Billmerichs „Jockel“ Schmidt: „Wir möchten nicht jedes Jahr die Mannschaft austauschen“

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BR Billmerich is back. Die Blau-Roten aus dem Waldstadion mischen in der neuen Saison höchstwahrscheinlich wieder in der A-Kreisliga mit. Mit kleinen Mitteln, soll großes erreicht werden.

von Ulrich Eckei

Unna Billmerich

, 01.06.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen hat vorgeschlagen, dass die Saison im Amateurbereich abgebrochen werden soll. Die endgültige Entscheidung fällt nun bei dem am 9. Juni stattfindenden Verbandstag. Es soll nur Auf- und keine Absteiger geben. Das würde bedeuten, dass BR Billmerich im Spieljahr 2020/2021 als A-Kreisligist an den Start gehen wird. Unsere Redaktion sprach mit Jürgen „Jockel“ Schmidt, dem Sportlichen Leiter, über die Situation.


Wie bewerten Sie diesen Vorschlag?

Sollte die Entscheidung am 9. Juni so sein, freuen wir uns natürlich, wieder in der Beletage der Kreisliga spielen zu dürfen. Gerne hätten wir die Meisterschaft und den Aufstieg sportlich in 30 Meisterschaftsspielen festgemacht. Wir waren aktuell mit einem Spiel weniger drei Punkte hinter dem führenden TSC Kamen II. Unsere Vorbereitung auf die Rückrunde war sehr gut und viele Langzeitverletzte standen wieder zur Verfügung. Wir, der Vorstand, Trainer und der Mannschaftsrat haben einstimmig für den Abbruch der Saison gestimmt. Auch die Entscheidung, den Herbstmeister und aktuellen Führenden in den Ligen aufsteigen zu lassen, finde ich sehr gut. Es wird keine Absteiger geben und somit sollten wohl fast alle Vereine damit leben können. 100 Prozent geht nicht, aber damit ist man nah dran.

„Unser Naturrasen im Wald ist in einem sehr guten Zustand und wartet darauf, bespielt zu werden.“
Jürgen Schmidt, BR Billmerich

Am 8. März hat ihr Team letztmalig beim TSC Kamen (1:1) eine Begegnung bestritten. Wie halten die Spieler seit diesem Zeitpunkt Kontakt und wann wird im Waldstadion wieder trainiert?

Natürlich war es in den vergangenen Monaten nicht möglich, eine Sitzung abzuhalten oder einen zünftigen Mannschaftsabend zu verbringen. Aber dank der heutigen Kommunikationstechniken, stehen die Teams mit ihren Trainern ständig in Kontakt. Die Spieler sind schon angehalten, etwas für die Fitness zu machen. Aber im Gegensatz zum bezahlten Fußball, können wir nur an die Jungs appellieren, sich im eigenen Interesse fit zu halten. Spätestens zum Start der Vorbereitung zur nächsten Saison, wann immer die Saison beginnt, werden wir sehen, wer aktiv unterwegs war. Wir sind dabei, ein Hygienekonzept zu erstellen, welche Maßnahmen wir ergreifen müssen, um den Anforderungen gerecht zu werden. Es wird auch davon abhängig sein, wann denn wirklich die Saison 2020/2021 losgeht. Unser Naturrasen im Wald ist in einem sehr guten Zustand und wartet darauf, bespielt zu werden.

Flurim Ramaj BR Billmerich

Flurim Ramaj trainiert BR Billmerich auch in der neuen Spielzeit. © neumann

Seit dem 9. März verbucht auch BR Billmerich aufgrund der nicht stattfindenden Spiele nur wenig Einnahmen. Wie geht es Ihrem Verein finanziell?

Bei uns fehlen schon aus den Veranstaltungen wie das Osterfest, voraussichtlich das Oktoberfest oder der Verkauf im Kiosk an den Spieltagen die Einnahmen. Alle unsere Übungsleiter haben beginnend mit dem Lockdown im März auf ihre Aufwandsentschädigungen verzichtet. Vor zwei Jahren hieß es, dass unsere Sportanlage aus Kostengründen geschlossen werden sollte. Doch dank breiter Unterstützung und vieler Initiativen konnten wir die Entscheidung abwenden und haben den Platz gepachtet. Aber das heißt für uns auch, in Eigenregie die Pflege und Instandhaltung übernehmen und für die Kosten aufzukommen. Durch unseren Sponsorenpool „Club100+“, bestehend aus Vereinsmitglieder, Gönner des Vereins und Unternehmen, verfügen wir über die Mittel, diese Ausgaben zu kompensieren. Wir kommen über die Runden, können uns aber auch nicht viel erlauben. Übrigens freuen wir uns über jedes neue Mitglied im Club 100+. Infos gibt es dazu auf unserer Homepage www.brb1912.de.

Jürgen Schmidt BR Billmerich

Jürgen "Jockel" Schmidt ist Sportlicher Leiter bei BR Billmerich. © BRB


Hat der Trainerstab schon verlängert und wie sieht es im personellen Bereich aus? Gibt es schon Zu- und Abgänge?

Von unserem Trainer der ersten Mannschaft, Flurim Ramaj, haben wir bereits Anfang des Jahres die Zusage für die Saison 2020/2021 bekommen. Wir sind mit ihm sehr zufrieden. Er macht einen guten Job, ist im Verein voll integriert. Die Mannschaft zieht mit, das passt sehr gut. Wir haben, bis auf einen Spieler, von allen anderen die Zusage, zu bleiben. Das ist eine ohnehin erfreuliche Entwicklung, die wir in den letzten Jahren hatten. Viele kommen zu uns, um in eine der beiden Seniorenmannschaften zu spielen, dagegen stehen immer nur wenige Akteure, die unseren Verein verlassen. Auf den Punkt gebracht, wer kommt, der bleibt. Für die nächste Saison konnten wir bereits Manuel Schultz von der SG Massen verpflichten. Für unsere zweite Mannschaft suchen wir aktuell noch einen Trainer. Ralf Frommholz hat fünf Jahre die Reserve trainiert. Aus einer Schießbude der Liga hat Ralf eine Mannschaft geformt, die immer unter den ersten fünf Teams der Kreisliga D die Saison beendet hat. Die zweite Mannschaft besitzt die Qualität, um um die Meisterschaft mitzuspielen. Wer also Interesse an einem Trainerjob hat, bitte mit uns Kontakt aufnehmen.


Falls Ihr Verein aufsteigen sollte, wird sicherlich eine Eingruppierung in die A2 erfolgen. In dieser Liga haben in den vergangenen Wochen viele Vereine namhafte Verstärkungen getätigt. Wie beurteilen Sie die Leistungsstärke in der A2?

Die Kreisliga A2 ist und bleibt eine starke Liga, auch wenn der KSV und TSC Kamen nach oben in die Bezirksliga gehen. Das macht die Liga attraktiv. Es gibt Vereine, die fast täglich Neuzugänge melden. Darunter sind dann schon namhafte Verstärkungen aus höheren Ligen dabei. Aber mittlerweile gibt es einige Vereine in der Kreisliga, die gehen ebenfalls den Weg, den wir bevorzugen. Wir können und möchten nicht jedes Jahr die Mannschaft austauschen. Wir setzen auf Kontinuität und unsere Spieler wissen das zu schätzen. Für unsere zwei Mannschaften haben wir so viele aktive Spieler, dass man fast eine dritte Mannschaft aufmachen könnte. Interessant in der Kreisliga sind die vielen Lokalderbys und als Außenseiter kann man mal für die ein oder andere Überraschung sorgen, wenn es um ein Spitzenteam geht.

„Wir möchten uns etablieren, was schon mit den verfügbaren Mittel nicht einfach ist.“
Jürgen Schmidt

Was trauen Sie Ihrem Team zu, falls es zum Aufstieg kommen sollte?

Unser Ziel ist es, in der Kreisliga A nicht abzusteigen. Das wäre ein Riesenerfolg und würde uns einen Schritt weiterbringen. Wir möchten uns mittelfristig in der Kreisliga A etablieren. Was schon mit den verfügbaren Mittel nicht einfach ist.

In der Bundesliga wird seit zwei Wochen wieder gespielt. Wie finden Sie diese Begegnungen ohne Zuschauer?

Es ist schon wichtig für die Profiligen, dass die Saison zu Ende gespielt wird. Keiner möchte, dass viele Vereine in die Insolvenz gehen müssen. Volle Stadien und tolle Stimmung, das gehört zu einem Fußballspiel. Aktuell ist die Atmosphäre der Spiele,wie bei einem Freundschaftsspiel im Wintertrainingslager. Aber es ist eine Chance, dass weltweit die Bundesliga verfolgt und sie populärer wird. Grundsätzlich besteht die Hoffnung, dass sich diese überhitzte Branche endlich mal abkühlt. Die Entscheidungsträger im Verein und die Profis gegenüber den Fans sich ihrer Verantwortung mehr bewusst sind.

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