Gummi-Granulat gefährdet den Spielbetrieb

Fußball

Vereine und Kommunen warten bezüglich einer von der EU geplanten Richtlinie bei Kunstrasenplätzen die weitere Entwicklung ab. Das Gummi-Granulat bereitet Kopfschmerzen.

Kreis Unna

, 25.07.2019, 15:17 Uhr / Lesedauer: 2 min
Gummi-Granulat gefährdet den Spielbetrieb

Auch der Sportplatz des FC Overberge an der Hansastraße könnte vom EU-Verbot betroffen sein. © Marcel Drawe

Die von der Europäischen Union geplante Richtlinie zum Verbot von Mikroplastik ab 2022 könnte im heimischen Fußballkreis Auswirkungen für viele Kunstrasenplätze haben, die mit dem Gummi-Granulat als Unterlage ausgestattet sind. Damit scheint auch die sportliche Basis vieler Amateurvereine bedroht. Ganz so dramatisch sehen die Kommunen und Vereine vor Ort die Lage allerdings noch nicht.

Unnaer Sportausschuss tagt

In Unna gibt es vier Kunstrasenplätze, die alle mit dem betroffenen Gummi-Granulat ausgestattet sind. „Die Problematik kommt bei der nächsten Sportausschusssitzung im September auf die Tagesordnung“, sagt Ann-Christin Schumacher vom Unnaer SportService. Irgendwelche Maßnahmen wurden bisher noch nicht ergriffen. „Wir wissen ja wie die anderen auch nur, was wir bisher vom Städte- und Gemeindebund oder aus der Presse erfahren haben“, so noch einmal Schumacher. Die Halbplätze seien im Übrigen nicht betroffen. „Die sind mit Sand gefüllt.“

Kunstrasenplätze

16 Plätze im Kreisgebiet

Die Vereine aus dem Verbreitungsgebiet dieser Zeitung verfügen über insgesamt 16 Kunstrasenplätze. Ob die alle tatsächlich von dem Verbot betroffen wären, wird derzeit zum Teil noch überprüft. In Bergkamen gibt es fünf Kunstrasenplätze: im Nordberg, Römerbergstadion, Sportplatz an der Hansastraße, Schacht III, Häupenweg In Kamen: Jahnstadion, Sportplatz Heerener Straße, zwei Mal Gutenbergstadion (KSC und TSC), Jahnstraße In Holzwickede: Sportplatz an der Hauptstraße, Sportplatz Haarstrang In Fröndenberg: Ruhrkampfbahn, Brauerstraße in Frömern In Unna: Stadion am Mühlbach, Karlstraße in Massen, Sportplatz Kamener Straße, Sportanlage Unna-Süd In Bönen: Gibt es aktuell keinen Rasenplatz

In Kamen wird die Situation nach Auskunft des Sportamts derzeit überprüft, ob überhaupt alle fünf in der Stadt existierenden Plätze betroffen sind. Maßnahmen seien noch nicht ergriffen worden, da natürlich auch die weitere politische Entwicklung abzuwarten sei. Es würde aber daran gearbeitet, im Fall eines Verbots eine entsprechende Alternative zu haben. Vereine hätten sich bisher bezüglich des Granulats noch nicht gemeldet, um zu erfahren, wie sie sich verhalten müssen.

In der Tat hält sich das Interesse der Vereine noch in Grenzen. „Im Vorstand haben wir das bisher noch nicht zum Thema gemacht, werden es aber auf der nächsten Besprechung nachholen“, sagt Ulrich Eckei, Vorsitzender des BSV Heeren.

SV Langschede handelt bereits

Der SV Langschede hat sich mit der Thematik indes schon befasst. „Wir haben bereits einen Termin mit dem Hersteller unseres Kunstrasenplatzes, die Firma Domo aus Belgien, besorgt. Der findet im August statt und da wollen wir unter anderem auch über das Granulat und mögliche Ersatzmöglichkeiten sprechen“, sagt Marcus Gerke, Vorsitzender des Vereins. Vor elf Jahren hat der SVL seine Anlage in Eigenregie gebaut. „Wir prüfen derzeit, ob wir für eine Instandsetzung nicht eine Förderung vom LSB bekommen können.“ Gerke hat im Übrigen Verständnis für die EU-Richtlinie: „Im Sinne der Umwelt kann ich das durchaus nachvollziehen. Es gibt ja auch andere Möglichkeiten wie zum Beispiel Kork als Füllmaterial. Nur, kurzfristig ist das für die Vereine sicher nicht zu stemmen. Da muss einfach der Bestandsschutz gelten.“

In Bergkamen ist Sanierung geplant

Die Stadt Bergkamen hat sogar fünf Kunstrasenplätze im Stadtgebiet. Dort sind die beiden älteren Plätze am Schacht III in Rünthe und am Römerberg in Oberaden mit Sand befüllt, die drei neueren aus der Zeit von 2009 bis 2017 in Overberge, am Nordberg und in Weddinghofen allerdings mit Granulat, wie Bergkamens Kämmerer Marc Alexander Ulrich ausführt. Diese beiden Plätze in Rünthe und Oberaden sollten saniert werden und waren bereits in der mittelfristigen Finanzplanung berücksichtigt.

Fördermittel

Land NRW stellt Geld zur Verfügung

Der Kreissportbund (KSB) hatte erst vor wenigen Wochen darüber informiert, dass das Land Nordrhein-Westfalen für die Jahre 2019 bis 2022 insgesamt 300 Millionen Euro an Fördergeldern bereithält, um Sportvereine, die eigene Sportstätten besitzen oder langfristig gemietet haben, bei der Modernisierung zu unterstützen. Für den gesamten Kreis Unna sind dabei rund 5,5 Millionen Euro vorgesehen. „Aktuell können 129 Vereine einen Antrag auf Förderung stellen“, sagt KSB-Geschäftsführer Matthias Hartmann. Für die eigentliche Antragstellung der Vereine, die über die Stadtsportverbände der einzelnen Kommunen erfolgen soll, wird ab dem 1. Oktober das Fördermodul des Landessportbundes freigeschaltet. Ab dem 1. November wird auch die Antragsplattform der NRW-Bank freigeschaltet, die letztlich die Gelder bereitstellt. Möglich also, dass Vereine wie zum Beispiel der SV Langschede finanzielle Unterstützung beantragen können, um die Richtlinien der EU einhalten zu können - falls sie dann wirklich befolgt werden müssen, dann auch das scheint nicht sicher zu sein.

Das müsse nun aber erst einmal nach hinten gestellt werden, erklärt Ulrich. „Wir müssen nun mit einem Ingenieurbüro den Aufwand für eine ökologische Umgestaltung der anderen Plätze erstellen. Dadurch wird sich vermutlich eine neue Zeitplanung ergeben“, meint der Beigeordnete.

Das heißt, dass im Prinzip alle fünf Plätze saniert werden müssen und dafür gilt es nun erst einmal, die Kosten zu ermitteln. „Entschieden wird noch in diesem Jahr, in welcher Reihenfolge wir vorgehen“, ergänzt er.

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Handball
Auslosung für „Final Four“: Gegen diese Gegner will der Königsborner SV in den DHB-Pokal