Der Fusion stand er vor einigen Jahren skeptisch gegenüber. Mittlerweile ist Günter Schütte aber Geschäftsführer des Holzwickeder SC - und mächtig stolz auf seinen Club.

von Werner Hahn

Holzwickede

, 20.12.2019, 13:02 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Holzwickeder SC spielt trotz aller Verletzungssorgen eine gute Rolle in der laufenden Spielzeit in der Fußball-Oberliga Westfalen. Mit 27 Zählern nach Ende der ersten Halbserie - sechs Punkte mehr als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres - nimmt die Elf von Axel Schmeing einen sehr guten fünften Tabellenplatz ein. Für die Sportredaktion Grund genug, mit Günter Schütte, Geschäftsführer des Clubs von der Emscher, eine Jahresbilanz zu ziehen - und die betrifft nicht nur die erste Mannschaft.

Zur Person Stammverein SV Opherdicke Günter Schütte stammt aus der Jugendabteilung des damaligen SV Opherdicke. Nach der Fusion des SV Opherdicke mit Westfalia Holzwickede 1975 zur SG war er Spieler und Funktionär. Aktuell nach der nächsten Sportlerehe 2015 zwischen der SG und dem SV Holzwickede ist er Geschäftsführer. Lieblingsverein außer dem HSC ist: Borussia Dortmund.

? Herr Schütte, Ihr HSC steht nach Ende der Hinrunde in der Oberliga auf einem hervorragenden fünften Platz, wie beurteilen Sie die aktuelle Situation der ersten Mannschaft?

Damit war zu Saisonbeginn nun wirklich nicht zu rechnen. Wir hatten bekanntlich enorme verletzungsbedingte Personalprobleme. Das hat sich im Verlaufe der Saison zum Glück gebessert. Mit 27 Punkten stehen wir gut da. Ich denke, dass 40 Zähler am Saisonende zum Klassenerhalt reichen sollten.

? Nicht so gut sieht es derzeit bei Ihrem Reserveteam aus. Die Elf steht aktuell auf einem Abstiegsplatz. Die Nichtabstiegsplätze sind aber immer noch in Reichweite. Wie wollen Sie diesen Zustand verbessern?

Die sportliche Situation der Reserve ist auch ein wenig unserer ersten Mannschaft geschuldet, die wie bereits erwähnt zu Saisonbeginn arge personelle Probleme hatte. So musste die Zweite von Olaf Pannewig immer wieder Akteure nach oben abgeben. Ich hoffe, dass sich diese Situation nach der Winterpause verbessert - vor allem dann, wenn unsere erste Mannschaft wieder komplett ist. Für uns ist es ganz wichtig, die Reserve als Unterbau für das Oberliga-Team in der Bezirksliga zu erhalten.

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? Apropos Personal: Derzeit ist bekanntlich Wechselphase. Was tut sich diesbezüglich beim Holzwickeder SC? Wird es in Ihrem Verein gravierende Veränderungen geben?

Das wird sich in Grenzen halten. Wieder zum Kader zählt auf jeden Fall Keeper Kevin Beinsen, der berufsbedingt eine Pause eingelegt hatte. Dazu kommt Joshua Heinrichs zurück, der auf Taiwan ein Auslandssemester im Rahmen seines Studiums absolviert hat. Ferner ist Steven Kodra zum 1. Januar des kommenden Jahres für uns spielberechtigt. Abgemeldet hat sich hingegen Torwart Muhammed Acil, der in der Rückrunde für Türkspor Dortmund auflaufen wird. Mehr gibt es zurzeit nicht zu vermelden.

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? Zu einem guten Unterbau zählt natürlich auch eine gute Jugendarbeit. Die A-Junioren haben zwar am vergangenen Sonntag nach der 0:4-Niederlage in Wethmar die Tabellenführung in der Bezirksliga abgeben müssen, liegen aber immer noch aussichtsreich im Aufstiegsrennen zur Landesliga. Wie wichtig ist Ihnen dieser Bereich?

Der ist ganz wichtig. Wir müssen versuchen, in allen Ligen im Jugendbereich ein Team zu stellen. Wenn dann zum Beispiel die A-Junioren in die Landesliga aufsteigen würden, kann man sicherlich den einen oder anderen Jugendlichen nach Holzwickede locken.

HSC-Geschäftsführer Günter Schütte: „Die Fusion sah ich zunächst skeptisch“

Stellte sich den Fragen unserer Sportredaktion: HSC-Geschäftsführer Günter Schütte, hier mit Lebensgefährtin Petra Schlemmer. © Hahn

? Die Gemeinde Holzwickede bietet den Vereinen gemessen an ihrer Einwohnerzahl eine gute Infrastruktur an was Sportstätten betrifft. Wie läuft das mit der Zusammenarbeit mit den zuständigen Ämtern?

Da muss ich der Gemeindeverwaltung ein Riesenkompliment aussprechen, was die Zusammenarbeit betrifft. Wir werden nach besten Kräften unterstützt. Den Vereinen, nicht nur uns, werden die Sportstätten kostenlos zur Verfügung gestellt. Das ist in Zeiten knapper Kassen ganz sicher keine Selbstverständlichkeit. Daher an dieser Stelle noch einmal besten Dank.

Stichpunkte-Interview

„Aufstieg der Jugend wäre schön“

BVB in der Champions-League: Die Borussia braucht zwei gute Tage, dann liegen die Chancen für ein Weiterkommen gegen Paris St. Germain für mich bei „Fifty-Fifty“. Deutscher Meister: Trotz guter derzeitiger Platzierung des BVB und anderer Clubs tippe ich auf Bayern München. Die Elf hat am Ende meist den längsten Atem. Schiedsrichter: Die sind letztlich auch nur Menschen, die Fehler haben und machen dürfen. Ich habe noch keinen Unparteiischen öffentlich kritisiert. Kreisvorstand Unna/Hamm: Es gibt überhaupt keinen Grund für mich, etwas zu beklagen. Aufstiegschancen A-Junioren: Sehe ich bei 60:40 Prozent, wenn alles normal läuft. Da setze ich vor allem auf Akteure wie Tim Finkhaus und Paul-Fritz Schickentanz, die beide großes Talent haben. Ehrenamt: Es wird immer schwerer, Menschen für das Ehrenamt zu finden. Die Leute haben heute ganz einfach andere Interessen. Westfalia Herne: Die Insolvenz eines solchen Traditionsvereins macht deutlich, dass dort offensichtlich schlecht gewirtschaftet wurde. Es besteht immer die Gefahr, dass Sponsoren wegbrechen. Das muss einfach berücksichtigt werden. Zuschauerzahlen: Die könnten auch in der Oberliga natürlich immer besser sein, aber da sind die Amateurvereine ein Opfer des Profifußballs. Der spielt sonntags parallel und bindet einen Großteil der Fans vor dem TV oder in den Stadien.

„Ich freue mich über Spieler wie Nils Hoppe, Marcel Duve, Mirco Gohr oder Justin Pfaff.“
Günter Schütte

? Der Holzwickeder SC zählt was die Mitgliederzahl betrifft zu den größten Sportvereinen im Kreis Unna. Wie viele Mitglieder hat der Verein am Ende des Jahres 2019 ungefähr?

Der Holzwickeder SC besteht ja nicht nur aus der Fußballabteilung. Erfreulicherweise haben wir wieder eine Damen-Mannschaft, die allerdings in dieser Spielzeit nur Pflichtspiele bestreiten darf, dabei aber recht erfolgreich ist. Neben Fußball können wir bekanntlich eine große Abteilung Gesundheitssport anbieten, die im Kreis Unna sehr gut ankommt. Ferner haben wir neben der Radsportabteilung und Highlandsport in Zukunft noch die Abteilung Walking Football (Gehfußball) im Programm. Derzeit zählen wir etwa 1.700 Mitglieder im Verein, doch das variiert immer ein wenig.

? Abschließend noch die Frage zur Fusion: Es hat seinerzeit auch einige kritische Stimmen gegeben, wie sie in der Demokratie auch erlaubt sein müssen? Die sportliche Ehe, die die damalige SG Holzwickede und der HSV unter dem neuem Namen HSC im Sommer 2015 eingegangen ist, scheint zumindest für den Außenstehenden ein voller Erfolg zu sein. Wie ist Ihre Sichtweise?

Ich muss zugeben, dass selbst ich der Fusion damals zunächst auch erst ein wenig skeptisch gegenübergestanden habe. Allerdings hat es da im Jugendbereich schon gut funktionierende Spielgemeinschaften zwischen beiden Clubs gegeben, die haben mich dann überzeugt. Heute bin ich froh, dass es so gekommen ist. Ich freue mich über Spieler wie Nils Hoppe, Marcel Duve, Mirco Gohr oder Justin Pfaff, die aus unserem eigenen Nachwuchsbereich den Sprung ins Oberliga-Team geschafft haben. Auch ein Zeichen einer gelungenen Fusion.

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