© Sabine Geschwinder (Archiv)

Lumberjack‘s-Inhaber begeistert über Unterstützung der Selmer Kundschaft

Erst die Großbaustelle auf der Kreisstraße, nun Corona. Koch Christian Reimann kommt von einer schwierigen Zeit in die nächste. Trübsal blasen ist für den Inhaber von Lumberjack’s keine Option.

Christian Reimann hat vor allem eines in dieser Zeit nicht verloren: seinen Humor. „Man arbeitet wesentlich mehr für weniger Geld“, sagt der Koch, der immerhin noch kostendeckend arbeiten kann. Mehr allerdings nicht. „Aber was nützte mir in diesen Zeiten auch Gewinn. Ich kann das Geld ja nicht ausgeben. Die Geschäfte sind zu und verreisen geht auch nicht.“

Ja, es ist Galgenhumor, der in Christian Reimanns Worten mitschwingt, und wenn der gelernte Koch erzählt, jetzt abends öfter mal ein Bier zu trinken, dann spricht er gleich selbst von der Gefahr, die das auf Dauer mit sich bringen könnte. Leicht sind die aktuellen Zeiten für die Gastronomie nicht, doch Reimann macht das Beste daraus. Zieht aus jeder Kleinigkeit Honig für seine Seele. Und das sind derzeit vor allem die Rückmeldungen der Kunden.

Atypische Speisen im Angebot

Seit 2014 betreibt Christian Reimann das Lumberjack’s an der Kreisstraße in Selm. Ein Diner, das auf Burger und Steaks spezialisiert ist. Eigentlich. Doch in Corona-Zeiten weitet Reimann sein Angebot auch mal aus, wie an den Festtagen, als Gänsekeule mit Rotkohl und Klößen auf der Speisekarte standen. „Da gab es die Rückmeldung, dass der Opa, der eigentlich nie Sauce isst, die mit dem Toastbrot aufgetunkt hat“, schildert Reimann glücklich. „Das ist das i-Tüpfelchen“, freut sich der Koch, der vor allem den Kundenkontakt am meisten vermisst.

Veranstaltungen wie Halloween, Firmenfeiern oder Vereinsversammlungen vermisst Christian Reimann schmerzlich. Denn sie bringen ihm den Kontakt zum Gast. © Jürgen Weitzel (A) © Jürgen Weitzel (A)

„Ich bin ja nicht Koch geworden, um mein Essen in Plastikschälchen an die Leute zu bringen“, sagt Reimann, doch genau dazu ist er im Moment mit dem Außer-Haus-Betrieb gezwungen. Was ihm fehlt, sind die sofortigen Rückmeldungen. Die zufriedenen Gesichter der Menschen auf den etwa 90 Plätzen im Restaurant.

„Jetzt muss man eigentlich besser als vorher sein, denn wenn Du in der Qualität Deines Essens nachlässt, geht der Umsatz runter“, erklärt Reimann. Doch gerade als Koch ist er auf Rückmeldungen angewiesen. „Man kann ja aus Fehlern nur lernen, wenn man sie mitbekommt“, sagt der Küchenchef.

Nicht alles lässt sich für den Transport herrichten

Qualität steht bei Reimann ohnehin an erster Stelle. Seine Burger sollen so frisch wie möglich sein – und nicht schon pappig und durchgesuppt, wenn sie beim Gast auf dem Teller landen. Auch das Steak muss auf den Punkt gebraten sein – als Außer-Haus-Gericht eignen sich diese daher nicht. „Das ist durchgegart, bis das beim Kunden zuhause ist“, sagt Reimann beim Gedanken an ein an sich medium gebratenes Rumpsteak mit Zwiebeln. „Das fällt jetzt fast komplett raus. Nur bei Stammkunden, die vorbestellen und keinen weiten Weg haben, macht Reimann daher Ausnahmen. „Ich muss ja einkaufen.“ Und die Reste eines großen Stücks Roastbeef für 80/90 Euro im Einkauf müsse er dann selbst aufessen, denn in der Kühlung verliert es schnell an Qualität.

Überhaupt muss Reimann jetzt öfter und anders einkaufen als sonst – und er bereitet öfter kleine Rationen zu. „Das Schlimmste ist, dass die Nachfrage überhaupt nicht planbar ist und es auch immer wechselt“, sagt Reimann. Vor Corona waren vor allem die Wochenenden stark, jetzt kaufen die Leute Burger auch oft unter der Woche.“ Vorbereitet sein muss Reimann dennoch so gut es geht, freut sich über Vorbestellungen, aber zieht auch Schlussstriche.

Wenn der Salat aus ist, müssen Kunden abgewiesen werden

„Am Sonntagabend konnte ich um 20 Uhr keine Bestellungen mehr annehmen, weil ich keinen Salat mehr hatte“, sagt Reimann – und freut sich, dass die Kunden Verständnis zeigen. „Viele Abgewiesene freuen sich für mich, auch wenn sie selbst dann immer noch Hunger haben“, schildert Reimann glücklich, zumal die Selmer ihre Gunst unter den Gastronomen gerecht verteilen und viele Betriebe unterstützen. „Der Support der Leute hier ist toll – und die Novemberhilfe ist auch geflossen. Für Dezember haben wir sie nun beantragt.“

Die Außenbeleuchtung schaltet Reimann zwar nun früher aus, der Saal bleibt komplett dunkel und auch die Heizung ist heruntergefahren, so spart Reimann, wo es geht. So kann es noch eine Zeit weiterlaufen – „aber ich sehne den Tag herbei, an dem alles wieder läuft“, sagt der Chefkoch.

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