Claus Themann, Pfarrer von St. Ludger, will an den Gottesdiensten in der Kirche festhalten: „Menschen brauchen Gottesdienste als Präsenzort.“ © Tobias Weckenbrock (A)
Katholische Kirche

Pfarrer Claus Themann: „Gottesdienste sind sicherer als Einkäufe“

Geschäfte haben geschlossen, Schulen gehen in den Distanzunterricht, aber die katholische Kirche feiert weiter Gottesdienste. Warum hält sie im harten Lockdown am Angebot fest?

Weihnachten ohne Christmette – für viele Menschen war das über Jahrzehnte nicht vorstellbar. Doch in der Coronakrise stehen auch Gottesdienste auf dem Prüfstand. Vor allem evangelische Kirchengemeinden haben sie gerade erst an Weihnachten abgesagt. Claus Themann, leitender Pfarrer in St. Ludger Selm und Dechant, hat im Gespräch mit unserer Redaktion die aktuelle Situation erläutert.

„Im Moment gibt es bei uns in der Gemeinde noch nicht die Tendenz, Gottesdienste abzusagen“, sagt Claus Themann. „Es gibt Menschen für die sie der einzige Ort ist, wo sie mal andere Menschen sehen.“ Das Bedürfnis sei in dieser Gruppe sehr groß. „Sie brauchen Gottesdienste als Präsenzort.“ Dabei räumt der Pfarrer ein, dass die Zahl der Gottesdienst-Besucher deutlich geringer sei als in der Vor-Coronazeit. „In St. Ludger haben wir Platz für 600 Menschen.“

Kirche handelt aus Sicht des leitenden Pfarrers „sehr verantwortlich“

In den Gottesdiensten am Wochenende würden sich aber durchschnittlich rund 35 Menschen treffen. „Unter Corona-Schutz-Bedingungen.“ Sie würden dazu führen, dass die Gottesdienste deutlich anders sind als früher. Pfarrer Themann verweist auf einen Mindestabstand von 1,80 Meter. „Wir singen auch nicht.“ Eine Situation, die auch für ihn am Anfang sehr seltsam gewesen sei.

Aus Sicht von Claus Themann handelt die katholische Kirche in Selm „sehr verantwortlich.“ Gleichzeitig räumt er ein, dass die Situation in der Corona-Pandemie „immer wieder“ intern besprochen werde. Einige „typische Gottesdienstbesucher” haben allerdings für sich entschieden, nicht mehr in die Kirche zu kommen. „Ich kann jeden verstehen, der zu Hause bleibt“, sagt der leitende Pfarrer.

Gottesdienste sind jetzt deutlich kürzer als in der Vor-Corona-Zeit

Er hat festgestellt, dass sich die Kirchenbesucher am Wochenende auf eine überschaubare Zahl von Haushalten beschränkt. Unter der Woche sind es noch weniger. „Zu den Gottesdiensten am Mittwoch oder Donnerstag versammeln sich maximal 20 Personen in der Kirche.“ Grundsätzlich gilt, dass sie sich nicht mehr so lange in der Kirche aufhalten wie in der Vor-Coronazeit. Dauerten früher Gottesdienste am Wochenende in der Regel rund eine Stunde, so sind es jetzt rund 45 Minuten.

Über den Autor
Redaktion Selm
Journalist aus Leidenschaft, Familienmensch aus Überzeugung, Fan der Region. Als Schüler 1976 den ersten Text für die Ruhr Nachrichten geschrieben. Später als Redakteur Pendler zwischen Münsterland und Ruhrgebiet. Ohne das Ziel der Arbeit zu verändern: Die Menschen durch den Tag begleiten - aktuell und hintergründig, informativ und überraschend. Online und in der Zeitung.
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Thomas Aschwer
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