Der Selmer Schlachtbetrieb hat seit vergangener Woche Donnerstag geschlossen. © Goldstein
Schlacht-Skandal

Schlacht-Skandal: Weiterer Vorwurf gegen Betrieb aus Selm

Am Mittwoch war der Selmer Schlachthof Thema im NRW-Umweltministerium. Ungemütlich wurde es dabei nicht für die Regierung oder den Kreis. Ein weiterer Vorwurf gegen den Betrieb wurde öffentlich.

Auch NRWs Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) hat sie gesehen. Die Bilder, die die Tierschutzorganisation Soko-Tierschutz in einem Selmer Schlachthof aufgenommen hat und die zeigen, wie Tiere dutzendfach illegal geschächtet worden sind. Sie hat allerdings nur kurz reingesehen, gesteht Heinen-Esser im Umweltausschuss des Landes NRW, die Bilder seien „kaum erträglich gewesen.“

Die AfD hatte das Thema für Mittwoch, 14. April, auf die Tagesordnung des Umweltausschuss des Landtages gesetzt, angekündigt war es als „Information der Landesregierung“. Wirklich brisante Informationen, das macht Heinen-Esser aber schnell deutlich, kann die Regierung an diesem Tag gar nicht liefern. Das hat juristische Gründe, denn zum einen ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den Betrieb Prott aus Selm, zum anderen hat die Tierschutzorganisation Soko Tierschutz auch eine Strafanzeige gegen den Kreis Unna gestellt.

In einer Pressemitteilung hatte Landrat Mario Löhr kurz nach Bekanntwerden der Anzeige eine Aufarbeitung versprochen: „Natürlich gilt, dass wir uns sehr kritisch selbst hinterfragen und die Konsequenzen ziehen, die gezogen werden müssen“, wird Löhr darin zitiert. „Wenn wir das hätten verhindern können, will ich das wissen. Dann stellen wir die Fehler ab“, heißt es darin weiter.

Werbung für verpflichtende Videokontrolle an Schlachthöfen

„Alle, die an der Aufklärung des Falles beteiligt sind, sind massiv daran interessiert, die Schuldigen zu ermitteln und zur Verantwortung zu ziehen“, betont auch Michael Hülsenbusch, Leiter der Abteilung Verbraucherschutz im NRW-Umweltministerium. Heinen-Esser erklärte zuvor aber auch, dass „amtliche Kontrollbehörden bei so kriminellen Handlungen an ihre Grenzen kommen“. Auch weiterhin wolle man sich in NRW für die obligatorische 24/7-Videoüberwachung auf Schlachthöfen einsetzen.

Ein Anliegen, was Nordrhein-Westfalen gemeinsam mit Niedersachsen schon länger vorantreibt, was sich aber bundesweit bisher nicht durchsetzen konnte. Bislang gibt es nur eine freiwillige Verpflichtung zur Videoaufnahme und kleinere Schlachthöfe nehmen daran nicht teil. In diesem Jahr soll es deshalb, das hatte die Landesregierung auch schon im Vorfeld angekündigt, Schwerpunktkontrollen bei kleineren Handwerksbetrieben geben.

Strengere Kontrollen möglich?

In die Mangel genommen wird die Landesregierung an diesem Abend nicht. Die meisten Nachfragen hatte Norwich Rüße von den Grünen. Es müsse doch möglich sein, bei Verdacht auch zu anderen Uhrzeiten zu kontrollieren, Lieferfahrzeuge zu verfolgen, sagt Rüße. Er will zudem wissen, ob immer derselbe Veterinär für die Kontrollen zuständig gewesen sei.

Bisher, so erklärt es Hülsenbusch, habe man auf keiner Videoaufnahme einen Veterinär gesehen. Veterinäre müssten aber umfangreiche Dokumentationen vorlegen, das gelte es zusammen mit den vorliegenden Zeitstempeln aus dem Video zu überprüfen. Hülsenbusch verweist noch einmal darauf, dass Veterinäre eigentlich nur zu angezeigten Schlachtungen kommen, die Schlachtungen hier aber nicht angezeigt gewesen seien. Dabei hatte die Landesregierung unserer Redaktion zuvor auch mitgeteilt, dass Überprüfungen des Veterinäramtes auch außerhalb der Schlachtzeiten stattfinden könnten, wenn konkrete Anhaltspunkte für Verstöße vorlägen.

Neben der schon zahlreichen Auffälligkeiten des Selmer Betriebs aus der Vergangenheit, die das Ministerium in den Ausschussunterlagen veröffentlicht hatte, kommt ein weiterer hinzu. Hülsenbusch nimmt Bezug auf einen Ausschnitt aus einem weiteren Beitrag des ARD-Magazins Fakt. Darin hatte das Magazin Bilder von Fleisch ohne Einschusslöcher gezeigt. Ein klares Zeichen für eine Schächtung. Das pikante daran: Das Fleisch hatte amtliche Stempel. Dazu sagte Hülsenbusch, dass der Betrieb aus Selm auch in der Vergangenheit Stempel gefälscht habe.

Über die Autorin
Redakteurin
Ich bin neugierig. Auf Menschen und ihre Geschichten. Deshalb bin ich Journalistin geworden und habe zuvor Kulturwissenschaften, Journalistik und Soziologie studiert. Ich selbst bin Exil-Sauerländerin, Dortmund-Wohnerin und Münsterland-Kennenlernerin.
Zur Autorenseite
Sabine Geschwinder
Lesen Sie jetzt