Jetzt spricht Daniel Decker-Törö. Der Schiedsrichter steht aktuell in der Kritik und pausiert sogar. Aber es gibt auch Zuspruch und Anerkennung wie er selbst im Exklusiv-Interview sagt.

Kreis Unna

, 10.10.2019, 15:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Unsere Sportredaktion hat dem Schiedsrichter des VfK Nordbögge, der sich so bislang noch nicht in der Öffentlichkeit äußerte, einen Fragenkatalog zukommen lassen, den er per Mail beantwortete. Darin geht es um „Hater“ in den Sozialen Medien, das berühmte Fingerspitzengefühl und auch Anerkennung für seine Leistungen.

Herr Decker-Törö, das Sportgericht Unna/Hamm hat für drei der vier Roten Karten aus dem Abbruchspiel lediglich die Mindestsperre von zehn Tagen angesetzt. Wie bewerten Sie das Urteil?

Das ist doch super. Jeder sollte sein Hobby so lange und so oft wie möglich ausüben.

Der Spielabbruch

Sieben Platzverweise

Daniel Decker-Törö brach am 22. September das B-Kreisliga-Spiel zwischen den Reserve-Mannschaften von RW Unna und SuS Oberaden in der Nachspielzeit ab. Bis dahin hatte der Unparteiische sieben Platzverweise - sechs davon gegen den SuS Oberaden - ausgesprochen. Das Spiel musste abgebrochen werden, weil die Gäste zu wenig Spieler auf dem Feld hatten. In der anschließenden Sitzung des Sportgerichts wurde das Strafmaß von drei der vier totalen Platzverweise auf die jeweils Mindestsperre von zehn Tagen entschärft. Ein Oberadener Akteur wurde für vier Spiele gesperrt. Drei weitere Kicker, die jeweils eine Ampelkarte erhalten hatten, waren bereits wieder entsperrt. Torsten Perschke, Vorsitzender des Kreisschiedsrichter-Ausschusses, hatte sich anschließend mit Daniel Decker-Törö darauf geeinigt, dass der Unparteiische zunächst bis zum 23. Oktober keine Spiele mehr leitet. An diesem Tag tagt der Kreisschiedsrichter-Ausschuss. Ein Thema ist dann Das Leistungsspektrum von Schiri Daniel Decker-Törö.

Sie sind derzeit auf vielen Sportplätzen ein Thema. Wie fühlen Sie sich, wenn man so in der Öffentlichkeit steht?

Meinetwegen kann das gerne anders sein. Ich denke, dass es doch durchaus interessantere Themen geben sollte als den Schiedsrichter. Zumal dort auch viele falsche Informationen und Aussagen getätigt werden wie man sie beispielsweise in Sozialen Medien liest.

Sind Sie persönlich schon auf Sportplätzen oder in den Sozialen Medien bedroht worden und wie gehen Sie damit um?

Ja, das ist sicherlich bereits vorgekommen. Gerade in der (vermeintlichen) Anonymität des Internets gibt es einige „Trolle“ und „Hater“. Wenn ich ehrlich bin, tun mir diese Leute leid, dass sie ihre Aggressionen so kanalisieren müssen.

Werden Sie im persönlichen Bereich mit eventuellen Anfeindungen konfrontiert?

Genau das Gegenteil ist der Fall. Ich erhalte viel Zuspruch. Aussagen wie „Der Mann hat Charakter“ oder „Der lässt sich nicht verbiegen. Das bewundere ich echt.“ Oder auch: „Dass du das so durchziehst, verdient meinen allergrößten Respekt“ sind an der Tagesordnung.

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Wie sieht es mit Ihrer Motivation als Schiedsrichter aus, wenn Sie immer wieder auf Platzverweise und Spielabbrüche angesprochen werden. Verspüren Sie nach wie vor noch Lust, zu pfeifen?

Natürlich. Die Schiedsrichterei ist eines meiner größten Hobbys. Ich pfeife ja bereits seit über 20 Jahren. Unvergessen sind immer noch die Erstligaspiele, die ich in der Jugend geleitet habe, wie beispielsweise 1. FC Köln gegen SG Wattenscheid 09 oder auch Bayer Leverkusen gegen den FC Schalke 04 mit Rudi Völler und Ulf Kirsten als Zuschauer. Zudem stand ich auch schon gemeinsam mit „Poldi“ auf dem Platz. Aber auch in den unteren Ligen macht es Spaß zu pfeifen. Leider ist hier der Umgang mit den Unparteiischen im Laufe der Jahre aus meiner Sicht jedoch um einiges negativer geworden. Aber das mindert dennoch nicht meinen Spaß, an meinem geliebten Fußball aktiv teilnehmen zu können. Ich spiele ja auch bereits seit fast 30 Jahren aktiv Fußball. Aufgrund von Knieschäden jedoch nicht mehr so oft wie ich gerne würde.

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Können Sie sich erklären, wie es zu diesen Spielabbrüchen unter Ihrer Leitung kommt?

Das ist eigentlich relativ einfach zu erklären. Ich greife einfach eher durch als einige meiner Kollegen. Jeder Schiedsrichter hat seine „eigene Linie“. Meine ist sicherlich strenger als die der meisten anderen. Dennoch ist eine Mannschaft sicherlich nicht ganz unschuldig daran, wenn sie mehr als vier Platzverweise in einem Spiel kassiert und das Spiel deshalb abgebrochen werden muss. Denn ich kann und muss ja auch nur Aktionen ahnden, die seitens der Spieler geschehen. Von mir aus lasse ich die Karten gerne in der Tasche stecken. Wenn jedoch jemand seinen Gegenspieler mit hoher Wucht gegen das Schienbein tritt, ist das bei mir einfach eine Rote Karte. Denn dadurch wird vor allen Dingen die Gesundheit der Gegenspieler geschützt. Eine Notbremse bedingt ebenfalls einen Platzverweis, auch wenn das Foul an sich nicht böse war.

Immer wieder halten Ihnen Fußballer vor, dass Ihnen das sogenannte Fingerspitzengefühl fehle. Wie sehen Sie das?

Das Wort Fingerspitzengefühl wird ja gerne herangezogen, um Situationen zu verharmlosen. Damit ist ja oft gemeint, dass man Aktionen nicht mit der im Regelbuch vorgeschriebenen Strafe ahndet. Insofern kann ich dem nicht so viel abgewinnen. Aber auch, wenn das den ein oder anderen vielleicht wundern mag, spreche ich auch in so gut wie jedem Spiel, wenn möglich, erst eine Ermahnung aus, bevor es eine Verwarnung gibt.

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Was wünschen Sie sich für die Zukunft von den Fußballern im Amateurbereich?

Vor allen Dingen Respekt für alle Schiedsrichter. Denn letztendlich sind wir es, die es den Fußballern jede Woche ermöglichen, ihrem Sport nachzugehen. Als Schiedsrichter ist man letztendlich als „Einzelkämpfer“ auf dem Platz unterwegs. Sicherlich machen wir auch Fehler, aber die macht einfach jeder Mensch. Auch ich kann es sehr gut nachvollziehen, dass man nicht mit jeder Schiedsrichterentscheidung einverstanden ist. Aber wir sehen es ja in der Bundesliga, wie viel Ärger es trotz Videoschiedsrichter Woche für Woche gibt. Wir müssen auf dem Feld ohne technische Hilfsmittel in Bruchteilen von Sekunden entscheiden. Egal was auf dem Feld passiert, niemand sollte einen anderen beleidigen, bedrohen oder gar körperlich angehen. Man sollte sich mit Respekt auf Augenhöhe begegnen.

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