Ein besonderes Erinnerungsfoto: Aaron Craig (2. v.l.) im Gespräch mit Prinz Philip. Begegnungen zwischen den beiden gab es viele. © Aaron Horstmann-Craig
Englisches Königshaus

Tod von Prinz Philip weckt Erinnerungen beim Ex-Leibgardisten der Queen

Prinz Philip ist tot, der Mann, der 73 Jahre lang mit der Queen verheiratet war. Einer, der ihn persönlich kannte und schätzte, ist Aaron Horstmann-Craig aus Cappenberg.

Der Prinz und die Gardesoldaten. Dieses Foto hat Aaron Horstmann-Craig sofort zu Hand, ohne lange zu suchen. Dabei ist es 32 Jahre alt. Das spricht nicht nur für ein gut geführtes Archiv. Der 51-jährige Fotograf aus Cappenberg hat auch eine persönliche Verbindung zu der Aufnahme. Denn der Mann, mit dem Prinz Philip spricht auf dem Bild, ist kein anderer als Craig selbst – damals noch in Uniform und in einem anderen Leben.

Aaron Horstmann-Craig fühlt sich in Cappenberg zuhause.

Der Tod des Duke of Edinburgh, so Prinz Philips offizieller Titel, am Freitag (9. 4.) hat Craigs Erinnerungen wieder wach werden lassen. Vergessen waren sie nie. „Das Foto“, sagt er, „entstand 1989“. Damals war er 20 Jahre alt und sein blaublütiges Gegenüber 68. Ihr beider Alter war aber Nebensache bei der Aufnahme, denn es ging wie so oft um die Frau, die für sie eine zentrale Rolle spielte: Elizabeth II..

Prinz Philip spricht Helmut Kohl als Reichskanzler an

Die Queen feierte an diesem Tag im Juni 1989 ihren 63. Geburtstag. Dass sie eigentlich am 21. April geboren wurde, störte dabei noch nie jemanden. Das ist eben so in Großbritannien gute Sitte: Statt im regnerischen April lässt sie sich im sonnigen Juni hochleben, damit auch möglichst viele ihrer Untertanen, insbesondere auch Militärangehörigen wie Aaron Craig, den Tag genießen können. Denn das Highlight an diesem wie an jedem anderen zweiten Samstag im Juni ist „Trooping the Colour“: Die Königsfamilie zeigt sich auf dem Palast des Buckingham Palast und nimmt die Militärparade ab. Aaron Craig brauchte damals nicht nach oben auf den Balkon schauen. Er traf die königliche Familie aus der Nähe – nicht nur an diesem Tag.

Prinz Philip war wegen seiner pointierten Sprüche bekannt. Manche sagen auch berüchtigt. Dass der Mann, der fließend deutsch sprach, Bundeskanzler Helmut Kohl 1997 auf der Hannover-Messe als „Reichkanzler“ begrüßte, ist nur ein Beispiel unter vielen. Aaron Horstmann-Craig hat ihn als einen Gesprächspartner ganz anderer Art erlebt.

Aaron Horstmann-Craig: „Er war immer sehr direkt“

„Er war immer direkt“, sagt Craig. Auf dem Foto, das weiß er noch genau, habe er sich nach den Einsätzen und den Erfahrungen von Craig und dessen Kameraden von der Garde erkundigt: Dinge, von denen er etwas verstand, wie der inzwischen 51-Jährige sagt. Der Gemahl der Königin habe sich nicht nur mit hohen militärischen Titeln geschmückt: Lord High Admiral des Vereinigten Königreichs, Admiral of the Fleet der Royal Navy, Field Marshal und Marshal of the Royal Air Force. „Er kannte sich wirklich aus.“ Entsprechend groß ist die Anteilnahme des Militärs: Am Samstagmittag wurden in zahlreichen britischen Städten und auf Kriegsschiffen Kanonensalven abgefeuert.

Aaron Horstmann-Craig, der seit fast 20 Jahren in Deutschland lebt, kennt Prinz Philip nicht nur in Uniform und bei offiziellen Anlässen. Als Mitglied der Garde, die die königlichen Residenzen bewacht, hat er die königliche Familie auch privat erlebt – zumindest auf Schloss Windsor, dem Familiensitz. „Da kamen eigentlich alle fast täglich bei mir vorbei.“

Queen mit Kopftuch und Regenjacke

Craig war die Leibwache der 2002 verstorbenen Queen-Mum und Kletter-Lehrer von Prinz William. „Die Queen trug Regenjacke und Kopftuch“, erzählt er. Und auch Prinz Philip hat sich, wie in den vielen Nachrufen heute zu lesen ist, zeitlebens nie viel von Äußerlichkeiten gemacht. 2008 habe er, schreibt die Süddeutsche Zeitung, seinem Schneider ein paar Hosen zum Ändern gebracht, die er schon 50 Jahre vorher getragen hatte.

Als Soldat der Garde musste Craig strammstehen und mit ausdruckslosem Gesicht geradeaus schauen. Später hat er junge Kollegen ausgebildet und selbst Auslandseinsätze erlebt, etwa in Bosnien und im Golfkrieg. Da einen Mann an der Seite der Königin zu sehen, der wusste, was militärische Verantwortung bedeutet und der trotzdem alberne Witze reißen konnte, hatte Craig immer gefallen. Und nicht nur ihm. Prinz Philip galt laut einer Umfrage von 2020 als fünftbeliebtestes Mitglied des britischen Königshauses – direkt hinter seiner Tochter Anne und deutlich vor seinen Söhnen Charles und Andrew sowie auch vor Enkel Harry.

Ehemaliger Gardesoldat hat sich neu erfunden als Fotograf

Das Leben als Teil der Queen`s Guard liegt inzwischen hinter Aaron Horstmann-Craig. Großbritannien ebenfalls. Heute ist der Vater von zwei Töchtern Cappenberger. Und er hat in seinem zweiten Leben sein Hobby zum Beruf gemacht: die Fotografie. Inzwischen ist er Fotografen-Meister, hat den BA-Studiengang Fotografie an der Fachhochschule Dortmund absolviert und inzwischen auch seine Masterarbeit abgegeben. Inzwischen plant er seine Promotion. Sich in der zweiten Lebenshälfte noch einmal komplett neu erfinden: Für Prinz Philip, Spross des deutsch-dänischen Hauses Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg kam das nie in Frage.

Er stand seit 73 Jahren an der Seite seiner Frau: ihre „Stärke und Stütze“, wie sie mehrfach sagte. Und ihr Ratgeber, der sie immer auch zum Lachen bringen konnte und bei offiziellen Anlässen immer zwei Schritte hinter ihr blieb: eine Rolle, mit der er sich arrangiert hatte, wie eine der vielen Prinz-Philip-Anekdoten zeigt: Auf einer Wohltätigkeitsveranstaltung fragte der Gatte der Queen einen Bahnarbeiter nach dessen Aufstiegschancen. „Da müsste schon mein Boss sterben“, antwortete der Arbeiter. Prinz Philip antwortet: „Genau wie bei mir.“ Ein Scherz, über den auch Aaron Horstmann-Craig immer wieder schmunzeln kann., Erst recht, wenn er dieses alte Foto in der Hand hält.

Über die Autorin
Leiterin des Medienhauses Lünen
Leiterin des Medienhauses Lünen Wer die Welt begreifen will, muss vor der Haustür anfangen. Darum liebe ich Lokaljournalismus. Ich freue mich jeden Tag über neue Geschichten, neue Begegnungen, neue Debatten – und neue Aha-Effekte für Sie und für mich. Und ich freue mich über Themenvorschläge für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen.
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Sylvia vom Hofe
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