Christa und Werner Herrmann vom TVG Kaiserau sind im betagten Alter sportlich aktiv. Als Funktionäre organisieren sie zudem das Hobby ihrer Mitmenschen und sehen dies keineswegs als Last an.

24.12.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Gemütlich setzt sich Christa Herrmann in den Strandkorb auf der Terrasse an der Mozartstraße in Methler. Dabei wirft die 84-Jährige mal eben sportlich-locker die Beine über das Knie ihres Mannes Werner. Die Hermanns sind bei diesem nass-grauen Wintertag sichtlich zufrieden. Und fit! Kein Wunder, denn Sport begleitet ihr ganzes Leben. Und der hat nicht nur die beiden in all den Jahren zusammengeschweißt, sondern auch viel gegeben. „Sport macht in der Gemeinschaft Spaß, ist gut für den Körper und fördert das soziale Miteinander“, sagt Werner Herrmann. „Wenn man einmal damit anfängt, kann man nicht mehr aufhören.“

„Nächstenliebe gehört mit dazu.“
Werner Herrmann

Der 78-Jährige muss es wissen, denn nach seiner aktiven Karriere als Läufer hat er sich sofort als Funktionär engagiert und ist seither viel für seine Mitmenschen im Einsatz. „Klar, Nächstenliebe gehört mit dazu. Als ich gelaufen bin, haben andere meinen Sport organisiert. Jetzt gebe ich das Engagement, was ich als Sportler erlebt habe, zurück.“

Zur Person

Sport-Sozialpreis

Christa Herrmann ist in Babelsberg geboren und lernte ihren Mann Werner beim Tanz in Dortmund-Hombruch kennen. Beruflich war sie früher in Oberhausen tätig. Werner Herrmann ist gebürtiger Dortmunder und studierte nach einer Schlosser-Ausbildung noch Maschinenbau. Nach seiner Tätigkeit bei der CEAG in Dortmund war er bei der Stadt Kamen als Haustechniker angestellt. Aus der Ehe gehen zwei Jungs und ein Mädchen hervor, die ihren Eltern mittlerweile sieben Enkel und zudem zwei Urenkel schenkten. Christa und Werner Herrmann wurden in diesem Jahr zudem mit dem Sport-Sozialpreis des Kreissportbundes Unna (UNion) ausgezeichnet, weil sie sich so stark im und für den Sport engagieren.

Und das ist einmalig – und vielfältig. Werner Herrmann ist aktiv im Stadtsportverband Kamen und Pressewart beim Stadtseniorenring. Hier organisiert er regelmäßig mit seiner Ehefrau Christa die beliebten Schwimmfahrten für die Senioren. 26 Jahre lang war er Vorsitzender des TV Germania Kaiserau, hilft heute noch beim Triathlon und beim Volkslauf mit. Beim Hellweg-Märkischen Turngau ist er für die Pressearbeit zuständig. Und es bleibt sogar noch Zeit für die Arbeit als Vorsitzender des Siedlerbundes Neukaiserau.

Prüfer und Aktive beim Sportabzeichen

Und andere Hobbys? „Nein, dafür haben wir gar keine Zeit“, lacht der Kamener. „Wir sind ja beide noch Sportabzeichen-Prüfer und legen auch immer noch das Deutsche Sportabzeichen selber ab“, berichtet er. „Wir sind immer in Bewegung. Nichts zu tun, das ist nicht unser Ding“, ergänzt Christa Herrmann. Mit 84 Jahren hat sie in diesem Jahr ihr 46. Sportabzeichen in Gold abgelegt. Als langjährige Leichtathletin und Turnerin erfüllt sie auch heute noch die altersgerechten Übungen erfolgreich. „Ich habe mein ganzes Leben lang Sport getrieben. Das hat mit Kinderturnen begonnen, Gerätturnen und später bin ich gelaufen – sogar zwei Mal einen Halbmarathon“, berichtet sie nicht ohne Stolz.

Dass es bei ihr in diesem Jahr wieder zum goldenen Sportabzeichen gereicht hat, ist schön, aber steht nicht im Vordergrund. Ihr Mann Werner hat „nur“ Bronze. Aber: „Das ist doch gar nicht wichtig. Wichtig ist, dass man regelmäßig dabei ist und in der Gemeinschaft aktiv. Es gibt leider allzu viele ältere Sportler, die gleich ganz aufhören, wenn sie nicht mehr das Gold-Abzeichen erreichen. Das ist schade.“ Auch Christa Herrmann hat dafür kein Verständnis: „Das ist falscher Ehrgeiz. Das Sportabzeichen mache ich doch nicht für die anderen, sondern für mich allein.“

Auf dem gleichen Platz wie die deutsche Nationalmannschaft


Dabei können sich gerade in Methler die Sportabzeichen-Absolventen nicht beschweren. Sie dürfen ihre Prüfungen da ablegen, wo ansonsten nur Barca-Star Messi oder die Deutsche Fußball-Nationalmannschaft auflaufen: auf dem „heiligen“ Trainingsplatz des Sport-Centrums Kamen-Kaiserau. Werner Herrmann hat sich vor Jahren höchstpersönlich dafür eingesetzt, dass das Deutsche Sportabzeichen in den Sommermonaten jeden Sonntag zwischen 10 und 11.30 Uhr auf der Anlage abgenommen werden darf. Und so sind Christa und Werner Herrmann dann sonntags auch meist in der Sportschule anzutreffen – im eigens gedruckten TVG-Prüfer-Shirt.

Für Christa und Werner Herrmann ist klar: „Wir werden bewegt älter“

Christa Herrmann absolvierte in diesem Jahr ihr 46. Sportabzeichen in Gold. © Teimann

So viel Ehrenamt wie beim Ehepaar aus Methler gibt es selten. „Ja, vor einigen Jahren haben wir ja auch noch Wanderungen geführt, aber die gibt es nun nicht mehr“, merkt Christa Herrmann an.

Sie weiß aber auch, dass immer mehr Sportvereine so ihre Probleme haben, ehrenamtliche Helfer zu finden. Es sei schwer, Mitmenschen für das Ehrenamt zu begeistern. „Viele haben da keinen Bock mehr“, sagt sie. Zwar könne man immer mal hier und da persönlich um Hilfe bitten, aber so richtig Verantwortung in einer Position möchte mittlerweile kaum noch jemand übernehmen“, sagt die jahrelange Übungsleiterin des TVG Kaiserau. Sie selbst hat schon mehrere Jugendfahrten in die Kamener Partnerstädte Montreuil-Juigne (Frankreich) und ins schwedische Ängelholm ausgerichtet. „Das waren immer schöne Erlebnisse und die strahlenden Kinderaugen geben einem ganz viel Dankbarkeit zurück. Diese Zeit möchte ich nicht missen.“

„Nichts zu tun, das ist nicht unser Ding.“
Christa Herrmann

„Wir sind aber auch beide mit viel Spaß bei der Sache“, weiß der TVG-Ehrenvorsitzende Werner Herrmann, der selbst lange Zeit auch die TVG-Fahrt auf die Nordseeinsel zum Sylt-Lauf organisiert hat. Platz für Nörgler ist nicht. „Negatives von den ständigen Kritikern, geht ins eine Ohr hinein und auf der anderen Seite auch gleich wieder hinaus“, macht er anderen Mut, den Weg ins Ehrenamt zu suchen.

Und so werden sich Christa und Werner Herrmann auch künftig nicht davon abhalten lassen, weiterhin im Sport aktiv zu sein – als Prüfer und aktive Athleten. Und dazu gehört auch das anschließende Päuschen im Strandkorb.

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