Monobob wird 2022 in Peking olympisch. In dieser Sportart wurde Unnas Bobpilotin Laura Nolte Jugend-Olympiasiegerin. Doch die 20-Jährige sieht diese Entwicklung mittlerweile eher skeptisch.

Unna

, 05.03.2019, 13:40 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es war der glorreiche Start ihrer Bob-Karriere, als Laura Nolte aus Unna 2016 im norwegischen Lillehammer bei den olympischen Jugendspielen die Goldmedaille im Monobob holte. Die Disziplin „Einzelbob“ wird nun 2022 in Peking olympisch. Doch neben der deutschen Bob-Olympiasiegerin Mariama Jamanka häuft sich die Anzahl der Kritiker dieser Entwicklung. Unsere Sportredaktion sprach mit Laura Nolte aus Unna über den „olympischen Monobob“.

? Der Monobob wird olympisch. Das ist doch eine Entwicklung in ihrem Sinne, als Jugend-Olympiasiegerin?

Na, ich bin da eher ein wenig zwiegespalten. Der Monobob ist zweifelsohne gut für anschubstarke Pilotinnen. Doch eigentlich forderten die Athletinnen mit einer zweiten Disziplin im Bobsport die Einführung des Viererbobs. Jetzt wird es der Monobob, doch das will eigentlich keiner. Der Monobob ist gut für Anfängerinnen, er ist leichter zu steuern. Ich habe allerdings nicht mehr die große Lust, in den Monobob zu steigen. Ich sehe Bobfahren als Teamsport, das ist cool - gemeinsam mit einer Anschieberin zum Erfolg.

„Ich habe nicht mehr die große Lust, in den Monobob zu steigen.“
Laura Nolte, Bobpilotin aus Unna

? Aber die neue alte Disziplin dürfte doch gerade Ihnen liegen!?

Ja, ich habe damit einen Titel geholt, auf den ich sehr stolz bin. Aber die Zeit hat sich auch gewandelt. So entscheiden sich mittlerweile auch viele schnelle Anschieberinnen dazu, als Pilotin weiterzumachen. Lisa Buckwitz beispielsweise, eine der schnellsten deutschen Anschieberinnen, nimmt nun auch an der Steuerposition platz. Es gibt auch viele kanadische Anschieberinnen, die an die Steuerseile möchten. Für die ist die Einführung des Monobobs eine Alternative. In dieser Disziplin ist der schnelle Start wichtiger als in allen anderen Bob-Kategorien. Das Steuern haben sie hier auch rasch raus.

Laura Nolte setzt lieber auf den Zweier- statt Monobob

Laura Nolte (Mitte) .- hier mit ihren beiden Anschieberinnen - ist ein echter Teamplayer. © Privat

? So oder so müsste die internationale Bob-Föderation ja schon im nächsten Jahr den Weltcup in der neuen olympischen Sportart einführen, oder?

Ja, das stimmt. Über diesen Wettbewerb würden dann wohl auch die Startplätze für Olympia bestimmt. Soweit ich weiß ist auch schon ein Angebot raus, um einen einheitlichen Monobob zu bauen, der zum Einsatz kommt. Aber es gibt halt noch viele offene Fragen. In Lillehammer beispielsweise waren zehn Helfer vor Ort vom ausrichtenden Verband im Einsatz, die uns nur die schweren Schlitten auf das Eis gesetzt haben. Wie wird das künftig bei den Rennen geregelt? Es gibt noch einige offene Frage.

? Für Sie ist die Saison gelaufen, aber sie springen aktuell immer noch in den Bob?

Ich bin gemeinsam mit der Pilotin Kim Kalicki im lettischen Sigulda. Der Bundestrainer hat uns beiden hier eine Trainingswoche verordnet, weil es bei mir zuletzt ja auch nicht so gut lief. Seit Samstag sind wir zweimal täglich im Eiskanal und trainieren. In Sigulda macht der Bob-Zirkus jede Saison Station, deshalb ist das Training hier für mich auch von großem Nutzen. Am Donnerstag fliege ich wieder nach Hause - ja, und dann haben ich Pause.

„Es gibt gar keine Rennserie dazu.
Mariama Jamanka, Bob-Olympiasiegerin

Noch nie im Weltcup getestet, aber schon olympisch: Die Aufnahme des Monobobs für Frauen ins Olympia-Programm 2022 in Peking löst kontroverse Diskussionen aus. „Es ist definitiv kurios, wir waren alle recht überrascht, weil es eben keine Rennserie dazu gibt“, sagte Olympiasiegerin Mariama Jamanka. Sie bezeichnet den Monobob, der auch im Parasport gefahren wird, als „Anfängergerät, um Bobfahren zu lernen und kein Äquivalent, weil Bobfahren für mich eine Teamsportart ist“.

Der Weltverband IBSF sieht seine sechste olympische Disziplin neben Skeleton eher als Fördermaßnahme an. „Es gibt nicht nur unseren weiblichen Athleten die Möglichkeit, eine zusätzliche Medaille zu gewinnen, sondern auch unseren Nationalverbänden, die Teilnahme weiblicher Athleten weiter zu fördern“, sagte IBSF-Präsident Ivo Ferriani über die Entscheidung des IOC-Exekutiv-Komitees.

Jamanka will das nicht gelten lassen. „Ganz ehrlich, solange wir noch nicht Nordische Kombination für Frauen haben, brauchen wir über Gleichberechtigung vom IOC aus nicht sprechen. Man hätte mit den Athletinnen vorher mal sprechen können“, sagte die gebürtige Berlinerin.

Rückendeckung bekommt sie von Annika Drazek, die selbst Piloten-Ambitionen hat. „Klar heißt es, erste Olympiasiegerin im Monobob zu werden. Doch sie machen aus einer Teamsportart eine Einzelsportart“, sagte sie und betonte: „Ich bin ja aus der Leichtathletik gegangen, weil ich etwas anderes wollte. Und jetzt soll ich wieder zurück zu einer Einzelsportart?“ Sie sieht auch noch andere Probleme: „Ich kann keinen 170 Kilogramm schweren Schlitten alleine drehen.“

Andreas Trautvetter, Präsident des Bob- und Schlittenverbandes für Deutschland (BSD), bestätigte, dass die Ausschreibungen für die typengleichen Schlitten, die dann von der IBSF gestellt und betreut werden, bereits raus sind. Die Zeit eilt, es gibt weder Europacup- noch Weltcup-Rennen. „Eine Qualifikation für Olympia ist unabdingbar, also muss die Disziplin spätestens 2020 starten“, meinte Trautvetter.

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