Hans Humfeld: „Die Sonntagsspiele des DFB machen den Amateurfußball kaputt“

dzFußball

Der 78-jährige Hans Humfeld muss es ja wissen: Er arbeitet beim SSV Mühlhausen sonntags auch als Platzkassierer.

von Werner Hahn

Mühlhausen

, 10.06.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ein Ehrenamt zu bekleiden, egal auf welcher gesellschaftlichen Ebene auch immer, ist eine Tätigkeit, deren Wertigkeit von den Außenstehenden häufig unterschätzt wird. Eine solche Position bekleidet Hans Humfeld beim SSV Mühlhausen-Uelzen als Platzkassierer. Und die Arbeit macht dem 78-Jährigen - dem man sein Alter nicht ansieht - offensichtlich noch immer Spaß. Dass Hans Humfeld überhaupt in Unna und somit beim SSV gelandet ist, hat er seiner Bundeswehrzeit zu verdanken.

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„Ich habe 1961 meinem Grundwehrdienst in Hamburg-Bergedorf absolviert, bin dann in die Glückauf-Kaserne nach Unna-Königsborn versetzt worden“, erklärt der Funktionär. „Und wie das Leben dann so spielt. In Heeren habe ich 1962 dann meine Frau Brigitte, die leider viel zu früh verstorben ist, in einer Eisdiele kennengelernt. Das hat mich schließlich bewogen, hier sesshaft zu werden“, schildert der Mann, der aus Neumünster stammt, seinen weiteren Lebensweg.

Fang des HSV und von St. Pauli

„Nach dem Wehrdienst habe ich in meiner Eigenschaft als Molkereimeister einen Job in diesem Berufszweig in Iserlohn gefunden und auch geheiratet. Da wir damals in Nordlünern eine Wohnung gefunden haben, bin ich dann auf Vermittlung von Manfred „Männe“ Ellerkmann zum SSV Mühlhausen-Uelzen gekommen“, sagt der als Norddeutscher bekennende Fan des Hamburger Sportvereins, der aber auch dem Lokalrivalen FC St. Pauli durchaus Sympathien abgewinnen kann: „Mein erstes Fußballspiel für den SSV habe ich 1964 bestritten: Bei dem 2:2-Endstand sind mir die beiden Toren gegen den TSC Colonie per Kopf gelungen“, schaut der einstige Blondschopf lächelnd zurück.

Hans Humfeld ist beim SSV sonntags als Platzkassierer tätig.

Hans Humfeld ist beim SSV sonntags als Platzkassierer tätig. © hahn

„Aus familiären Gründen ging es dann von 1968 für sechs Jahre zurück in den Norden, ehe ich dann nach einem Zwischenstopp in Bochum wieder nach Mühlhausen-Uelzen zurückgekommen bin. Seit 1974 bin ich nun ununterbrochen Mitglied beim SSV, habe dann auch vorrangig in der Reserve und dann in der Alt-Herren-Mannschaft gespielt“, so Hans Humfeld weiter. „In der Alt-Herren-Mannschaft habe ich dann teilweise mit solchen Größen wie Reinhold Wosab, Heinz Libuda, Wim Donkervoort und Georg Rothermel gespielt. Zudem ließen sich selbst solche Stars wie ein Marcel Raducanu, der damals bei Borussia Dortmund unter Vertrag stand, schon einmal beim Training in der Halle an der Osterfeldschule sehen“, erinnert sich der Schleswig-Holsteiner.

Von der ersten Mannschaft enttäuscht

Natürlich hat Hans Humfeld die aktuelle Situation wie die Pandemie nicht vergessen. Besonders ärgert sich der Mann aus dem nördlichsten Bundesland, der sich in Westfalen indes pudelwohl fühlt, aber über die Verhaltensweise des Deutschen-Fußball-Bundes (DFB) und seinen anhängenden Gremien: „Die vielen Sonntagsspiele in der Bundesliga machen den Amateur-Fußball kaputt, da geht es nur noch um Kohle“, stellt der Vater zweier erwachsener Kinder immer wieder sonntags fest. Dann nämlich, wenn er die Zuschauer seines Vereins zu den Heimspielen in seinem Häuschen am Stadioneingang zur Kasse bittet. Apropos Häuschen: „Frieren muss ich dank einer Heizung im Winter nicht“, schmunzelt Hans Humfeld.

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Als Mitglied des erweiterten Vorstandes beim SSV Mühlhausen-Uelzen hält Hans Humfeld aber auch mit moderater Kritik an einigen Dingen nicht hinter dem Berg: So ist er über das Abschneiden der ersten Mannschaft in der Bezirksliga schon ein wenig enttäuscht: „Da hatten wir uns schon mehr versprochen“, macht er aus seinem Herzen keine Mördergrube. Auch das der Verein aktuell über keine eigene A-Junioren-Mannschaft verfügt, ist ihm ein Dorn im Auge. Zudem vermisst der Rentner im Verein die notwendigen Helfer: „Da haben die SG Massen und Blau-Rot Billmerich für mich eine Vorbildfunktion.“

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Mehr Freude bereitet Humfeld derzeit dagegen die zweite Mannschaft des Vereins. „Wenn die spielt, schaue ich gerne zu. Da hängt mein Herz dran“, sagt der Mann, der zu Peter Rentsch und den anderen Akteuren dieses Teams einen guten Kontakt pflegt. Gut ist auch die Verbindung zu Heinrich Kampmann, dem ersten Vorsitzenden des Mühlbachklubs. „Mit Heinrich habe ich früher schon einmal die A-Junioren betreut“, bemüht Humfeld einmal mehr die Vergangenheit.

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