Auf 70 Jahren schaut der SSV Mühlhausen-Uelzen zurück. Mitbegründer Franz Kampmann und dessen Bruder Heinrich Kampmann blicken in einem Gespräch mit der Sportredaktion auf diese Zeit zurück.

von Werner Hahn

Mühlhausen

, 20.06.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Franz Kampmann, heuer 88 Jahre alt, ist natürlich geradezu prädestiniert, etwas von der Entstehung des Vereins vom Mühlbach zu erzählen. Das Urgestein ist immerhin einer der Mitbegründer des Clubs, der 1949 aus der Taufe gehoben wurde. SSV Mühlhausen-Uelzen - da spricht der Kenner der Szene auch heute noch respektvoll vom Kampmann-Club. Wenn das Urgestein von seinem SSV erzählt, dann leuchten seine Augen. Kein Wunder, auch nach so vielen Jahren ist sein SSV noch immer eine Herzensangelegenheit, wo der „Graue“ auch heute noch kräftig mit Wort und Tat mitmischt.

„Die Idee, einen Fußballverein in Mühlhausen-Uelzen ins Leben zu rufen, entstand im Sommer 1949 anlässlich eines Spieles des 1. FC Köln im dortigen Müngersdorfer Stadion: „Die Gebrüder Erwin und Friedhelm Wohlgemuth, dazu Adalbert Lubert und ich waren seinerzeit zugegen“, erinnert sich Franz Kampmann. „Wir vier spielten damals in der A-Jugend des SuS Lünern, wollten aber unbedingt in Mühlhausen-Uelzen etwas Eigenes auf die Beine stellen. Bauer Kortmann hatte uns dafür in Uelzen gegenüber dem heutigen Wohnpark ein Gelände zur Verfügung gestellt, das aber nicht die Größe eines normalen Fußballfeldes hatte. Die Suche nach einem passenden Gelände ging also weiter. Wieder waren es drei Landwirte, die uns ein passendes Gelände am Mühlbach zur Verfügung stellten. Die Voraussetzungen waren also geschaffen. Kurz darauf fand dann die Gründungsversammlung in der Gaststätte Föcking in Uelzen statt, dabei waren 23 Personen zugegen“, bemüht Franz Kampmann die Geschichte. „Wir starteten dann am 18. August 1949 in den Spielbetrieb in der 2. Kreisklasse gegen den SV Langschede, gewannen diese Partie mit 1:0“, so Franz Kampmann weiter. In der Folge spielte der SSV über viele Jahre in der 1. und 2. Kreisklasse. Beim Blick in die Annalen des SSV Mühlhausen-Uelzen fällt auf, dass der Klub mit der Verpflichtung des Heereners Georg Rothermel als Spielertrainer in der Spielzeit 1966/1967 erstmals den Sprung in die damals sogenannte Bezirksklasse schaffte. Das entscheidende Spiel gewann der Kampmann-Club gegen den SC Unna 08 nach einem 0:2-Rückstand noch mit 3:2. In diesem Team standen seinerzeit auch Franz Kampmanns jüngere Brüder Hubert und Heinrich, wobei Letzterer beim SSV heuer bekanntlich als 1. Vorsitzender fungiert.

SSV Mühlhausen blickt auf 70 Jahre zurück

Die Macher des SSV Mühlhausen: Vorsitzender Heinrich und Ehrenvorsitzender Franz Kampmann. © Werner Hahn

Die erfolgreichste Zeit erlebte der Club dann wohl in der Ära Heinz „Pöttken“ Libuda: Zunächst führte der Ex-Profi die Cracks vom Mühlbach in der Spielzeit 1979/1980 von der Bezirksklasse in die Landesliga, ehe in der Spielzeit darauf sogar der Durchmarsch in die Verbandsliga gelang. Bemerkenswert dabei, dass am Saisonende die Warendorfer Sport-Union und der SSV punktgleich an der Tabellenspitze standen, sodass ein Entscheidungsspiel im Hammer Jahnstadion herhalten musste. Da diese Partie 3:3-Unentschieden endete, kam es am 4. Juni 1981 zu einer Neuauflage dieser Paarung an gleicher Stelle. Dieses Mal setzten sich die Unnaer nach Toren von Reinhold Wosab, Klaus Borschel und Volkmar Penski deutlich gegen den Widersacher aus dem Münsterland durch und stiegen in die damals vierthöchste deutsche Fußball-Liga auf - hielten sich immerhin vier Jahre in dieser Klasse. „Heinz Libuda, Reinhold Wosab und Gerd Haselhoff waren seinerzeit die Korsettstangen dieses Teams“, gerät Franz Kampmann auch heute noch ins Schwärmen. In dieser Phase entstand übrigens auch der neue Rasenplatz, der heute mit einem Kunstrasengeläuf ausgestattet ist, im Schatten des alten Spielgeländes. Der neue Platz wurde seinerzeit mit einem Spiel des SSV gegen Borussia Dortmund eingeweiht, welches der Bundesligist vor über 3.500 Besuchern knapp mit 2:1 gewann.

Ein weiteres Highlight in der Geschichte des SSV war sicherlich im Mai 1982 auch das Abschiedsspiel von Hubert Kampmann, jüngster Spross des Kampmann-Clans: Dabei standen sich eine Auswahl der Hellweg-Kicker und die Uwe-Seeler-Traditionself gegenüber, in der immerhin solch namhafte Akteure wie Günter Netzer, Wolfgang Overath oder Willy Schulz aufliefen. Wieder über 3.500 Zuschauer gaben diesem Spiel einen würdigen Rahmen. Nicht unerwähnt sollte bleiben, dass sich die Aktivitäten am Mühlbach nicht nur auf den Fußball konzentrierten: So wurde bereits 1980 eine eigene Tischtennis-Abteilung gegründet, der sieben Jahre später eine Tennisabteilung folgte. „Alles ganz wichtige Bestandteile in unserem Verein“, betonen Franz und Heinrich Kampmann.

Beim Fußball folgten diesen fetten auch wieder magere Jahre, die den Club bis hinunter in die A-Kreisliga führten. Mit Bodo Sievers als Trainer stoppte der Mühlbachclub ab 1997/1998 diesen Abwärtstrend. Binnen zweier Jahre führte Sievers den Club - auch mit einem Durchmarsch - in die Landesliga. Exakt 20 Jahre hielt sich der SSV Mühlhausen-Uelzen auf dieser Ebene, spielte zwischenzeitlich sogar zwei Jahre unter Dirk Eitzert in der Westfalenliga. Ausgerechnet in diesem Jubiläumsjahr folgte der Abstieg in die Bezirksliga. „Das ist bitter. Wir wollen nun in der Bezirksliga oben mitspielen, werden alles daran setzen, wieder aufzusteigen, doch das dürfte sehr schwer werden“, weiß auch SSV-Boss Heinrich Kampmann. Abschließend möchte Franz Kampmann seine Ehefrau Ingrid „Ina“ nicht unerwähnt lassen: „Ich bin meiner Frau dankbar für ihr großes Verständnis, was sie mir bei der Ausübung meiner Tätigkeit für den SSV immer entgegengebracht hat“, sagt das Gründungsmitglied. wh

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