Sturz bei der Weltmeisterschaft und vorzeitiger Abflug aus den USA: Unnas Bobpilotin Laura Nolte erlebte ein wahrlich spektakuläres Saisonende im Bob-Zirkus.

Unna

, 10.04.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Weltmeisterschaft in Altenberg sollte der abschließende Saisonhöhepunkt für Bobpilotin Laura Nolte aus Unna werden. Ein Sturz im Eiskanal ließ die WM-Träume aber jäh zerplatzen. Ein anschließendes Testtraining auf der Bobbahn im amerikanischen Lake Placid musste vorzeitig Hals über Kopf wegen des Coronavirus abgebrochen werden. Zurück im beschaulichen Unna spricht die 21-jährige Deutsche Meisterin mit unserer Sportredaktion über ein spektakuläres Saisonende im Bobsport.

Nach den Höhen und Tiefen der Saison, wie geht´s Ihnen jetzt?

Danke der Nachfrage, es geht mit auch in dieser Corona-Zeit gut, ich bin gesund und verbringe aktuell die Zeit bei meiner Familie in Unna. Hier gibt es einiges zu tun. Durch die vielen Reisen im Bob-Zirkus ist einiges liegengeblieben, ich räume viel auf. Wegen Corona kann ich derzeit auch nicht studieren, ein geplantes Praktikum muss ich wohl verschieben und ein Lehrgang bei meinem Arbeitgeber, der Bundeswehr, wurde abgesagt.

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Mit Blick auf die Saison: Sind Sie enttäuscht oder zufrieden?

Naja, bei der Weltmeisterschaft in Altenberg im eigenen Land hatte ich mir schon mehr erhofft. Der Kreisel hat mich mal wieder geschafft, hier bin ich gestürzt und das war´s dann. Die anschließende Woche war nicht leicht, jetzt ist aber alles wieder gut. Ich mache mir nichts vor: Der Weltcup ist doch klasse gelaufen. Ein Sieg, zwei Silber- und eine Bronzemedaille sind für ein Debüt echt stark. Das alles ist ein wichtiger Teil des Prozesses, der mir helfen wird, zu wachsen. Alles in allem bin ich einfach so dankbar über all die Erfahrungen, die ich gemacht habe und ich denke, dass ich stolz darauf sein kann, wie meine erste Weltcup-Saison gelaufen ist.

„Bei der Junioren-WM wäre ich schon gerne gestartet, das wäre cool gewesen.“
Laura Nolte, Bobpilotin

Sie hätten ja in Winterberg noch Junioren-Weltmeisterin werden können?

Ja, das stimmt. Da wäre ich gerne gestartet, das wäre auch cool gewesen. Aber ich habe auch die Trainerentscheidung verstanden, die deutsche Pilotin Kim Kalicki starten zu lassen, damit sie den vierten Startplatz für die WM in Altenberg holt. Das ist ihr ja auch gelungen, die Rechnung ging auf. Ich würde mich auf der anderen Seite auch darüber freuen, wenn mir eine solche einmal eingeräumt wird.

Überglücklich: Im französischen La Plagne holte Laura Nolte zu Jahresbeginn ihren ersten Sieg im Weltcup. Anschieberin Deborah Levin herzt ihre Pilotin nach der Zieldurchfahrt.

Überglücklich: Im französischen La Plagne holte Laura Nolte zu Jahresbeginn ihren ersten Sieg im Weltcup. Anschieberin Deborah Levin herzt ihre Pilotin nach der Zieldurchfahrt. © privat

Im Weltcup sind Sie abwechselnd mit drei Anschieberinnen gefahren!

Ja gut, das ließ sich nicht ändern. Eigentlich war alles mit Deborah Levi geplant, mit der ich in La Plagne auch den ersten Weltcup-Sieg eingefahren habe. Wir verstehen uns bestens, waren vor Corona sogar noch gemeinsam in Lissabon. Doch eine fiebrige Krankheit warf sie zurück. So fuhr ich dann mit Erline Nolte und später Ann-Christin Strack. Zur WM sollte Debbie wieder in den Schlitten springen, aber das Fieber erwischte sie erneut. Sie hatte sogar sicherheitshalber einen Corona-Test machen lassen.

Entscheiden Sie eigentlich selbst, wer Ihren Schlitten in Fahrt bringt?

Ja, am Ende liegt die Entscheidung bei mir, aber es gibt im Vorfeld immer intensive Diskussionen mit den Trainern. Als Deborah Levi krank war, hatte Erline Nolte aus Schwerte eine entsprechende Ruhephase gehabt, und hatte gegenüber Anni Strack leichte Vorteile. Ansonsten sind beide gleich gut, denke ich. Schließlich hatte Anni wieder ihre Chance. Dass Debbie ausgefallen ist, hat mir zunächst den Boden unter den Füßen weggerissen. Siue ist ansonsten immer meine Bezugsperson bei den Wettkämpfen.

„Das Risiko, in den USA zu bleiben und später nicht mehr abreisen zu können, war uns zu groß.“
Laura Nolte, Bobpilotin

Nach der WM in Altenberg ging es noch einmal zum Training nach Lake Placid (USA). Wie war es?

Die nächste WM ist im kommenden Jahr in Lake Placid und da bot es sich an, ein paar Trainingsläufe auf der Bahn zu absolvieren. Das hat ganz gut geklappt. Dann aber musste unser fast 40 Personen umfassender Tross abrupt abreisen.

Was ist denn passiert?

Die Corona-Krise hatte nun auch die USA erfasst und Präsident Trump kündigte das Einreiseverbot an. Das Risiko, im Land zu bleiben und später nicht mehr abreisen zu können, war uns zu groß. Da haben wir nach dem Donnerstag-Training alle Sachen eingepackt und verladen und sind ins kanadische Montreal gefahren, wo am Freitag unser Flug in die Heimat ging. Am Samstag, 14. März, waren wir wieder in Deutschland. Schlechter sah es bei der rumänischen Mannschaft aus, die erst 14 Tage später ihre Heimreise antreten durfte.

Corona verfolgt Sie auch in Deutschland, wie trainieren Sie derzeit?

Ich improvisiere - wie alle Sportler aktuell - zu Hause. Da passiert viel mit Eigenkörpergewicht und Laufen. Es wäre schon toll, wenn wir ab Mai wieder das Training im Kraftraum oder auf der Tartanbahn aufnehmen können. Dann wäre alles noch im Zeitplan, doch leider ist ja alles dicht. Richtig los mit den Wettkämpfgen geht es m September mit den Anschubmeisterschaften.

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