Mickrige zwei Pünktchen weist Bezirksliga-Schlusslicht TuS Eintracht Overberge auf. Trainer Karsten Rockel hört am Saisonende auf und zieht eine bittere Bilanz.

von Mats-Yannick Roth

Overberge

, 08.04.2020, 16:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die massiven Einschränkungen des gesellschaftlichen Zusammenlebens zur Eindämmung der Corona-Pandemie machen auch vor dem Sport keinen Halt.

Die heimischen Handballer müssen mindestens bis zum 19. April pausieren. Der Handball-Verband Westfalen hat bis dahin den gesamten Spielbetrieb ausgesetzt. Wie es danach weitergehen wird, ist noch völlig offen. Unsere Sportredaktion sucht in der ebenso unfreiwilligen wie unumgänglichen Pause den Draht zu den Protagonisten der heimischen Handball-Szene. Heute im Gespräch: Karsten Rockel, Spielertrainer des Bezirksligisten TuS Eintracht Overberge.

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Herr Rockel, seit fast einem Monat sind die Sporthallen jetzt schon dicht. Vermissen Sie den Handball und das gemeinsame Training mit Ihrer Mannschaft schon?

Der Zeitpunkt war für uns schon ziemlich ärgerlich. Wir hatten gerade das Derby gegen TuRa Bergkamen II vor der Brust und ich hatte eigentlich ein ganz gutes Gefühl. Es lief zuletzt wieder etwas besser, vor allem hinsichtlich der Trainingsbeteiligung.

Gibt es Vorgaben, wie Ihre Spieler sich fithalten sollen?

Jeder soll schauen, dass er sich so gut es geht fit hält und im Rahmen seiner Möglichkeiten etwas macht. Es ist nicht immer so einfach, da ja alles geschlossen hat. Ein spezielles Programm oder so etwas hat es daher von mir auch nicht gegeben. Der Sport ist im Moment einfach in den Hintergrund gerückt.

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Das Hallen- und Sportverbot gilt zunächst bis zum 19. April. Was denken Sie, wie es dann weitergehen wird?

Ich kann es mir nicht vorstellen, dass die Saison noch zu Ende gespielt wird. Es ist sehr schwer zu entscheiden, da es in einigen Ligen noch sehr eng zugegangen ist. Ich möchte daher auch nicht in der Haut derjenigen vom Handball-Verband Westfalen oder Handballkreis Hellweg stecken, die das jetzt entscheiden. Für 80, 90 Prozent der Mannschaften ist es auch nicht so wichtig, aber bei einigen Teams steckt da schon richtig viel dahinter, egal ob Aufstieg oder Abstieg. Bei uns in der Liga würde es mir für Unna Massen zum Beispiel sehr leidtun, wenn die Saison nicht gewertet würde. Sie waren zuletzt die beste Mannschaft in der Liga und hätten den Aufstieg daher auch verdient.

Karsten Rockel hat hier seinen Widersacher David Weicken (SGH Unna Massen)  im Griff.

Karsten Rockel hat hier seinen Widersacher David Weicken (SGH Unna Massen) im Griff.

Unter Umständen könnten Sie selbst mit Overberge in der Liga bleiben, obwohl Sie von 18 Spielen kein einziges gewonnen haben!

Ja, ich weiß gar nicht, wie ich das bewerten soll. Wir hatten eh Überlegungen angestellt, in der nächsten Saison freiwillig in die Kreisliga zurückzuziehen. Mal abwarten, was daraus jetzt wird. Bei unserer Altersstruktur und ohne große Hoffnung auf Neuzugänge wäre das vielleicht der richtige Schritt. Ich glaube aber auch daran, dass wir noch unsere Chancen gehabt hätten, den Klassenerhalt auf sportlichem Wege zu schaffen. Gegen TuRa II hätte ich uns einiges zugetraut und auch in den Rückspielen gegen die direkte Konkurrenz aus Brambauer und Ahlen.

„Wir haben es selber verbockt.“
Karsten Rockel, TuS Overberge

Sie haben mit dem TuS Overberge in diesem Jahr nie richtig reingefunden, stehen mit 2:34 Punkten ganz am Ende der Tabelle. Was ist Ihre Erklärung, warum es so lief?

Größtenteils liegt das an der Trainingsbeteiligung. Die hat es selten erlaubt, sich überhaupt mal vernünftig und richtig auf die Aufgaben und die Gegner am Wochenende vorzubereiten. Dazu haben wir einige Spiele am Ende richtig blöd abgegeben. Das hat dann sehr auf die Stimmung gedrückt. Es kamen noch Verletzungen von wichtigen Spielern hinzu, die uns zurückgeworfen haben. Wie zum Beispiel zuletzt von Pascal Wrenger und Tobias Edelmann. Es ist sehr ärgerlich, dass wir so weit unten stehen. Unter dem Strich war nach meiner Ansicht auf jeden Fall mehr drin und das Potenzial der Mannschaft hätte das auch hergegeben, aber wir haben es selber verbockt.

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Wie sieht die Perspektive bei der Eintracht aus? Die Mannschaft ist zum Teil schon in einem sehr fortgeschrittenen Alter.

Zwei, drei Abgänge stehen bei uns schon fest (u.a. Marvin Wedemeyer aus beruflichen Gründen, Anm. d. Red.), daher hätte ich auch ziemliche Bauchschmerzen vor einer neuen Bezirksliga-Saison. Das würde wahrscheinlich keinen Sinn machen. Ich selbst werde als Trainer definitiv aufhören, hier gibt es eine interne Lösung. Weiterspielen werde ich noch, weiß aber noch nicht sicher, in welcher Mannschaft.

„Wir haben eine richtig gute Jugendarbeit, die uns Hoffnung macht.“
Karsten Rockel, TuS Overberge

Als sportlicher Leiter beim TuS Overberge sind Sie auch um das Wohl des Gesamtvereins bemüht. Was sind mittelfristig die Pläne bei der Eintracht?

Wir haben eine richtig gute Jugendarbeit, die uns Hoffnung macht. Nächste Saison spielen wir wieder mit einer B-Jugend. Natürlich liegt das Augenmerk darauf, dass wir diese talentierten Jungs bei der Stange halten. Auch darunter wurde zuletzt gute Arbeit geleistet, die uns perspektivisch Mut machen kann.

Remis gegen TuRa ein Erfolg

Was war in der Saison 2019/2020 das beste Erlebnis mit Ihrer Mannschaft?

Auch wenn es nur ein Unentschieden war, aber der Punkt gegen TuRa Bergkamen II (33:33) im Hinspiel tat uns ganz gut. Richtige Höhepunkte waren ansonsten leider nicht dabei.

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Und welches das bitterste Ereignis?

Gerade die Niederlagen gegen Soest II und Ahlen III taten uns weh. Da waren wir absolut gleichwertig, wenn nicht sogar besser, und haben die Spiele in den letzten Minuten noch verloren. Das war ziemlich deprimierend.

Auf einer Skala von 1 bis 10: Wie bewerten Sie die bislang gespielte Saison?

Mit einer 1 - schlecht.

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