Ralf Mäkler, Obmann des Bezirksligisten SSV Mühlhausen, nimmt Stellung zur aktuellen Situation seines Vereins. Torjäger David Bernsdorf wechselt zum Westfalenligisten SV Hohenlimburg.

von Ulrich Eckei

Mühlhausen

, 03.04.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 5 min

Die wichtigste Frage gleich vorweg. Wie geht es Ihnen und Ihrer Familie gesundheitlich?

Alles okay soweit, danke der Nachfrage. Natürlich macht sich mittlerweile eine Art „Lagerkoller“ breit, aber ich denke, das dürfte in vielen Haushalten so sein. Allerdings lernt man auch kreativ zu werden, das heißt, die virtuelle Tasse Kaffee trinken mit der Oma funktioniert mittlerweile auch.

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Wie bewerten Sie den bisherigen Saisonverlauf Ihrer beiden Seniorenmannschaften in der Bezirksliga 8 und Kreisliga A (2)?

Definitiv „Licht und Schatten“: Unsere 1. Mannschaft ist ja hervorragend gestartet in der Bezirksliga, war nach dem 5. Spieltag sogar Tabellenführer. Wir hatten uns nach dem Abstieg aus der Landesliga auch sehr viel vorgenommen, leider gab es dann doch einige sportliche Rückschläge, die wir uns nur teilweise erklären konnten. Vielleicht haben wir die Liga nach dem guten Start auch etwas unterschätzt, anders sind einige völlig unnötige Niederlagen nicht zu erklären. Allerdings haben wir auch festgestellt, dass diese Liga durchaus auch attraktiv ist, das zeigt zum Einen das hohe Leistungsniveau der meisten Teams und zum Anderen auch die Zuschauerzahlen, die im Vergleich zur Landesliga tatsächlich stabil geblieben sind.

Unsere U23 mit dem neuen Coach Christian Müseler hatte einen denkbar schlechten Start, die 0:9 Niederlage gegen einen zugegebenermaßen extrem starken TSC Kamen mit „voller Kapelle“ tat schon richtig weh – davon haben wir uns anfangs nicht erholt, das zog sich durch wie ein roter Faden. Komischerweise wurde es besser, als Christian Müseler angedeutet hatte, aus privaten Gründen nicht weitermachen zu wollen, es gab Siege gegen Westfalia Wethmar und beim BSV Heeren und im Anschluss – dann schon unter dem neuen Coach Marco Slupek – ein sehr zu beachtendes 0:0 im Rückspiel beim TSC Kamen, das heißt, die Ergebnisse stimmten plötzlich. Der Start nach der Winterpause war ein Spiegelbild der Hinrunde, einem Sieg gegen den SV Langschede folgte eine völlig unerklärliche Schlappe beim VFK Weddinghofen, welche uns leider wieder mit in den Abstiegskampf gezogen hat. Wir sind aber guter Dinge, den Klassenerhalt am Ende zu schaffen in dieser wirklich sehr starken Kreisliga A.

Wie halten sich Ihre Spieler aktuell fit? Haben sie von den Trainern Hausaufgaben bekommen?

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Tja, das ist so eine Sache mit den Trainingsplänen und den Hausaufgaben, ich persönlich bin da kein Freund von. Die Jungs sind alle alt genug, das realistisch selbst einzuschätzen und richtig kontrollieren kann das ja auch niemand. Ja sicher, man kann seine Läufe und deren Ergebnisse den Trainern schicken, das ist richtig. Allerdings kann selbst meine 7-jährige Tochter diese Läufe auf dem Smartphone schon selber „faken“, daher ist diese Kontrollfunktion auch nicht wirklich gegeben. Wenn es wieder weitergeht, werden die Coaches schon sehen, wer etwas getan hat und wer nicht und können dann daraus die entsprechenden Schlüsse ableiten.

Sind die Personalplanungen bezüglich Trainer und Spieler für die Saison 2020/2021 bereits abgeschlossen?

Abgeschlossen sicher noch nicht, allerdings steht bei beiden Mannschaften schon der Kern für die neue Saison, die Trainerpositionen sind fixiert und einige Neuzugänge stehen auch schon fest. Ich möchte aber ungern an dieser Stelle Namen nennen oder irgendwelche Fotos mit Spielern posten, die dann schon das Trikot des neuen Vereins in die Kamera halten. Aber alles gut, auch dies ist nur meine Meinung und bitte nicht als Kritik an anderen Vereinen zu sehen – das muss ja jeder selber entscheiden. Wir sind tatsächlich in sehr guten Gesprächen mit potenziellen Neuzugängen und haben auf der Abgangsseite bisher nur einen wirklich herben Verlust zu kompensieren, das betrifft unseren Mittelstürmer David Bernsdorf, den es in die Westfalenliga zum SV Hohenlimburg zieht – aus sportlicher Sicht ein verständlicher Schritt, uns tut das natürlich richtig weh.

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Das Meisterschaftsspiel Ihrer zweiten Mannschaften gegen den Kamener SC wurde bereits frühzeitig abgesagt, da ein Spieler Ihres Teams angeblich mit dem Corona Virus infiziert war. Wie geht es diesem Spieler derzeit?

Naja, es ist schon erstaunlich, was seitdem alles passiert ist – und das ist ja grad mal 4 Wochen her. Es war damals auch nur eine reine Vorsichtsmaßnahme, da unser Spieler in einem Schul-Kurs Kontakt hatte zu jemandem, der wiederum ein paar Tage vorher Kontakt zu infizierten Personen hatte. Das Ergebnis war, das unser Spieler negativ getestet wurde, sein Schulkollege sich allerdings angesteckt hatte mit dem Covid-19-Virus. Über dessen Gesundheitszustand habe ich allerdings keine Informationen, wichtig für uns war, dass der Virus über diesen Weg also schon mal nicht in unseren Verein gelangen konnte – und auch der damalige Gegner, der VFK Weddinghofen, sich diesbezüglich keine weiteren Sorgen machen muss.

In der Bundesliga geht es um ausbleibende Zahlungen des Pay TV und von Sponsoren. Wo drückt im Amateurfußball der Schuh am stärksten? Hat Ihr Klub laufende Kosten, die er jetzt eventuell nicht mehr aufbringen kann?

SSV-Obmann Rolf Mäkler stellte sich den Fragen unserer Sportredaktion.

SSV-Obmann Rolf Mäkler stellte sich den Fragen unserer Sportredaktion. © neumann

Natürlich spielt das Geld immer eine große Rolle, aber Gott sei Dank sind die Summen in unseren Ligen ja noch vergleichsweise gering. Also existenzbedrohend ist das Ganze bei uns nicht, trotzdem fehlen uns die Einnahmen aus den Eintrittsgeldern und aus dem Verkauf (vor allem aus unserem Vereinsheim, dem 49er). Bei den Sponsoren könnte sich aufgrund der unsicheren wirtschaftlichen Situation auch noch etwas tun, das würde uns dann schon treffen. Also wir entscheiden von Monat zu Monat, im März sind wir noch allen Zahlungsverpflichtungen voll nachgekommen, über den April werden wir uns – natürlich virtuell – um Ostern herum unterhalten.

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Welche Ansätze gibt es beim SSV Mühlhausen, sich selbst zu helfen? Gibt es Rücklagen in der Vereinskasse, die sich verwenden lassen?

Mal ehrlich, welcher Amateurverein hat schon große Rücklagen, da kommen ja selbst einige namhafte Bundesligisten ins Wanken. Wir leben vor allem von unseren Mitgliedsbeiträgen, die ja gesetzlich gesehen weiter eingenommen werden dürfen und von einem sehr breiten Sponsorenpool - wenn da jemand wegfällt, tut uns das zwar weh, wir müssten aber nicht sofort Konkurs anmelden. Darüber hinaus haben wir auch ganz offiziell den entsprechenden Antrag gestellt zur Unterstützung unseres Vereinsheims über die NRW-Soforthilfe 2020, welcher mittlerweile auch schon positiv bescheinigt wurde. Dank an dieser Stelle an unseren Vorsitzenden Heinrich Kampmann, der dies sofort in die Wege geleitet hat.

Was glauben Sie, wird diese Saison im Amateurfußball noch einmal angepfiffen?

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Tja, entgegen der Meinungen, die sonst so kursieren, bin ich sogar fest davon überzeugt, dass es weitergehen wird in dieser Saison. Wir haben diese Pandemie jetzt seit gut drei Wochen hier in Deutschland und haben sicherlich den Höhepunkt auch noch nicht erreicht – allerdings geben mir persönlich die Informationen aus Asien schon die Hoffnung, dass die Normalität dort langsam wieder zurückkehrt und man dieses Szenario auch gut auf die Verhältnisse in anderen Regionen adaptieren kann. Daher denke ich, dass ab Mitte/Ende Mai spätestens der Spielbetrieb wieder aufgenommen werden kann. Dann sind natürlich auch die Verbände in ihrer Flexibilität gefragt. Meines Erachtens kann die Saison auch im Juli oder sogar im August weitergespielt werden, die wenigsten Spieler der Seniorenmannschaften haben doch schulpflichtige Kinder. Im Juniorenbereich mag das etwas schwieriger werden, das stimmt wohl. Es wird spannend sein, wie die Funktionäre hier reagieren und agieren, sie haben aber nun die einmalige Chance, echte Flexibilität zu zeigen im Sinne der Vereine – ich bin da einfach mal optimistisch. Die Bundesliga wird – Stand heute – am ersten Maiwochenende wieder starten, das könnte auch eine Art Aufbruchstimmung für den Amateurfußball sein. Eine Pauschalabsage der Amateurligen zum derzeitigen Zeitpunkt wie in England kann ich überhaupt nicht nachvollziehen.

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Wie sollte der FLVW dieses Spieljahr bewerten, falls doch abgebrochen wird?

Falls es doch zum Abbruch kommen sollte, gibt es aus meiner Sicht nur eine „einigermaßen“ faire Lösung: Man löscht alle Ergebnisse aus dieser Saison und fängt in der neuen Saison mit unveränderten Ligen wieder neu an – so leid es mir für alle aktuellen Tabellenführer tut …!

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