicht zur Verfügung. „Wir wollen diese Kampagne nicht als Merchandise nutzen“, erklärt der Vorsitzende.

Ganz nach dem Motto „Wer heute schweigt, ist morgen nicht mehr unschuldig!“, fordert der Verein dazu auf, sich gegen den „moralischen Verfall der Gesellschaft“ einzusetzen. Dabei habe man sich auch von jüngsten Ereignissen, wie zum Beispiel denen in Chemnitz inspirieren lassen.

Dort fand im Zuge von rechtsradikalen Demos, bei denen es zu einem Todesopfer kam, das „Konzert gegen Rechts“ statt.

„Der SuS Kaiserau hat sich schon immer für Menschen mit Migrationshintergrund eingesetzt.“, erzählt der Vorsitzende. Dazu zählt vor allem der „Sportsday Kaiserau“, bei dem sich im Jahr 2016 zahlreiche Vereine aus Kamen zusammenschlossen, um sich geflüchteten Jugendlichen vorzustellen und diese in ihre Mannschaften aufzunehmen.

Darüber hinaus soll auf dem Sportplatz des Landesligisten zukünftig eine zusätzliche Bande installiert werden, welche das Motto noch einmal verinnerlicht.

„Wir denken, dass uns besonders der Fußball bei der Bewältigung von Differenzen helfen kann“, führt Stender fort. „Diese Sportart wird überall auf der Welt gespielt und viele Menschen können sich damit identifizieren. So ist auch eine bessere Integration der Jugendlichen möglich.“.

Laut Stender stehe der Verein schon seit jeher für Integration und Vielfalt: „Wir haben einen Großteil an Spielern mit Migrationshintergrund und genau das macht das Thema auch so interessant.“

Gerade zu diesem Zeitpunkt sei es wichtig, weitere Zeichen zu setzen und für Toleranz einzutreten.

Man wolle dem Nachwuchs ermöglichen in einer „freien, friedlichen und toleranten Welt aufzuwachsen.“

SuS Kaiserau siegt hoch und zeigt Flagge

Timo Milcarek (r.) ist der Ideengeber dieser Aktion. © awa

Timo Milcarek ist der Ideengeber

Timo Milcarek, der Initiator der Idee, stand der Sportredaktion zu einem kurzen Gespräch zur Verfügung.

Diese Aktion ist momentan ein sehr großes Thema für den SuS Kaiserau, aber wie genau kam es dazu?

Also zuerst kam das Thema in einem kleinen Kreis der Mannschaft auf. Und als auch diese Einstellung bei anderen aus der Mannschaft geteilt wurde, haben wir uns überlegt, wie wird das umsetzen könnten. Wir sind dann auf T-Shirts gekommen, die man zum Beispiel beim Aufwärmen trägt. Allerdings dachten wir uns, dass sich vielleicht ein bis zwei Mannschaften an dieser Aktion beteiligen. Anschließend haben wir uns dann auch mit dem Vorstand in Verbindung gesetzt. Mit so einer großen Aktion hatten wir jedoch nicht gerechnet.

Glauben Sie, dass auch durch die weite Verbreitung dieser Botschaft in der Landesliga Konflikte beseitigt werden und ein besseres Miteinander geschaffen werden kann?

Auf jeden Fall. Wir haben schon viel Lob von anderen Mannschaften, auch über unsere Facebook-Seite erhalten. Es gibt immer viele Blicke auf die Shirts und natürlich werden wir dann auch auf diese angesprochen.

Sie haben auch Kontakt zum BVB. Hat dies zu der Entwicklung der Idee beigetragen?

Ja. Die Fanbeauftragten kamen auf uns zu und fragten uns, ob wir nicht einige Fanabteilungen über Themen wie Rassismus aufklären wollen. Das hat maßgeblich zur Entwicklung der Aktion beigetragen. Aber auch über die Unterstützung des Vorstandes bin ich sehr dankbar.

SuS Kaiserau siegt hoch und zeigt Flagge

Lukas Schuster (rechts) und der SuS Kaiserau fuhren gestern mit dem 9:0 den höchsten Saisonsieg ein.

SuS Kaiserau - Hammer SpVg II 9:0 (6:0)

Was für ein Debakel für die Hammer SpVg. Mit gleich 9:0 fertigte gestern ein spielstarker SuS Kaiserau vor 250 Zuschauern die Hammer Reserve ab. Die Schwarz-Gelben verfügen somit über bereits 18 Zähler und haben sogar als Dritter den Kontakt zur Spitzengruppe hergestellt.

Die Kaiserauer Treffer in einem einseitigen Spiel bei strahlendem Sonnenschein markierten Marc-Simon Stender (4), Michael Seifert (2) und Henri Böcker (2) bei einem Hammer Eigentor.

„Das Ergebnis ist natürlich bombe, aber man muss auch zugeben, dass die Hammer SpVg in diesem aktuellen Zustand nicht wettbewerbsfähig ist“, erklärte Kaiseraus Trainer Marc Woller nach Abpfiff. Seine Spieler hatten keine große Mühe, um bereits im ersten Durchgang zu sechs Treffern zu gelangen. Die Gäste schossen bis dahin gerade ein Mal auf das SuS-Tor.

Nach der Pause passte sich der SuS Kaiserau ein wenig der Spielweise der Gäste an. Dennoch fielen weitere drei Tore. Zum zweistelligen Sieg reichte es am Ende nicht, obwohl Möglichkeiten vorhanden waren. Woller: „Wir haben am Schluss nicht mehr gut gespielt. Das war leider nicht schnörkellos und somit fehlte am Ende ein Tor zur Zweistelligkeit. Das war aber auch nicht wichtig. Wir müssen den Hammern und Jürgen Serr Respekt zollen, dass sie diese schwere Phase in der Saison überbrücken. Es soll ja im Winter personell besser werden.“

Die Hammer Reserve, die wieder von Beginn an mit dem 53-jährigen Ex-Profi Jürgen Serr in ihren Reihen auflief, hatte in Kaiserau nicht viel entgegenzusetzen. Anfang November soll sich die personelle Situation bei den Hammern allerdings entschärfen, weil dann einige Akteure spielberechtigt sind. Somit ist davon auszugehen, dass die Mannschaft die Saison ordnungsgemäß beendet und das hohe Ergebnis des SuS Kaiserau weiterhin Bestand hat.

Am kommenden Sonntag geht es zum Kellerkind DJK Wattenscheid, das gestern mit einem 3:1 beim SV Hilbeck überraschte.tt

SuS Kaiserau: Vieregge - Schuster, Steffen, Diecks, Gröne, Pfahl, Aslani (60. Bittner), Böcker, Seifert (46. Swoboda), Herrmann, Stender

Hammer SpVg II: Czekal - Serr (72. Koc), Wittchen, Morsel, Acar, Stichtmann, Gemec, Ngassa, Husarek, Cirak, Abdo

Tore: 1:0 (5.) Seifert, 2:0 (12.) Böcker, 3:0 (28.) Seifert, 4:0 (39.) Stender, 5:0 (45.) ET Giesbrecht, 6:0 (45.+2) Stender, 7:0 (76.) Böcker, 8:0 (77.) Stender, 9:0 (83.) Stender per 11m

Bes. Vorkommnisse: Rote Karte für Abdo (Hamm, 83.) wegen Foulspiels

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