Einblicke in die Welt der Bundesliga-Schiedsrichter

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173 Unparteiische nahmen am diesjährigen Treffen aller Schiedsrichter des Fußballkreises Unna-Hamm teil. Lutz-Michael Fröhlich trat als Gastreferent auf.

von Michael Neumann

Kreis Unna

, 24.10.2018, 15:59 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das diesjährige Treffen der Schiedsrichter Kreis Unna/Hamm in der Rotunde der Sportschule Kaiserau war mit 173 Schiris sehr gut besucht.

Angesichts der großen Teilnehmerschar begrüßte ein launig aufgelegter Torsten Perschke (Vorsitzender des Kreisschiedsrichterausschusses= VKSA) die Anwesenden und meinte augenzwinkernd in Richtung Presse, dass er heute Abend nicht das Grundgesetz (Anspielung auf die Bayern-PK) zitieren wird. Andreas Thiemann (Vorsitzender Verbandsschiedsrichterausschuss Westfalen) dankte den Schiris für den wöchentlichen unermüdlichen Einsatz auf dem Platz und „lobte“ die Streitbarkeit des Kreisschiedsrichterausschusses zum Wohle seiner Schiedsrichter.

Nach der Totenehrung für die verstorbenen Franz Stehula sowie Helmut Wagner wurden zahlreiche Ehrungen für langjährige Tätigkeiten als „Neutraler Mann“ auf dem Platz durchgeführt. Dabei wurde die Überreichung der Medaille und Urkunde für den anwesenden Karl-Heinz Bronheim (Kamener SC) durch Standing Ovation seiner Kollegen begleitet. Er ist bereits seit 60 Jahren dabei.

Auch der ausgeschiedene Kreisschiedsrichterlehrwart Chris Nielinger wurde mit einem kleinen Geschenk verabschiedet. Seine berufliche Tätigkeit in Wuppertal lässt ein Ausüben seines Amtes nicht weiter zu, sein Nachfolger wurde Lukas Sauer.

Bevor der Gastrefernt Lukas-Michael Fröhlich das Mikrofon übernahm, stellte Perschke ihn vor: DFB-Schiedsrichter seit 1985, 200 Spiele in der 1. Bundesliga zwischen 1991 und 2002 sowie acht Jahre FIFA-Schiedsrichter.

Fröhlich erzählte: Nach seinem letzten Bundesligaspiel in Bielefeld habe er niemals Sehnsucht verspürt, wieder auf den Platz zurück zu kehren und er sei froh, zu einer Zeit gepfiffen zu haben, die technisch weniger präsent war als heutzutage. Zur Erinnerung: 2005 erhielt der Berliner den Fair-Play-Preis der Deutschen Sportjournalisten für die Rücknahme einer Gelb/Roten-Karte per Handschlag mit Michael Ballack nach einer offensichtlichen Fehleinschätzung von ihm. Mit seinen Aussagen trug er zudem wesentlich zur Enthüllung und Aufklärung des Wettskandals im Jahre 2005 bei.

Vortrag über den Videoassistenten

Bevor Fröhlich zum Hauptthema seiner Rede, dem Videoschiedsrichterassistenten, kam, sprach er den Geehrten großen Dank und Anerkennung von den Eliteschiedsrichtern in Deutschland aus. Der wöchentliche Einsatz der Schiedsrichter auf nationaler Ebene ist aktuell sein Tätigkeitsfeld und der wöchentliche Austausch mit dem Videoschiedsrichtern sei ihm sehr wichtig. Dieses geschieht nach jedem Spieltag in einer zweistündigen Telefonkonferenz. Nicht ohne Stolz vermerkt er, dass aktuell die Hälfte der Erstliga-Schiris noch keine vier Jahre mit dabei sind und einen hervorragenden Job machen. Die Einsatzplanungen werden auch erschwert durch die immer stärker steigenden Anforderungen auf internationaler Ebene, bei denen vier bis fünf Schiris pro Spieltag im Einsatz sind.

Auch die Elite-Schiedsrichter werden in einwöchigen Trainingslagern geschult, zudem wird dazu immer ein Buli-Trainer als Referent eingeladen. Dazu finden im Jahr ein bis zwei Treffen mit allen Trainern statt und es werden auch diverse Workshops mit den Clubs durchgeführt. Zudem wurde das Bewertungssystem der Schiris dahingehend geändert, dass die Schiedsrichter jetzt mehr gefördert, statt beobachtet werden.

Einblicke in die Welt der Bundesliga-Schiedsrichter

Lutz-Michael Fröhlich hielt einen Vortrag. © Neumann

Dass das Videoschiedsrichteramt auf Knopfdruck funktionieren würde, sei ein Irrglaube gewesen. Doch man befindet sich auf einem guten Weg und er würde nach Fröhlichs Einschätzung auch nicht mehr abgeschafft. „Es sind schon einige Probleme aus dem Weg geschafft worden. Aktuell wird intensiv an den teils vorherrschenden Kommunikationsproblemen gearbeitet. Dafür stützt man sich auf die Arbeitsweise von Piloten der Lufthansa, die auch in ihrem Cockpit eine klare Rollenverteilung haben. So soll dies auch beim Fußball umgesetzt werden. Doch weiterhin bleibt es wichtig, dass der Schiedsrichter sich klar als Entscheider auf dem Platz präsentiert“, so der Referent. Ein wenig süffisant bemerkte er zudem, dass Italien und Deutschland beim Videobeweis Fehler „ausprobieren durften“, von denen dann die FIFA bei der WM 2018 profitieren konnte.

Eine Frage aus dem Publikum bezüglich der Vorgehensweise bei Elfmetern beantwortete Fröhlich so, dass er sich durchaus vorstellen könne, dass in naher Zukunft bei der Elfmeterausführung ein anderes Szenario stattfinden könnte. Alle nicht beteiligten Spieler müssen sich nach seiner Einschätzung dann weit vom Strafraum entfernt aufhalten. Dank der nun vorhandenen skalierbaren Linien seien Abseitsentscheidungen für die Videoassistenten leichter zu treffen, Probleme bereiten teils noch verschiedene Zweikampfsituationen.

Der Austausch mit den heimischen Schiedsrichtern wurde intensiv geführt und so konnte Fröhlich am Ende einige Anregung mit nach Berlin nehmen.

Mit dem Schlusswort von Perschke endete ein sehr interessanter Abend. Aufgrund der anstehenden Wahl des Kreisschiedsrichterausschusses wird die nächste Zusammenkunft der Schiedsrichter bereits im Februar 2019 stattfinden. neu

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