Marc Woller genießt seine Arbeit in der „großen Fußballwelt“

dzFußball

Der Kamener Marc Woller fühlt sich in seiner Rolle als Co-Trainer beim Regionalligisten SV Lippstadt trotz einer weiten Anreise pudelwohl.

von Werner Hahn

Methler

, 13.08.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Er besitzt in der heimischen Fußballszene einen großen Bekanntheitsgrad. Vor allem als Trainer hat sich Marc Woller einen Namen gemacht. So führte er den FC Overberge seinerzeit in die Bezirksliga und den SuS Kaiserau sogar in die Landesliga. Als Co-Trainer hat er eine Vergangenheit beim damaligen SV Holzwickede, zu der Zeit noch Westfalenligist. Zudem arbeitete er in dieser Position bei Westfalia Rhynern in der Oberliga. Nach einer kurzen Odyssee beim Lüner SV ist Woller seit Oktober des vergangenen Jahres für den Fußball-Regionalligisten SV Lippstadt 08 als Co-Trainer tätig. Der Sportredaktion stand er nun für ein Gespräch zur Verfügung.

Hallo Herr Woller, die wohl wichtigste Frage gleich zu Beginn. Wie ist angesichts des Coronavirus das Befinden bei Ihrer Familie und Ihnen?

Uns geht es soweit gut. Wir mussten zwar schon einige Abstriche machen, zum Beispiel bei der Urlaubsplanung. Auch beruflich muss ich wegen Corona zurzeit kürzertreten, aber gesundheitlich ist wie gesagt alles in Ordnung.

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Sie sind nun seit Anfang Oktober des vergangenen Jahres Co-Trainer beim Regionalligisten SV Lippstadt 08. Wie kam diese Zusammenarbeit zustande. Lippstadt und Kamen-Methler, ihr Wohnort, trennen ja rund 60 Kilometer voneinander?

Über Felix Bechtold, der Cheftrainer beim SV Lippstadt ist. Ihn kannte ich schon aus meiner Trainerzeit bei Westfalia Rhynern. Er als Spieler und ich als Co-Trainer, hatten schon immer gute Kontakte, so sind wir nach meinem Ausscheiden beim Lüner SV zusammengekommen.

Wie schaffen Sie es, Familie, Job und den Co-Trainer-Posten bei einem Viertligisten, der sicher sehr zeitintensiv ist, unter einen Hut zu bekommen?

Da muss ich mich bei meiner Frau bedanken. Sie unterstützt mich bei dieser Arbeit nach Kräften, ermuntert mich immer wieder. Ohne sie wäre das ansonsten überhaupt nicht zu schaffen. Die Arbeit mit den vielen jungen Leuten, die wir im Team haben, macht mir aber auf jeden Fall großen Spaß, die sind alle sehr wissbegierig.

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Wie viele Male in der Woche trainieren Sie mit Ihrem Team, bleibt da überhaupt noch Zeit für andere Dinge?

Wir trainieren vier Mal in der Woche. Haben sonntags jeweils Auslauftraining für die Akteure, die am Samstag zuvor in den Spielen nicht zum Einsatz kamen. Ich bin also fünf Mal in der Woche in Lippstadt, vom Spieltag einmal ganz abgesehen. Nach dem Training bin werktags dann gegen 21.30 Uhr zu Hause. Das ist schon sehr zeitaufwendig, da bleibt nicht viel Zeit für andere Dinge.

Rund 70 Prozent aller Regionalligisten arbeiten unter Profibedingungen, was in Lippstadt nicht der Fall ist. Sehen Sie das als großes Handicap gegenüber den so arrivierten Klubs wie Rot-Weiß Essen oder Alemannia Aachen?

Das ist schon ein großer Nachteil für uns. Bestes Beispiel ist der dritte Spieltag der kommenden Saison, da müssen wir unter der Woche zu Alemannia Aachen. Unsere Akteure gehen alle einer geregelten Arbeit nach oder sind noch in der Schule - dann eine rund dreistündige Anfahrt, die sich anschließt. Eine optimale Vorbereitung sieht sicher anders aus.

Wie läuft die Zusammenarbeit zwischen ihrem Chefcoach Felix Bechtold und Ihnen?

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Das läuft sehr gut. Wir besprechen uns Anfang der Woche, was Taktik und andere Dinge betrifft, aber Felix hat den Hut auf. Ich habe mit der Rolle des Co-Trainers aber keine Probleme, muss nicht ganz vorne stehen. Er als junger Mann, ich mit meiner Erfahrung, das passt schon.

Was macht für Sie der Reiz der Regionalliga aus, Erfahrung mit der Oberliga, bekanntlich eine Klasse niedriger, haben Sie ja in Rhynern schon gemacht?

Die Regionalliga ist schon eine Nummer größer als die Oberliga, für mich noch einmal ein großer Schritt. Wenn wir zum Beispiel bei RW Essen antreten müssen, sind über 10.000 Zuschauer im Stadion, das hat schon was. Da müssen wir gerade unsere jungen Spieler entsprechend gut drauf vorbereiten.

Der SV Lippstadt verfügt seit einiger Zeit über keine eigene zweite Mannschaft mehr. Sehen Sie das als großen Nachteil beim Unterbau an. Anders gefragt, wie stark ist Ihr derzeitiger Kader?

Marc Woller gibt nun in Lippstadt die Richtung vor.

Marc Woller gibt nun in Lippstadt die Richtung vor. © Timo Janisch

Das ist sicher nicht leicht. Eine zweite Mannschaft bei einem Regionalligisten müsste aber zumindest in der Westfalenliga, besser aber Oberliga spielen, weil ansonsten der Sprung nach oben zu groß ist. Nach aktuellem Stand gehen wir mit einem 24-Mann-Kader in die kommende Saison.

Der SV Lippstadt besteht in dieser Form seit der Fusion 1997. Er ist seinerzeit aus der Fusion von Teutonia und Borussia Lippstadt entstanden. Die Mitglieder dieser beiden Klubs waren sich vor diesem Zusammengehen zum Teil spinnefeind, spürt man diese Ressentiments heute noch?

Das kann ich nicht sagen. Wir hatten kürzlich bei einem Grillabend ein Zusammentreffen mit den Fans. Da wurde hier und da noch einmal über alte Zeiten gesprochen, allerdings alles im Rahmen. Der Erfolg hat dieser Fusion auf jeden Fall recht gegeben, schließlich spielt der SV Lippstadt 08 in der Regionalliga.

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Abschließend noch die Frage nach Ihren Ex-Vereinen SuS Kaiserau und den Holzwickeder SC. Wie sehen Sie die sportliche Entwicklung der beiden Klubs, für die Sie schon erfolgreich gearbeitet haben?

Ich wohne ja in Methler, stehe deshalb immer noch im guten Kontakt zum SuS Kaiserau, habe ihn in dieser Form ja auch etwas mitgestaltet. Der Klub hat sich super entwickelt, hat mit Jörg Lange auch einen sehr guten Trainer, der zum Verein passt. Allerdings dürfte die Saison wieder sehr schwer werden. Den Holzwickeder SC kann ich nur aus der Ferne beobachtet. Die haben gute Leute mit viel Qualität. Da ist noch einiges zu erwarten. Für mich haben beide Vereine eine positive Entwicklung genommen.

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