Viele Hundeliebhaber beobachten, dass sich ihre Vierbeiner ohne den Kontakt mit ihre Artgenossen anders verhalten als normalerweise. © dpa
Hundeerziehung

Selmer Hundetrainerin sieht illegale Hundetreffen als Lockdown-Folge

Beim Hundeverein Selm dürfen Halter wegen des Lockdowns nicht mit den Tieren trainieren. Doch Hunde brauchen soziale Kontakte. Illegale Zusammenkünfte sind die Folge, meint die Vorsitzende.

jSeit mehreren Monaten steht beim Hundeverein Selm der Betrieb still. Der coronabedingte Lockdown untersagt Treffen in kleinen Gruppen an der frischen Luft. Darunter leiden die menschlichen Mitglieder und deren Hunde. Denn während den Kindern weiterhin Bildung in Form von Online- und Präsenzunterricht angeboten wird, fällt das Training für Welpen und erwachsene Hunde ersatzlos aus. Diese Tatsache habe dramatische Folgen für die Tiere, sagt die Vorsitzende Silvia Mertens besorgt.

„Vor allem junge Hunde brauchen soziale Kontakte“, erklärt die 56-Jährige, die sich ebenfalls als ehrenamtliche Prüferin und Trainerin engagiert. Dass sie diese nicht bekommen, könnte in den kommenden Monaten zu einem großen Problem in Selm werden. „Es kann passieren, dass bald ziemlich viele Rüpel unterwegs sein werden“, sagt Mertens.

Hunde lernen, sich im Straßenverkehr richtig zu verhalten

In Gruppen von etwa zehn Personen bringt das ehrenamtliche Trainerteam um die Medizinische Fachangestellte den Hunden und den haltenden Personen alles Wichtige für den Alltag bei. Mensch und Tier üben beispielweise gemeinsam das gefahrlose Überqueren von Straßen. „Die Hunde lernen außerdem, dass sie sich in Menschenmengen, bei spielenden Kindern oder bei älteren Menschen mit Gehstock ruhig verhalten sollen“, führt Mertens aus.

Diese und weitere wichtige Bestandteile können Hunde seit mindestens fünf Monaten nicht mehr erlernen. Mertens sieht deshalb ein gestiegenes Verletzungsrisiko. „Wenn ein kräftiger Hund ein Kind oder einen älteren Menschen anspringt, fällt diese Person und zieht sich womöglich Verletzungen zu“, führt sie aus. Für den entstandenen Schaden müsste dann die Halterin oder der Halter, beziehungsweise die Versicherung aufkommen. Bei Hunden, deren Rasse als gefährlich eingestuft wird oder deren Widerristhöhe bei mindestens 40 cm liegt, oder die 20 kg oder mehr wiegen, gilt in NRW die Pflicht für eine Hunde-Haftpflichtversicherung.

Hundeverein Selm lehnt Einzeltraining ab

Da die Corona-Schutzverordnung Einzeltraining erlauben würde, bekam der Hundeverein Selm viele Anfragen. Das Trainerteam lehnte diese ab. „Einzeltraining hilft maximal erwachsenen Hunden weiter. Für Welpen und Junghunde ist das sinnlos. Da fehlt der soziale Kontakt“, erklärt Mertens.

Als logische Konsequenz sieht die Vorsitzende Zusammenkünfte von Menschen mit Hunden abseits des Vereins an – was laut Corona-Schutzverordnung illegal ist. Der Grund: „Viele Menschen möchten mit ihren Hunden das Sozialverhalten beibringen.“ Die Hunde könnten die entsprechenden Fähigkeiten zu einem späteren Zeitpunkt erlernen. Dennoch gilt ähnlich wie bei Menschen: „Grade die ersten Jahre sind für die Tiere prägend.“

„Gut erzogene Hunde sind im Sinne aller Menschen“

Mertens wünscht sich, dass Hundevereine bald wieder ihre Arbeit aufnehmen dürfen. „Gut erzogene Hunde sind im Sinne aller Menschen“, sagt sie und hofft auf Lockerungen. Das Training in kleinen Gruppen auf der vom Verein angemieteten Wiese hält sie für möglich – wenngleich das Tragen einer Maske die verbale und nonverbale Kommunikation zwischen Mensch und Tier erschwere.

„Hunde erkennen ihre Halter am Geruch, aber die Stimme ändert sich und die Mimik im Gesicht ist nicht erkennbar“, erläutert Mertens und ergänzt: „Die Tiere beobachten und achten auf Augenkontakt. Die Mimik gibt ihnen in schwierigen Situationen halt.“

Als schwierig lässt sich ebenfalls die generelle Situation des Hundevereins Selm bezeichnen – die Kosten laufen schließlich auch während der Lockdown-Pause weiter. „Wir müssen nur die Pacht für unsere Wiese zahlen. Dennoch sind unsere Mittel irgendwann erschöpft, wenn das so weitergeht“, so Mertens. Etwa ein Jahr lang könnte der Verein den jetzigen Zustand überbrücken. Die Vorsitzende hofft hingegen darauf, dass sich die Pandemie-Situation wieder entspannt – zum Wohle der Menschen und zum Wohle der Hunde.

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