DFB-Mediziner klärt auf, ob es möglich ist, sich auf dem Spielfeld mit Corona anzustecken

Amateurfußball

Wie wahrscheinlich ist es, dass sich Fußballer auf dem Feld mit dem Coronavirus anstecken können? Ein DFB-Mediziner klärt darüber in einem Interview auf – mit überraschenden Erkenntnissen.

Dortmund

, 04.10.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, sich auf dem Fußballplatz mit dem Coronavirus zu infizieren? Ein Mediziner klärt darüber auf.

Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, sich auf dem Fußballplatz mit dem Coronavirus zu infizieren? Ein Mediziner klärt darüber auf. © Stephan Schuetze

Seit März beschäftigt das Coronavirus auch die Amateurfußballer aus der Region. Nach dem vorzeitigen Saisonabbruch der vergangenen Spielzeit gibt es auch schon in der laufenden Runde immer wieder Corona-bedingte Spielabsagen in den jeweiligen Ligen.

Prof. Dr. Tim Meyer, Vorsitzender der Medizinischen Kommission des DFB und der Uefa, hat im Interview nun die Wahrscheinlichkeit einer Infektion eingeschätzt und weitere Tipps gegeben.

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Das Interview mit dem Mediziner veröffentlichte das Internetportal FUSSBALL.de auf seiner Homepage. Meyer findet klare Worte in dem Gespräch. Für ihn sei es sehr unwahrscheinlich, dass sich aktive Spielerinnen und Spieler auf dem Platz selbst mit dem Virus anstecken können.

Meyer im Gespräch mit FUSSBALL.de dazu: „Schon im Frühjahr gab es erste Analysen der DFL, aber auch eine Studie über Kontaktzeiten im Profifußball, die im Auftrag des Niederländischen Fußball-Verbandes KNVB durchgeführt wurde. Übereinstimmendes Ergebnis war, dass während des Fußballspielens die Dauer der engen Kontakte so kurz ist, dass es eigentlich auf dem Spielfeld kaum zu Infektionen kommen kann“, so Meyer, der zudem anführt, dass es sich beim Fußball eben doch nicht um eine reine Kontaktsportart handele. Vielmehr sei Fußball eine Sportart mit geringen Kontakten.

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Daneben minimiere die Tatsache, dass Fußball – zumindest während des normalen Meisterschaftsbetriebs – draußen auf dem Feld gespielt werde, das Ansteckungsrisiko. „Die Medizinische Kommission des DFB hat am 24. Juni 2020 in einer Stellungnahme die wesentlichen Punkte zusammengefasst und auf das geringe Ansteckungsrisiko beim Fußballspielen hingewiesen. Diese Punkte wurden auch bei der Erarbeitung des DFB-Leitfadens ,Zurück ins Spiel‘ berücksichtigt“, sagt Meyer in dem Interview.

Komplette Entwarnung, was das Fußballumfeld betreffe, gibt der Mediziner aber nicht. Meyer betont, dass sich Spieler auf dem Spielfeld sehr wahrscheinlich nicht anstecken können, weist aber darauf hin, dass dies nicht auf den Bereich außerhalb des Spielfeldes zutreffe. „Es sind Fälle von Ansteckungen bei Mannschaftssitzungen in geschlossenen Räumen, aber auch bei anderen Besprechungen in geschlossenen Räumen bekannt. Offensichtlich wurden bei diesen Fällen die Hygiene- und Abstandsvorgaben nicht beachtet“, sagt Meyer, der sich für die Einhaltung der Hygienemaßnahmen ausspricht.

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„Außerhalb des Spielfeldes müssen die Hygienestandards konsequent umgesetzt werden! Bei allen Begegnungen von Menschen muss dem Coronavirus aktiv präventiv begegnet werden. Und das gilt auch im Fußballumfeld, zum Beispiel in Besprechungs-, Umkleide- oder Duschräumen sowie der Vereinsgastronomie. Hält man sich nicht daran, und es treten Infektionsfälle auf, müssen die Gesundheitsämter Konsequenzen ziehen“, sagt Meyer in dem Interview.

Bei Symptomen: Kontakte reduzieren

Der Mediziner weist außerdem darauf hin, dass Spieler, Trainer und weitere Fußball-Funktionäre beim Auftreten von Symptomen den Kontakt zu anderen Menschen „auf ein unvermeidbares Minimum“ reduzieren. „Das heißt, wer Symptome bei sich feststellt, und seien sie auch noch so leicht, muss zu Hause bleiben.“

Diese Sensibilität sei gerade bei jungen Menschen wichtig, da es bei ihnen passieren könne, dass die Symptome nur sehr gering ausgeprägt seien, sagt Meyer.

Wissenschaftliche Belege für die Aussagen Meyers gebe es allerdings noch nicht. Der Mediziner ist allerdings optimistisch, dass die Medizin schon bald erste Ergebnisse präsentieren könne.

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Meyer: „Wir arbeiten aktuell an verschiedenen wissenschaftlichen Untersuchungen, um weitere Erkenntnisse zum Thema zu gewinnen.“

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