Frauen-Erstligist EC Bergkamen hat es geschafft, sich mit einer Spielerin aus den USA zu verstärken. Und Alyssa Mae Wohlfeiler macht in der Tat den Unterschied.

Bergkamen

, 21.10.2018, 14:28 Uhr / Lesedauer: 4 min

Klar, US-Girls gibt es schon lange in der deutschen Eliteliga - und auch immer wieder beim EC Bergkamen. In der Vorsaison erst erzielte Hayley Ann Masters das ein oder andere Tor für die heimischen Bärinnen. In dieser Spielzeit steht Alyssa Mae Wohlfeiler aus Santa Clarita (nördlich von Los Angeles) für das heimische Team auf dem Eis und versprüht am Häupenweg das Flair internationaler Klasse.

Die 29-jährige Amerikanerin bringt einiges an Fachwissen mit, hat sie selbst doch schon als Assistenz-Coach bei der Frauenmannschaft der University of Boston in der Eishockey-Division III gearbeitet. Darüber hinaus spielte sie in verschiedenen Mannschaften stets auf hohem Niveau Eishockey. 2011 ist sie zur wertvollsten Spielerin ihres Teams gewählt worden.

„Wir sind schon ein wenig stolz, dass sie den Weg nach Bergkamen gefunden hat. Alyssa ist die Klasse anzumerken, sie ist spielerisch noch besser, als die US-Mädchen die zuvor bei uns waren. Sie ist eine Klasse für sich“, freut sich Ilona Pollmer, die Vorsitzende des EC Bergkamen sichtlich über die Verstärkung aus Übersee. Schon kurz nach Saisonstart zählt die US-Amerikanerin zu den fünf besten Top-Scorerinnen der Liga.

Den „Big Deal“ hat vor allem Torfrau Jule Flötgen eingefädelt. Die 26-Jährige spielte zuletzt selbst in Schweden in Lingköping und auch beim Göteborg HC. Die Torfrau schwärmte vom familiär geführten EC Bergkamen und pries ihr aktuelles Team förmlich an. Alyssa Mae Wohlfeiler konnte gar nicht mehr „No“ sagen und entschied sich für Westfalen.

Und auch in Deutschland dreht sich alles für das US-Girl um Hockey. „The Bears“ seien in der Tat ein äußerst familiär geführter Verein, freut sie sich. „Ich mag es besonders, dass hier so viele junge Spielerinnen die Möglichkeit erhalten, in der höchsten deutschen Klasse Erfahrung zu sammeln. Das ist nicht bei jedem Club so.“ Die beiden Bärinnen Pauline Gruchot und Lea Badura sind 2003 geboren und zählen zu den jüngsten Spielerinnen im Bergkamener Kader. Die zweite Torfrau Anastasia Wirt ist gerade einmal ein Jahr älter.

Als Trainerin auf dem Eis

Und mit jungen Menschen kann die 29-Jährige sehr gut umgehen. In ihrer Zeit in Deutschland arbeitet sie zeitweise in der Gesamtschule Bergkamen, hilft in der Hausaufgabenbetreuung, im Sportunterricht und selbstverständlich mit ihrer Sprache. Bei den Kids kommt sie gut an.

Selbst in ihrer freien Zeit steht sie auf dem Eis - umgeben von Jugendlichen. Zusammen mit Claudia Weltermann - hier wohnt die amerikanische Eishockeyspielerin auch - trainiert Wohlfeiler den Nachwuchs des Königsborner JEC. Der KJEC hat bekanntlich am Häupenweg seine neue Heimat, nachdem die Eishalle Unna dicht ist.

Play-Offs sind das Ziel

„Bei den Jugendlichen und Kindern steht sie hoch im Kurs“, erkennt Teamkollegin Claudia Weltermann immer wieder. „Die wissen, dass sie schon in Amerika, Kanada und Schweden in den höchsten Ligen gespielt hat und nehmen sich gerne die Tipps von Alyssa zu Herzen.“ Für den US-Gast ist es zudem eine willkommene Abwechselung. „I love to exercise with the Kids“, erklärt die US-Trainerin mit einem sympathischen Lächeln. Immerhin war sie ja auch schon in den Staaten als Coach im Einsatz - wenn auch bei Damenmannschaften.

An Deutschland liebt sie vor allem das durchstrukturierte Leben. „Hier geht alles zivilisiert zu, es sieht alles nach einem durchdachten Plan aus - im Leben und im Sport“, erinnert sie sich an ihre Zeit in der Schweiz, wo sie beim HC Lugano aufgelaufen ist.

Ziel mit dem EC Bergkamen ist es, am Ende der Saison den vierten Platz zu erreichen und damit die Teilnahme an den Play-offs zu realisieren. Danach geht es wieder zurück nach Kalifornien. Immerhin hat Alyssa Mae Wohlfeiler „criminal justice“ studiert und will nach ihrer Eishockey-Karriere in den Polizeidienst eintreten.

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Eishockey-Spiel EC Bergkamen gegen ERC Ingolstadt
21.10.2018
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EC Bergkamen - Ingolstadt.
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EC Bergkamen - Ingolstadt, hier Kira Kanders in Aktion.
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: EC Bergkamen - Ingolstadt
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EC Bergkamen - Ingolstadt, Pauline Gruchot
(li) in Aktion. Foto: Wagner© awa
ECB-Trainer Robert Bruns© awa
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EC Bergkamen - Ingolstadt. Trainer Robert Bruns
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EC Bergkamen - Ingolstadt. Alyssa Mae Wohlfeiler
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EC Bergkamen - Ingolstadt. Alyssa Mae Wohlfeiler
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EC Bergkamen - Ingolstadt. Alyssa Mae Wohlfeiler
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EC Bergkamen - Ingolstadt. Alyssa Mae Wohlfeiler
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EC Bergkamen - Ingolstadt. Trainer Robert Bruns
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Wieder ein Sieg und eine Niederlage für die „Bärinnen“

Die Bärinnen vollzogen im Vergleich zum letzten Wochenende leistungstechnisch eine 180°-Kehrtwende. Sie hatten die Gäste am Samstag im ersten Spiel von der ersten Minute an im Griff. Doch: Nach einer fragwürdigen Zeitstrafe für ECB-Kapitänin Michelle Lübbert kamen die Audi-Städterinnen ziemlich unverhofft zur 0:1-Führung. Das warf die Bärinnen für ein paar Minuten aus der Bahn. Doch als sie wieder in die Spur gefunden hatten, übernahmen sie wieder das Zepter. Im Sport kommt es aber manchmal anders als man es erwartet. Das nächste Tor fiel wieder für die Gäste.

Alyssa Mae Wohlfeiler verstärkt den EC Bergkamen.

Pauline Gruchot (li.) versucht hier, an den Puck zum kommen. © awa

Im zweiten Drittel lief es besser. Es dauerte jedoch bis zur 34. Spielminute, ehe Michelle Lübbert den Anschlusstreffer für ihre Farben erzielte. Auch im Schlussabschnitt gingen die ECB-Damen nicht vom Gas. Weiterhin erspielten sie sich eine Vielzahl sehr guter Möglichkeiten. In der 51. Spielminute war es endlich soweit, Celina Belo erzielte den viel umjubelten Ausgleich. In den letzten zehn Minuten traf der ECB sogar noch den Pfosten, hatten dann am Ende aber Glück, als die Ingolstädterinnen plötzlich mit drei Stürmerinnen auf Verteidigerin Mona Schneck und Torfrau Jule Flötgen zuliefen und die Bergkamener Torfrau ihr Team mit einer Riesenparade die Verlängerung rettete.

In der fünf minütigen Verlängerung im Modus 3-gegen-3 ging dann alles ganz schnell. Allysa Wohlfeiler lief vom Bulli weg alleine auf das gegnerische Tor und vollstreckte eiskalt zum viel umjubelten und hochverdienten Siegtreffer für die heimischen Bärinnen, die den Sieg ausgiebig mit den Zahlreichen Zuschauern feierten.

Am Sonntag dann ein völlig anderes Spiel. Die Bärinnen kamen überhaupt nicht in die Partie. Ingolstadt ging nach einer halben Stunde in Front. Die ECB-Damen mühten sich, hatten auch Chancen, doch Zählbares sprang nicht heraus. Besser machte es der Gast, der drei Minuten vor dem Ende zum 2:0 traf.

Statistik Spiel Samstag: Flötgen, Wirt - Schneck, Graeve, Florian, Badura, Weltermann, Schröder, Belo, Kanders, Blase, Gruchot, Lübbert, Becker, Ziegenhals, Schwamborn, Hahn, Wohlfeiler

Tore: 0:1 (12.), 0:2 (19.), 1:2 (34.) Lübbert, 2:2 (21.) Belo, 3:2 (61.) Wohlfeiler

Statistik Spiel Sonntag: Flötgen, Wirt - Schneck, Schröder, Graeve, Badura, Weltermann, Florian, Belo, Kanders, Blase, Gruchot, Lübbert, Becker, Ziegenhals, Schwamborn, Hahn, Wohlfeiler

Tore: 0:1 (29.), 0:2 (57.)

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Hellweger Anzeiger Eishockey
Mit gestärktem Selbstvertrauen treten die „Bärinnen“ am Wochenende bei diesem Gegner an