Der Schlachtbetrieb aus Selm hatte am Freitag geschlossen. © Goldstein
Schächtungsvorwürfe

Tierschutzorganisation erstattet Anzeige gegen Schlachtbetrieb aus Selm

Eine Tierschutzorganisation hat Anzeige gegen einen Schlachtbetrieb aus Selm erstattet. Es geht um illegales Schächten. Noch ist nichts bewiesen. Das Veterinäramt zieht erste Konsequenzen.

Ein Schlachtbetrieb aus Selm hat am frühen Donnerstagabend (18. März) Besuch vom Veterinäramt des Kreises bekommen. Wegen des „begründeten Verdachts des illegalen Schächtens von Rindern und Schafen“ sei der Betrieb vorsorglich geschlossen worden, heißt es vom Kreis Unna. Nach Abstimmungen mit dem Landwirtschafts- und Verbraucherschutzministerium sowie dem Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) hatte der Kreis Unna die Schlachtungen erst einmal untersagt.

Dass es sich um einen Betrieb aus Selm handelt, bestätigt Kreissprecher Volker Meier auf Anfrage. Einen Namen nennt der Kreissprecher aus Datenschutzgründen aber nicht. Nach Informationen unserer Redaktion handelt es sich aber um das Schlacht- und Fleischzentrum Prott.

In einer Pressemitteilung, die am Donnerstagabend vom Kreis veröffentlicht wurde, heißt es, dass es sich um einen kleinen Schlachtbetrieb handele. „Dort werden monatlich circa 100 Schafe und Rinder regulär mit Betäubung unter amtlicher Überwachung geschlachtet. Das Unternehmen beliefert den Einzelhandel im Dortmunder Umfeld.“

Kreis sichtet Videomaterial

Meier erklärt, dass der Kreis von einer Tierschutzorganisation am Donnerstag Videomaterial erhalten habe, das zeigen soll, wie Tiere in dem entsprechenden Betrieb illegal geschächtet worden sind. Das bedeutet, dass sie ohne Betäubung geschlachtet wurden. Das Video ist illegal entstanden. Die Tierschützer haben also ohne Erlaubnis und im Geheimen ihre Aufnahmen gemacht.

Das Videomaterial, das das Kreisveterinäramt erhalten habe, umfasse zwei Stunden, gerade werde es noch ausgewertet. Der Kreis sah akuten Handlungsbedarf: „Es war aber sehr schnell klar, dass wir aufgrund des gesehenen Materials tätig werden können“, sagt Meier. „Es wird noch entschieden, ob strafrechtlich vorgegangen wird“, sagt der Kreissprecher. Zudem prüft das

Landesamt für Umwelt- und Verbraucherschutz (LANUV), ob die Voraussetzungen für einen Entzug der hygienerechtlichen Zulassung des Schlachtbetriebes vorliegen, wie die Behörde gemeinsam mit dem Kreis Unna mitteilte.

Fleischerei aus dem Selmer Industriegebiet

Das Fleischzentrum Prott machte noch am Donnerstagabend auf Facebook publik, dass der Verkauf am Freitag und Samstag geschlossen bleibe. „Alle Bestellungen werden abgesagt.“ Einen Grund nannte das Unternehmen dort nicht. Am Freitagnachmittag war der Post gelöscht.

Ein Zettel weist auf die Schließung hin. Gründe werden aber nicht genannt. © Goldstein © Goldstein

Auch am Eingangstor der Schlachterei im Selmer Industriegebiet war am Freitagmorgen ein Zettel angebracht, der auf die Schließung und die Facebook-Seite hinweist. Wer Fragen hat, könne bei einer Handynummer anrufen. Wer das tut, erreicht eine Mitarbeiterin. „Ich habe die Anweisung, nichts zu sagen“, sagt diese. So hält es dann auch Hubert Prott. „Fragen Sie doch das Veterinäramt im Kreis Unna“, sagt er auf die Frage, ob der Betrieb am Vortrag vom Veterinäramt geschlossen worden sei. Zu den Vorwürfen selbst möchte er keinen Kommentar abgeben.

Henner Kruse, Sprecher bei der Staatsanwaltschaft in Dortmund, erklärt auf Anfrage, dass am Donnerstag eine Anzeige per Fax eingegangen sei. Auch die Staatsanwaltschaft habe das Videomaterial erhalten, das auch dem Kreis schon vorlag. Es sei eine Strafanzeige gegen die Inhaber sowie gegen Mitarbeiter (diese aber gegen unbekannt) gestellt worden. Die Vorwürfe lauten auf Verstoß gegen das Tierschutzgesetz. Das ist allerdings noch keine Bestätigung dafür, dass die Vorwürfe stimmen oder gar von der Dortmunder Staatsanwaltschaft ermittelt werden wird. „Wir prüfen jetzt, ob Ermittlungen eingeleitet werden“, erklärt Kruse.

Über die Autorin
Redakteurin
Ich bin neugierig. Auf Menschen und ihre Geschichten. Deshalb bin ich Journalistin geworden und habe zuvor Kulturwissenschaften, Journalistik und Soziologie studiert. Ich selbst bin Exil-Sauerländerin, Dortmund-Wohnerin und Münsterland-Kennenlernerin.
Zur Autorenseite
Sabine Geschwinder

Unna am Abend

Täglich um 18 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.

Meistgelesen