„300 gehaltene Bälle sind ein super Wert“

dzHandball

Nikolas Katsigiannis blickt auf eine ordentliche Bundesliga-Saison zurück. Der Sportredaktion stand der Bergkamener für ein Gespräch zur Verfügung.

von Mats-Yannick Roth

Bergkamen

, 24.06.2019 / Lesedauer: 4 min

Der professionelle Handball-Torwart, der seit 2016 zum zweiten Mal beim HC Erlangen unter Vertrag steht, gehörte auf seiner Position in der abgelaufenen Spielzeit zu den besten Spielern seiner Zunft. Die drittmeisten Torwartparaden (311), am drittmeisten Siebenmeter gehalten (21), am meisten Bälle gegen Außenspieler gehalten (58): Schon die offizielle Statistik belegt die starke Performance des ehemaligen 36-jährigen Nationalspielers in 2018/2019. Die Sportredaktion dieser Zeitung hat mit dem Keeper, der in Bergkamen aufgewachsen ist und unter anderem auch für den SuS Oberaden zwischen den Pfosten stand, über seinen persönlichen Blick auf die Saison in der HBL, eine Einschätzung seiner Leistungen und seine weiteren Pläne mit dem HC Erlangen gesprochen.

? Herr Katsigiannis, vor etwa zwei Wochen ist die Bundesliga-Saison mit dem wohl spannendsten Abstiegsfinale aller Zeiten zu Ende gegangen. Wie haben Sie die letzten Wochen in der Meisterschaft erlebt, die Sie letztlich auf dem neunten Tabellenplatz abgeschlossen haben?

Vor der Saison hat der Verein die Zielsetzung ausgegeben, einen einstelligen Tabellenplatz zu erreichen und 30 Punkte zu holen. Mit dem 28:27-Auswärtssieg in Stuttgart am letzten Wochenende haben wir beides erreicht und sind somit in erster Linie froh, beides erreicht zu haben. Ein bisschen haben wir uns geärgert, dass wir die 30 Punkte nicht schon vorher im letzten Heimspiel gegen Melsungen geschafft hatten [24:25-Niederlage, Anm. d. Red.].

? Was bedeutet dieser neunte Tabellenplatz am Ende für den Verein?

Es ist schon interessant zu sehen, wie sich der Verein allmählich verändert. Die Ambitionen und Erwartungen sind eigentlich kontinuierlich gestiegen, was ja sehr positiv ist. In diesem Jahr sind alle zufrieden, weil wir die Zielsetzungen erreichen konnten. Im nächsten Jahr visieren wir dann Platz 8 an. Ich finde es immer gut, wenn du dir so hohe Ziele setzt. Es wird allerdings eine sehr große Herausforderung, da in dieser Saison Mannschaften wie Leipzig oder Hannover mit Sicherheit unter ihren Möglichkeiten geblieben sind.

? Beim Blick nach ganz unten in der Tabelle entschied sich erst in buchstäblich letzter Minute, dass die Eulen Ludwigshafen sensationeller Weise noch den Klassenerhalt gegen Gummersbach und Bietigheim schafften. Wir haben Sie den Abstiegskampf wahrgenommen?

Wir haben zeitgleich in Stuttgart gespielt, sodass man davon zunächst nicht viel mitbekommt. Unser Spiel war allerdings eher zu Ende. Als wir dann die Info bekommen haben, dass es Ludwigshafen tatsächlich noch geschafft hat, waren wir erst einmal alle baff.

? Wenn wir uns die Ergebnisse des HC Erlangen aus dieser Saison anschauen fällt auf, wie sehr viele enge und umkämpfte Spiele es gab, die Unentschieden oder mit einem Tor Unterschied für eine Mannschaft ausgingen. Spricht das für die Ausgeglichenheit in der HBL?

Ja, auf jeden Fall. In unserem Falle ist dabei positiv, dass dabei eine Entwicklung zu sehen ist. Wir haben in der letzten Saison viele dieser Spiele am Ende knapp verloren, die wir in diesem Jahr knapp für uns entscheiden konnten.

? Aus Ihrer Sicht: Was waren in dieser Saison der größte Erfolg und der größte Misserfolg für den HC Erlangen?

„300 gehaltene Bälle sind ein super Wert“

Zuletzt hatte der Bergkamener Torhüter Nikolas Katsigiannis (re.) mehrfach Grund zum Jubeln. © picture-alliance/ dpa

Der Start in die Saison verlief alles andere als gut. Da waren einige dumme Niederlagen bei und nach sechs Spieltagen hatten nur die Eulen Ludwigshafen weniger Punkte als wir. Der Start war absolut frustrierend, auch wenn es der Spielplan auch nicht unbedingt gut mit uns gemeint hat. Es ist in der Bundesliga sehr schwierig, sich aus so einem Negativtrend wieder herauszufighten. Aber wir haben im Laufe der Saison dann echten Charakter bewiesen und uns aus dieser Situation befreit. Besonders positiv waren in der Rückrunde natürlich das Unentschieden gegen die Rhein-Neckar Löwen und der Heimsieg gegen den SC Magdeburg. Solche Spiele geben unheimlichen Auftrieb.

? Sie selbst gehörten zu den großen Konstanten beim HC Erlangen. Wie fällt die persönliche Saisonbilanz aus?

Für mich ist immer das Allerwichtigste, dass ich verletzungsfrei durch die Saison komme. Das hat geklappt, ich habe in jedem Spiel auf der Platte gestanden. Die Zahlen waren richtig gut für mich, über 300 gehaltene Bälle in der Saison sind ein super Wert. Für mich persönlich war es daher sicher eines der besten Jahre in der Bundesliga.

? Was sind Ihre weiteren Ambitionen für das kommende Jahr? Mit Carsten Lichtlein bekommen sie eine neuen prominenten Gespannpartner in den Klub.

Unser Verein setzt auf zwei erfahrene Torhüter, das war ja zuletzt auch schon so. Ich kenne Carsten noch aus meiner Zeit bei der Nationalmannschaft. Er ist schon ein positiv verrückter Typ und ich freue mich auf die gemeinsame Zeit. Ansonsten will ich gerne so weitermachen wie in diesem Jahr. Ich habe das Ziel, bis 40 auf dem Niveau zu spielen, wenn die Knochen halten. Es macht halt immer noch total viel Spaß. Es ist einfach schön, wenn sich die ganze harte Arbeit in der Saison auszahlt.

? Wie geht es in der Saisonpause genau weiter?

Am 30. Juni kehre ich aus dem Urlaub zurück. Am 1. Juli starte ich dann mit meinem individuellen Vorbereitungsprogramm. Mannschaftlich nehmen wir die Vorbereitung am 10. Juli wieder auf.

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