„Der Wunsch, Schiedsrichter zu werden, wurde mir in die Wiege gelegt“

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Thorsten Milde hat es als Schiedsrichter bis in die Oberliga geschafft. In einem Interview verrät der 31-Jährige, was ihn für sein anspruchsvolles Hobby motiviert.

von Werner Hahn

Holzwickede

, 15.11.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Er ist einer jener Schiedsrichter, die sich kontinuierlich nach oben gearbeitet haben. Thorsten Milde heißt der Mann, der aus dem Fußballkreis Unna/Hamm mit Beginn dieser Saison 20/21 den Sprung als Referee in die Fußball-Oberliga-Westfalen geschafft hat.

Ein Erfolg, der dem jungen Spielleiter ganz sicher nicht einfach so zugeflogen ist. Seine sportliche Karriere begann für Thorsten MiIde übrigens als Kicker beim SV Afferde, ehe er mit 14 Jahren seine Vorliebe für das Schiedsrichterwesen entdeckte. In einem Gespräch mit der Sportredaktion verrät Milde einige Details aus seiner Karriere als Unparteiischer und seine Sichtweise zu anderen aktuellen Themen der Gegenwart.

Herr Milde, vorab angesichts des Corona-Virus die wohl wichtigste Frage: Wie ist aktuell das gesundheitliche Befinden bei Ihnen, sind sie von dem Virus verschont geblieben?

Toi, Toi, Toi: bislang bin ich davon verschont geblieben. Beruflich arbeite ich teilweise im Home-Office, was sicher ein großer Vorteil ist. Nur nach dem Pokalspiel der IG Bönen gegen den VfL Kamen wurde mir ein wenig flau, weil ein Akteur gespielt hatte, bei dem der Verdacht auf eine Infektion bestand, was sich zum Glück aber nicht bewahrheitet hat. Andererseits ist der unmittelbare Kontakt des Schiedsrichters zu den Spielern sehr selten, es sei denn, er muss einmal eine Ansage machen.

Wo wir bei der Pandemie sind, die wohl alles in Atem hält. Wie sind ihre sportlichen Betätigungen in dieser Phase, zumal ja aktuell kein Spielbetrieb möglich ist?

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Das ist in der Tat nicht sehr schön. Es fällt ja nicht nur der Fußball flach, auch in ein Fitnessstudio zu gehen ist bekanntlich derzeit nicht möglich. Wir Schiedsrichter müssen uns in dieser Zeit halt mit Laufen und gymnastischen Übungen fit halten, anders geht es leider nicht.

Sie haben in der aktuellen Spielzeit 20/21 den Sprung als Schiedsrichter in die Oberliga Westfalen geschafft, eine große Umstellung für Sie?

Es ist schon eine sehr große Umstellung, ob ich ein Landesligaspiel oder eines in der Oberliga pfeife. In dieser immerhin fünften Liga hat man es schon mit ganz anderen Charaktären zu tun. Teilweise mit Spielern, die schon in der Regionalliga oder sogar in der Dritten Liga gespielt haben, die einen das manchmal auch spüren lassen. Man muss dann schon die richtige Reaktion zeigen, dann aber gibt es kaum Probleme.

Im Spiel von Westfalia Herne gegen Erndtebrück haben Sie den Herner Keeper Jan Fauseweh nach einer Unsportlichkeit des Feldes verwiesen, wie war die Reaktion von deren Trainer Christian Knappmann, der ja als Heißsporn bekannt ist?

Man weiß als Schiedsrichter schon, mit wem man es in den Spielen mit welchen entsprechenden Trainern zu tun bekommt. Im angesprochenen Spiel in Herne gab es an der Berechtigung der Roten Karte gegen den Torwart keinen Zweifel. So sah es wohl auch Christian Knappmann, der sich ausgesprochen ruhig verhalten hat, das übrigens während der gesamten Partie. So schlecht kann meine Leistung also nicht gewesen sein.

Ab Landesliga gehen die Spiele immer in einem Gespann über die Bühne, also Schiedsrichter und zwei Assistenten an der Linie, ändert sich diese personelle Konstellation von Spiel zu Spiel?

Ja, das ändert sich von Spiel zu Spiel. Am liebsten arbeite ich mit Lukas Sauer und Joel Stieghorst an der Linie zusammen. Wir kennen uns schon sehr lange. Aber das lässt sich häufig nicht so leicht umsetzen. Im Oberligaspiel in Herne hat die Zusammenarbeit mit Jens Jeromin und Holger Danielsiek, zwei erfahrene Leute, aber auch sehr gut geklappt.

Sie haben sich nach und nach in die oberen Ligen in Westfalen gearbeitet, sehen Sie Chancen, noch weiter aufzusteigen?

Auch in hitzigen Momenten muss Thorsten Milde (li.) stets die Ruhe bewahren.

Auch in hitzigen Momenten muss Thorsten Milde (li.) stets die Ruhe bewahren. © hahn

Es ist eher unwahrscheinlich. Um noch höher zu kommen, bin ich mit meinen 31 Jahren wohl schon zu alt. Der Deutsche Fußball Bund setzt da mehr auf junge Leute. Chancen, um als Schiedsrichter höher zu kommen, gibt es vielleicht im Futsal, wo der DFB ab der Saison 2021/2022 eine Bundesliga beschlossen hat.

Für viele Zeitgenossen ist es ein Segen, für die anderen ein Fluch - der Videobeweis. Wie ist da Ihre Meinung, auch wenn der im Amateurbereich nicht zur Anwendung kommt?

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Eine gute Frage. Grundsätzlich ist der Videobeweis aus meiner Sicht eine gute Einrichtung. Aber das passt manchmal noch nicht so richtig, wie das erst beim Bundesligaspiel des FSV Mainz gegen Schalke 04 einmal mehr deutlich wurde. Da ist für mich noch keine richtige Struktur erkennbar.

Junge Schiedsrichter stehen häufig unter Beobachtung. Werden Sie in diesem Fall im Vorfeld der zu leitenden Partie informiert. Kommt es bei den Spielen zu einem Gespräch mit diesem Personenkreis?


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In der Oberliga steht der Schiedsrichter eigentlich immer unter Beobachtung. Der entsprechende Beobachter stellt sich vor den jeweiligen Spielen immer vor, sodass daraus kein Geheimnis gemacht wird. Somit ist auch immer die Möglichkeit gegeben, dass der Schiedsrichter aus dieser Liga wieder absteigen kann, wenn die Leistung nicht stimmt.

Wie sind Sie denn zum Schiedsrichter gekommen, sind Sie dabei in irgendeiner Form beeinflusst worden?

Ich habe, wie bereits erwähnt, in der Jugend beim SV Afferde gespielt. Habe da aber bereits meine Vorliebe für den Schiedsrichter-Job gespürt, seinerzeit schon gern mit der Fahne an der Linie gestanden. Mit 16 Jahren habe ich als Jugendlicher schon mein erstes Seniorenspiel geleitet. Nach und nach habe ich mich dann hochgearbeitet. Mit 18 habe ich schon in der Bezirksliga pfeifen dürfen. Mit 22 Lenzen wurde ich in der Landesliga eingesetzt. Mit 28 in der Westfalenliga und jetzt mit 31 wie bekannt in die Oberliga. Ich glaube der Wunsch, Schiedsrichter zu werden, wurde mir in die Wiege gelegt.

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