Handball: Der siebte Feldspieler wird zum Streitpunkt

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Die Abschaffung der 7/6-Regel wird öffentlich diskutiert. Auch Trainer von heimischen Mannschaften können sich dafür nur wenig erwärmen.

Kreis Unna

, 17.07.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Beim Handball hat ein taktisches Mittel verstärkt Einzug gehalten: Um im Angriff eine Überzahl zu erreichen kann der Torhüter gegen einen siebten Feldspieler ausgewechselt werden, der noch nicht einmal, wie dies zuvor der Fall war, durch ein andersfarbiges Leibchen gekennzeichnet werden muss.

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Nach Ballgewinn rennt der Torhüter auf Anweisung seines Trainers dabei aus dem Tor, der Feldspieler darf dafür rein. Die Bilder sind sicher noch Erinnerung: Folgte dann ein Fehlwurf, hatte die gegnerischen Mannschaft mehrfach keine Mühe, ins leere Tor zu treffen, da der Torhüter es noch nicht wieder zwischen die Pfosten geschafft hatte.

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Jetzt haben die Bundestrainer Alfred Gislason (Männer) und Henk Groener (Frauen) diese 7/6-Regel thematisch aufgenommen. Sie fordern, die Regel wieder zu kippen. Das Spiel habe darunter gelitten, sei schlicht statischer geworden. Wie sehen dies heimische Trainer?

TuRa-Trainer Thomas Rycharski ist kein Freund der 7/6-Regel.

TuRa-Trainer Thomas Rycharski ist kein Freund der 7/6-Regel. © Thorsten Teimann

Für Thomas Rycharski ist die 7/6-Regel nicht mehr als ein notwendiges Übel. „Wenn Topvereine wie der THW Kiel den siebten Mann bringen, ist das für andere Mannschaften, die nicht so gut sind, eine harte Nummer in der Abwehr“, sagt der Coach des Oberligisten HC TuRa Bergkamen. „Ich selbst habe das schon mal genutzt, auch wenn ich kein Freund davon bin. Wir spielen in der Oberliga um den Klassenerhalt – da man muss gucken, wie man die Punkte kriegt. Das heute ist nicht mehr der Handball, wie er vor ein paar Jahren noch war, als in der Abwehr noch verschiedene Systeme gespielt wurden. Aber solange die Regel besteht, müssen wir sie auch anwenden – wenn beim 6:6 nichts geht, muss ich das als Trainer ja probieren.“

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Auch Mats-Yannick Roth, Trainer des Verbandsligisten SuS Oberaden, kann sich für die Regel nur wenig begeistern: „Ich bin in dieser Hinsicht eher konservativ, lasse das nicht regelmäßig spielen. Ich halte eben nicht viel davon, dem Gegner so die Chance zu geben, ohne großen Aufwand ein Tor zu erzielen. Sollte die Partie am Ende auf der Kippe stehen, könnte die Regel im Einzelfall OK sein. Doch selbst auf Profiniveau passieren Fehler. Ich habe damals bei der WM in Deutschland das Spiel zwischen Kroatien gegen Brasilien gesehen. Das hat Kroatien überraschend verloren, weil es bestimmt sieben oder acht Treffer ins leere Tor kassiert hat.“

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Für Jens Schulte-Vögeling hat die Regel in der Praxis bisher wenig Bedeutung gehabt. „Ich habe diese Diskussion natürlich mitbekommen, aber wir haben das eher selten praktiziert, weil die Gefahr zu groß war, Fehler zu machen und dann schnell das Vertrauen in das System verloren geht“, sagt der Trainer des RSV Altenbögge, der gerade mit seinem Team in die Verbandsliga aufgestiegen ist. „Bei Überzahlsituationen geht die Dynamik des Angriffsspiels total verloren, weil dann selten Konzepte gespielt werden – das ist kein ansehnlicher Handball mehr. Am Ende werden aber doch eher die Bundesligisten entscheiden, wie es mit der Regeln weiter geht.“

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