Von Hemmerde über Bochum und Dunajska Streda (SLK) nach Breda (NL). Maik Drzensla hat in seiner noch jungen Trainerkarriere schon einiges erlebt und große Ziele.

von Dirk Berkemeyer

Hemmerde

, 17.05.2020, 15:01 Uhr / Lesedauer: 4 min

Von Hemmerde über Bochum und Dunajska Streda (SLK) nach Breda (NL). Maik Drzensla hat in seiner noch jungen Trainerkarriere schon einiges erlebt. Als Co-Trainer von Peter Hyballa setzt der 35-Jährige nun zum ganz großen Sprung an. Mit dem NAC Breda, einem der fünf größten und bekanntesten Vereine in den Niederlanden, will Drzensla in der kommenden Spielzeit den Sprung in die „Eredivisie“ schaffen. Im aktuellen Interview mit unserer Redaktion berichtet der A-Lizenz-Inhaber über seine Erfahrungen als Co-Trainer einer Profimannschaft und vielen kleinen Psycho- und Rhetorik-Tricks, mit denen der große Wurf gelingen soll.

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Hallo Herr Drzensla, wo erreichen wir Sie gerade?

Aktuell bin ich noch in Hemmerde, aber eigentlich schon auf dem Sprung zurück nach Breda, wo es in den nächsten Tagen wieder losgeht mit der Vorbereitung auf die kommende Spielzeit. Die Saison soll laut Verband im September wieder starten. Dann aber erstmal bis Januar 2021 ohne Zuschauer.

Maik Drzensla ist Co-Trainer beim NAC Breda.

Maik Drzensla ist Co-Trainer beim NAC Breda. © Privat

Vorbereitung von Mai bis September. Eine lange Zeit, oder?

Für uns genau richtig, denn wir sind ja erst seit Februar im Amt. Da haben wir bis zum Lockdown quasi einen Kaltstart hingelegt und können erst jetzt intensiv mit den Spielern individuell arbeiten. Da kommt uns eine intensive Vorbereitung jetzt schon sehr gelegen.

In der Tat ein „Kaltstart“ im Februar. Aber ein nicht ganz unerfolgreicher und vor allem auch schon mit einigen Highlights.

Ja in der Tat. Im niederländischen Pokal haben wir es bis ins Halbfinale geschafft. Im Viertelfinale haben wir auswärts beim Spitzenklub AZ Alkmaar 3:1 gewonnen. Auch ins Halbfinale bei Feyernoord Rotterdam sind wir nicht chancenlos gegangen. Viele Medien haben uns die Sensation zugetraut.

Vor 50.000 Zuschauern in der legendären Schüssel „De Kuip“ lief es aber nicht wie erhofft?

Nein leider nicht. Feyenoord hatte aber den nötigen Respekt. Die waren zu der Zeit die Mannschaft der Stunde in den Niederlanden, haben gegen uns aber im eigenen Stadion total defensiv gestanden. Wir sind dominant aufgetreten, sie wollten kontern. Leider haben Sie direkt ihre erste Standardsituation genutzt. Da waren kleine Details entscheidend. Sie hatten den Killer-Instinkt und einen guten Freistoßschützen. Zudem haben wir drei Elfmeter gegen uns bekommen und am Ende 7:1 verloren.

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Dennoch haben Sie da schon gezeigt, dass mit Ihnen zu rechnen sein wird, in der kommenden Saison.

Darauf arbeiten wir hin. Aber uns ist allen klar, dass das nicht einfach wird. Wir gehen als einer von fünf oder sechs Favoriten in die zweite Liga. Man muss Meister werden, um sicher aufzusteigen. Das wird sicher extrem schwer und jedem muss klar sein, dass da enormer Druck auf uns zukommen wird.

Druck, den Sie, das Team und auch Peter Hyballa aushalten müssen. Wie sind Sie eigentlich zu ihrem Job als Co-Trainer gekommen?

Einige Kumpels, mit denen ich beim VfL Bochum zusammengearbeitet habe, sind nach Leverkusen gewechselt und haben unter Peter gearbeitet. Die haben den Kontakt hergestellt. Dann haben wir uns dann mal getroffen und gemerkt, dass wir voll auf einer Wellenlänge liegen. Im Sommer 2018 kam Peters Anruf, ob ich das Abenteuer Dunajska Streda mitmachen will. Und ich habe Ja gesagt.

Und da war er also, der Einstieg ins Trainergeschäft. Die erste slowakische Liga ist hierzulande nicht so im Fokus, aber es ging gut zur Sache, oder?

Ja, und wie. Neues Land, neue Sprache, neue Umgebung. Es war eine komplett neue Erfahrung. Und auch der Club hat im Land eine Sonderstellung. Dunajska Streda war mal ungarisch. Auch heute leben noch viele Ungarn dort und der Verein ist dementsprechend angehaucht. Auch im Nachbarland selbst hat der Klub eine ganz besondere Bedeutung. Nach der Nationalelf und Ferencvaros Budapest ist Dunajska Streda der drittbeliebteste Club des Landes. Viele Ungarn sind extra in die Slowakei gekommen und haben sich im Stadion fotografieren lassen. Das ist wie eine Art Statussymbol.

Und sportlich?

Sportlich konnten wir uns ganz gut verkaufen. Wir haben in den 18 Monaten den höchsten Punkteschnitt der Liga erzielt und sind mit der jüngsten Mannschaft Vizemeister geworden. Zudem waren wir die Trainer, die am längsten im Amt waren. Andere Klubs haben in dieser Zeit viermal den Coach gewechselt. Wir haben die großen Klubs aus Bratislava und Zilina geschlagen und es sogar in die Qualifikationsrunde zur Europa League geschafft. Dennoch kam im Januar das Aus. Es gab einige atmosphärische Störungen mit der Klubführung.

Das war sicher ein Schlag ins Kontor. Wie ging es Ihnen dabei?

Ein Trainer ist erst ein Trainer, wenn er mal entlassen wurde. Das gehört im Profigeschäft einfach dazu. Als junger Coach kommt man sehr oft aus dem Jugendbereich nach oben. So war es ja auch bei mir. Da hat man zwar in der Junioren-Bundesliga gearbeitet, aber dennoch ist es so, dass man dort sehr viele Siege einfährt und kaum Druck verspürt. Im Profibereich ist das was ganz anderes. Deswegen gehören Entlassungen eben dazu.

Zurück nach Breda. Der Club ist in der Vorsaison sehr überraschend abgestiegen und will nun mit Macht wieder hoch.

Ja genau. Breda gehört eigentlich zum Inventar der Eredivisie. Der Club verkörpert eine ganze Region und die Leute dort sind absolut fußballverrückt. Das Stadion platzt bei den Heimspielen aus allen Nähten. Es gehen 19.000 Besucher rein. Die sind immer da und feiern nach den Spielen jedes Mal eine Riesenparty. Absolut großartig diese Stimmung.

Aber das Ziel soll der Aufstieg sein. Wie kann das gelingen?

Gelingen kann das nur, wenn wir akribisch arbeiten. Wir müssen schnell eine starke Gemeinschaft formen, in der jeder für jeden arbeitet. Es darf da keine Vorurteile oder Streitereien geben. Nur als Mannschaft kannst du Erfolg haben. Du kannst noch so gute Einzelspieler haben. Wenn es im Gefüge nicht passt, wirst du scheitern. Beste Beispiele in Deutschland, wo das geklappt hat, sind Paderborn oder Union Berlin. Die haben nicht die Topstars im Team, sind aber als Kollektiv extrem stark. Und auch Bielefeld macht gerade in der 2. Bundesliga vor, wie es geht.

Die Stimmung bei den Heimspielen des NAC Breda ist jedes Mal bestens.

Die Stimmung bei den Heimspielen des NAC Breda ist jedes Mal bestens. © Privat

Welche Aufgabe hat ein Co-Trainer in diesem Gefüge?

Während der Spiele beobachte ich von der Bank aus das Geschehen, während Peter an der Linie unterwegs ist. Ich gebe ihm meine Empfehlungen, was man möglicherweise tun kann. Die Entscheidung trifft letztlich er. Aber bei uns ist es so, dass wir absolut loyal zueinander sind. Anders geht das auch nicht. Hinter verschlossenen Türen tauschen wir unsere Meinungen aus. Der Mannschaft gegenüber verkündet es aber immer der Cheftrainer.

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Kommen wir zu „Cat“, „Iglo“ oder „Ulf“…

Das sind kleine Kommandos, die wir uns ausgedacht haben. Da stecken Botschaften dahinter. Generell ist es so, dass wir auch unseren Matchplan immer in Form von Storytelling an die Jungs weitergeben. Stupide rummalen auf der Tafel funktioniert nicht. Wenn du aber über Bilder in die Köpfe der Spieler kommst, dann klappt es. So zum Beispiel Ulf. Gemeint ist natürlich Ulf Kirsten. Der ehemalige Nationalstürmer ist sehr oft vor der Flanke auf den ersten Pfosten gegangen und hat hier seine Buden gemacht. Wir nutzen das im Spiel. Kommt von außen oder aus dem Team das Kommando „Ulf“, weiß unser Stürmer, was zu tun ist. In Breda funktioniert das bestens. In sieben Spielen unter unserer Leitung hat unser Stürmer schon dreimal getroffen danach.

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