Der Deutsche Handballbund will 5.000 Euro vom Verband Westfalen. Grund dafür: Während der Frauen-Weltmeisterschaft haben entgegen der Anordnung auf unteren Ebenen Spiele stattgefunden.

Kreis Unna

, 04.11.2018, 12:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das könnte ein klassisches Eigentor für den Deutschen Handballbund werden: Weil im Januar während der Frauen-WM in manchen Handballkreisen in den untersten lokalen Ligen vereinzelt Spiele ausgetragen wurden, will der DHB nun den Handballverband Westfalen (HVW) mit 5.000 Euro bestrafen. Doch der HVW wehrt sich. „Wir haben gegen den Strafbefehl des DHB-Präsidiums Einspruch beim Bundessportgericht eingelegt“, sagt der Unnaer Wilhelm Barnhusen, Präsident des Handballverbandes Westfalen.

Einspruch eingelegt

Denn die Empörung ist nicht nur beim HVW, sondern auch bei den lokalen Spielebenen - also den Handballkreisen - groß: Während die Bundesliga auch während der Frauen-WM spielen durfte, hat der DHB Spielverbote für die Landesverbände beschlossen, um die etwaigen Zuschauer stattdessen zu den WM-Spielorten zu locken.

Dass dies bei den ehrenamtlich organisierten Spielen aufgrund der vorgegebenen Hallensituation und der Dichte der noch vorhandenen Spieltage nicht immer möglich war und nun in dieser Art bestraft werden soll, löst bei Hunderten von ehrenamtlich tätigen Funktionären, Spielern und Trainern auf allen Ebenen nur Kopfschütteln aus.

Was sich für den DHB indes als besonders pikant herausstellen könnte: Der Handballverband Westfalen hat das vom DHB auferlegte Spielverbot an den WM-Tagen strikt beachtet. Barnhusen erläutert: „In den von uns verantworteten Ligen von der Landes- bis zur Oberliga hat kein einziges Spiel stattgefunden.“ Die vom DHB monierten - vereinzelten - Spiele fanden allesamt auf Ebene der lokalen Handballkreise statt, die als eingetragene Vereine über einen eigenständigen Spielbetrieb verfügen.

„Der Bescheid des DHB ist so“, sagt Barnhusen, „als ob Sie ein Strafmandat für ein falsch geparktes Auto eines Nachbarn bekommen, der in ihrem Haus wohnt.“

Vor der jetzigen sportrechtlichen Auseinandersetzung stand durchaus der Versuch der Westfalen, die Sache in gutem Einverständnis zu erledigen. „Wir haben mit allen Handballkreisen gesprochen und von dort wurde uns glaubhaft versichert, dass trotz der bekannten Ansetzungsproblemen auf den untersten Spielebenen, also

Sportgericht entscheidet

überwiegend im Jugendbereich, künftige Spielverbote beachtet würden. Und genau dies haben wir dem DHB auch mitgeteilt“, so der HVW-Präsident. Aber beim DHB wollte man von dieser sportlichen Zusage offenbar nichts wissen und kam gleich mit der Geldstrafenkeule. Jetzt wird die Sache also vor dem Sportgericht entschieden – dabei will man im Verband und in den Kreisen vor allem eines: Handball spielen.

„„Der Klage fehlt jegliche Grundlage“

Der Unnaer Wilhelm Barnhusen steht dem Präsidium des Westfälischen Handballverbandes vor. Die Sportredaktion unserer Zeitung sprach mit dem Funktionär, der auch schon als Trainer unter anderem des Königsborner SV und der damaligen HSG Unna/Lünern tätig war.

Wie soll es denn nun in Sachen „DHB-Sanktionen“ weitergehen?

Wir haben Widerspruch eingelegt und der wird nun vor dem Bundessportgericht verhandelt. Dabei lassen wir uns von Rechtsanwalt Helge-Olaf Käding, der sich mit Sportrecht bestens auskennt, vertreten.

Ist denn der Verband Westfalen der einizige, der mit einem Bußgeld belegt wurde?

Nein, neben uns sind es noch Niedersachsen, Niederrhein und Hessen. Andere Verbände wurden meines Wissens nach nur verwarnt.

Müssen die Kreise des Verbands Westfalen Konsequenzen befürchten?

Geldstrafe des DHB sorgt an der Basis für mächtig Ärger

Der Unnaer HVW-Präsident engagiert sich auch noch aktiv in der Nachwuchsarbeit.

Am 10. November haben wir eine Sitzung des erweiterten Präsidiums, an der auch die Kreisvorsitzenden teilnehmen. Die einzelnen Kreise sind im Übrigen gar keine Mitglieder im DHB. Wir sollen als Verband bestraft werden, obwohl auf unserer Ebene überhaupt keine Spiele durchgeführt wurden. Sippenhaft ist schon längst verboten. Der Klage des DHB fehlt damit jegliche rechtliche Grundlage.

Hat denn die Vorgabe des DHB, während der WM keine Spiele durchführen zu lassen, überhaupt Sinn?

In Westfalen hat damals gar kein WM-Spiel stattgefunden. Es ist doch wohl nicht anzunehmen, dass viele Zuschauer nach Magdeburg, Oldenburg oder Leipzig gefahren wären.

Wie erklärt sich denn die Höhe der möglichen Strafe? Wieso 5.000 Euro?

Die Statuten erlauben eine Höchst-Geldstrafe in Höhe von 20.000 Euro. Da hat der DHB einfach gemeint, 25% erheben zu können. Die Höhe der Strafe ist aber auch nicht entscheidend. Esgeht uns ums Prinzip. Wir wollen unbeschadet aus der Sache herauskommen.

„Wir sind dem Konflikt aus dem Weg gegangen“

Sebastian Elberg ist Vorsitzender des heimischen Handballkreises Hellweg. Auch er nimmt im „Fall des Spielverbots“ Stellung.

Muss der Kreis Hellweg eine Strafzahlung fürchten?

Nein, wir sind dem Konflikt mit dem DHB aus dem Weg gegangen und haben alle Spiele während der Frauen-WM verlegen können.

Machen denn diese Spielverbote Sinn?

Wenn jetzt in der Dortmunder Westfalenhalle etwas los gewesen wäre, vielleicht. Aber generelle Verbote sind eigentlich unsinnig, denn während einer WM stimmen wir Spielverlegungen der Vereine ohne Zusatzkosten ohnehin zu. Durch so ein generelles Spielverbot, wie es uns ja im Januar 2019 bei der Männer-WM wieder droht, kommt kein Mensch mehr in die Halle.

Haben Sie Verständnis für die Sichtweise des DHB.

Es ist keine Art und Weise, so mit den ehrenamtlichen Vorständen, die auf Kreisebene arbeiten, umzugehen. Der DHB entfernt sich immer mehr von der Basis. Wir sind schließlich diejenigen, die den Handball in der Breite organisieren.mf

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