Wird es in der evangelischen Kirche am Markt in Selm einen Weihnachtsgottesdienst geben. Die Landeskirche hat sich dagegen ausgesprohen. © Arndt Brede
Gottesdienste

Weihnachtsgottesdienste in Selm absagen? Presbyterium entscheidet heute

Das Bistum Münster bleibt dabei: Auch im Lockdown soll es Gottesdienste geben. Die evangelische Landeskirche hat dagegen empfohlen, alles abzusagen. Die Gemeinden sind hin- und hergerissen.

Mittwoch (16.12.) ist der Tag eins des bundesweiten Lockdowns. Die Evangelische Kirche von Westfalen hat sich an diesem Tag an die Öffentlichkeit gewandt mit einem Appell, alle Gottesdienste und sonstige Versammlungen bis zum 10. Januar ausfallen zu lassen trotz gültiger Hygienekonzepte. Es sei „ein Gebot der Vernunft, auf Versammlungen von Menschen möglichst zu verzichten, um Menschen nicht zu gefährden“. Ob sie sich diesem Appell anschließen, müssen die 465 Mitgliedsgemeinden aber selbst entscheiden. Eine davon ist die evangelische Kirchengemeinde in Selm.

Noch könne sie nicht offiziell Stellung nehmen dazu, sagt Pfarrerin Antje Wischmeyer am Nachmittag. Am Abend, ab 19 Uhr, trete das Presbyterium zusammen. „Danach sehen wir weiter.“ Aber das verrät sie doch: „Ich bin hin- und hergerissen.“ Ähnlich geht es auch ihrem katholischen Kollegen, Pfarrer Claus Themann – allerdings unter anderen Voraussetzungen.

Katholische Kirche hält an Gottesdiensten fest

Das Bistum Münster hatte am Mittwoch dazu erklärt: „Wir respektieren die Empfehlung der Evangelischen Kirche von Westfalen. Andere evangelische Landeskirchen halten dagegen an der Feier von Präsenzgottesdiensten fest. Das tun wir auch im Bistum Münster.“ Niemand handele fahrlässig. Die Gesundheit der Menschen zu schützen, sei zentrales Ziel.

Ganz wohl ist es den Gemeindevertretern vor Ort nicht mit den unterschiedlichen Schlussfolgerungen, die die übergeordneten Organisationen der beider Kirchen gezogen haben. „Ich wünschte mit eine einheitliche Regelung“ sagt Pfarrer Themann. Denn etwas Bauchschmerzen bleibe, wenn Menschen zusammenkommen in Zeiten der Pandemie. Obwohl sich die katholische Kirchengemeinde ohnehin sehr beschränke.

Ab jetzt nur noch ohne Gesang

Überall sonst werde eine Kirchenbank freigelassen“, sagt er. In St. Ludgerus Und St. Stephanus werde nur jede dritte Bank besetzt. Statt 650 beziehungsweise 300 Menschen fänden nur jeweils 80 Einlass – aus maximal 40 Haushalten. Wer mitfeiern will, muss sich vorher anmelden. Neu ist seit Mittwoch, dass auf Gemeindegesang – bislang nur leise und mit Mundschutz – ab jetzt im gesamten Bistum komplett verzichtet werde.

Dass die Unsicherheit, was richtig ist, nicht nur bei den Verantwortlichen ist, sondern auch bei Gemeindemitgliedern, zeigen Gespräche, wie Themann sagt. „Bei uns melden sich inzwischen auch Leute wieder ab, die zunächst noch zum Weihnachtsgottesdienst kommen wollten.“

Pater Gregor Pahl, Pfarrer der katholischen Gemeinde von Cappenberg und Langern, hat die Entscheidung der evangelischen kirchlichen Behörden überrascht, wie er sagt: „Ich halte die Absprachen mit der Landesregierung für verantwortungsbewusst und umsetzbar.“

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Leiterin des Medienhauses Lünen
Leiterin des Medienhauses Lünen Wer die Welt begreifen will, muss vor der Haustür anfangen. Darum liebe ich Lokaljournalismus. Ich freue mich jeden Tag über neue Geschichten, neue Begegnungen, neue Debatten – und neue Aha-Effekte für Sie und für mich. Und ich freue mich über Themenvorschläge für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen.
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Sylvia vom Hofe
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