Stefan Kortmann, Trainer des A-Kreisligisten SV Langschede, spricht sich für einen Abbruch der Saison aus. Er wünscht aber gleichzeitig auch dem KSV und dem TSC Kamen den Aufstieg.

von Ulrich Eckei

Langschede

, 29.04.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Der Coach von der Ruhr stellt sich im Interview den Fragen der Sportredaktion. Er nimmt Stellung zu den Wechselspielchen einiger Kicker, Online-Quizrunden und die Wertung der Saison.

Das Wichtigste vorweg: Wie geht es Ihnen gesundheitlich?

Mir selber geht es soweit gut, meinem Umfeld auch. Die Situation nervt ein bisschen, aber lässt sich leider nicht ändern. Ich mache das Beste draus.

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Wie bewerten Sie den bisherigen Saisonverlauf Ihrer Mannschaft?

Der Saisonverlauf war mal wieder sehr durchwachsen. Wir haben viele gute Spiele gezeigt – ein Highlight war sicher der Sieg in Oberaden. Wir haben aber auch in vielen Situationen nicht das volle Können abgerufen. Oft sind es ärgerliche Fehler, die zu schnell bestraft werden. Ein riesen Problem war die Verletzungsseuche. Das ist vielleicht das einzig Positive an der Pause: Alle können sich in Ruhe auskurieren.

„Jetzt gibt es bei uns Quizrunden - alles online.“
Stefan Kortmann, SV Langschede

Am 8. März haben Sie beim 3:2 gegen den SV Bausenhagen das letzte Spiel bestritten. Seither sind sieben Wochen vergangen. Wie halten Sie Kontakt zu Ihren Spielern? Haben Sie Hausaufgaben verteilt, damit die sich fithalten?

Schön, dass wir den Derbysieg als Schlusspunkt hatten, denn das war ein intensives Spiel. Innerhalb der Mannschaft hatten wir jetzt Kontakt über Videokonferenzen. In der Regel hat man sich samstags mit mal mehr mal weniger Leuten getroffen und ein Bier zusammen getrunken. Jetzt gab es bei uns schon zwei Quizrunden - alles online. Dazu hatten wir ja ein gemeinsames Videoprojekt auf die Beine gestellt. Auf Anfrage habe ich an interessierte Spieler auch schon Trainingspläne verschickt. Ansonsten habe ich ein paar Materialien zur Verfügung gestellt. Die Durchführung obliegt jedem selbst. Ich halte in so einer Situation nichts von Zwang und Kontrolle.

Sind die Personalplanungen des SV Langschede für die kommende Saison bereits abgeschlossen?

Personell laufen noch einige wenige Gespräche zur gezielten Verstärkung. Unser Kader bleibt glücklicherweise fast vollständig zusammen. Mit vielen gehe ich in die vierte Saison, was ich großartig finde, zumal ich manche ja vorher schon trainiert habe.

Der „Zettel-Ewald“ vom SV Langschede: Coach Stefan Kortmann notiert sich stets wichtige Infos.

Der „Zettel-Ewald“ vom SV Langschede: Coach Stefan Kortmann notiert sich stets wichtige Infos. © Neumann

Bundesligavereine beklagen in dieser Corona-Zeit Probleme im finanziellen Bereich. Auch Amateurvereine fehlen die Einnahmen. Wie sieht es beim SV Langschede aus?

Der Verein hat die laufenden Kosten weitestgehend gedrückt. Große Gehälter zahlen wir zum Glück ohnehin nicht, sodass sich hier gar nichts ändert. Die Trainer sind zum Gehaltsverzicht bereit. Fehlende Einnahmen tun natürlich weh. Gerade dass Veranstaltungen wie Osterfeuer und Feriencamp ausfallen, tut nicht nur finanziell weh, denn hier geht es auch um das Miteinander. Hier haben wir aber einen Antrag auf Soforthilfe gestellt und bewilligt bekommen, um die Liquidität zu sichern.

Der Fußballverband Westfalen hat unter den Amateurvereinen eine Umfrage zum weiteren Saisonverlauf gestartet. Was halten Sie davon und wie hat sich der SV Langschede entschieden?

Wir haben uns für Abbruch entschieden, da das das einzig Sinnvolle ist. Die aktuelle Tabelle soll gewertet werden, am besten bei großzügiger Aufstiegsregelung. TSC und KSV sollen einfach beide mit in den Topf für den Aufstieg. Ansonsten finde ich es wichtig, dass die Vereine gefragt wurden. Hier muss man versuchen, alle mitzunehmen. Hoffentlich wird das Meinungsbild auch entsprechend gewertet.

„Die Qualität in der Liga steigt und es wird einige fordernde Partien geben.“
Stefan Kortmann, SV Langschede

In den vergangenen Wochen wurde bekannt, dass sich viele Vereine der Kreisliga A für die kommende Saison mit namhaften Spielern verstärken. Was halten Sie von dieser Entwicklng?

Es ist schon der Hammer, was in den letzten Wochen an Wunschspielern hin und her gewechselt ist. So viele Wünsche hätte ich gar nicht. Aber mal ernsthaft: Damit wollen und können wir uns nicht mit messen. Ich möchte mit Leuten arbeiten, die an der Sache Spaß haben und gerne beieinander sind. Bei aller sportlicher Ernsthaftigkeit. Das ist hier an der Ruhr absolut gegeben. Da brauche ich keine Namen, sondern Personen. Wenn Vereine das finanziell können und wollen, ist das auch völlig in Ordnung. Meine Devise wäre es nicht. Wir ziehen das Positive daraus: Die Qualität in der Liga steigt und es wird einige fordernde Partien geben. Darauf freue ich mich immer.

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Stichpunkte-Interview:

Holzwickeder SC:

Meine Trainerkarriere begann damals bei der SG Holzwickede. Schon allein aufgrund meines alten Schützlings Nils Hoppe beobachte ich den HSC immer sehr interessiert. Es ist beeindruckend, wie sie sich in der Oberliga festgesetzt haben. An Axel Schmeing gefällt, mir dass er jungen Spielern wirklich das Vertrauen schenkt. Das ist nicht überall selbstverständlich.

SSV Mühlhausen-Uelzen:

Ich hatte sechs gute Jahre in Mühlhausen. In der Jugend hat man sich nun als JSG neu aufgestellt. Früher hatten wir um die 15 Jugendteams und mit denen oberen überkreislich gespielt. Die Masse an Jugendlichen hat (überall) stark abgenommen. Der Senioren-Abstieg aus der Landesliga hat sich zuletzt angebahnt, aber René Johannes halte ich für kompetent genug, die Mannschaft auch wieder nach oben zu führen. Es wird aber ein sehr schwieriger Weg.

SV Bausenhagen und SV Frömern:

Die beiden Ortsnachbarn möchte ich zusammenfassen. Es sind immer besondere Spiele mit einer besonderen Spannung. Beide Vereine sind ähnlich wie wir aufgestellt: Es stehen andere Dinge im Vordergrund als Geld. Viele Spieler halten seit Jahren die Treue, was für mich einen anderen Zusammenhalt bedeutet. Möge es noch zahlreiche spannende Aufeinandertreffen in der Kreisliga A geben.

Königsborner SV:

Andy Feiler halte ich vor allem fachlich für den kompetentesten Trainer der Liga - auch wenn er das jetzt nicht lesen will. Wir kennen uns aus Mühlhausen. Ich weiß, dass er Spieler weiterbringt, wenn sie mitziehen. Er hat sich eine gute Truppe zusammenstellen können, aber zum Aufstieg muss natürlich rundum alles passen, was der KSV auch merken musste. Ich drücke hier Andy und meinen Ex-SSV-Schützlingen beide Daumen.

BVB:

Mein zweiter schwarz-gelber Verein. Viele Punkte wurden liegen gelassen. Eigentlich haben mir viele Spiele gefallen, aber auch Dortmund macht viele ärgerliche Patzer, die schnell bestraft werden. Das Team hat Potenzial und macht durchaus Spaß. Aus einer Trainer-Diskussion halte ich mich eigentlich grundsätzlich heraus. Mal sehen, ob und wie es noch weitergeht.

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