Im Spielwarengeschäft „Spielen und Träumen“ ist das Lager voll. Allerdings ist nicht alles lieferbar. © Günther Goldstein
Einzelhandel

Lieferengpässe im Weihnachtsgeschäft: Händler in Selm schaffen Vorrat

Wer zu Weihnachten ein beliebtes Spiel oder angesagte Kleidung verschenken möchte, wird möglicherweise enttäuscht. Der Einzelhandel klagt über Lieferengpässe. In Selm wird vorgesorgt.

Die deutschen Einzelhändler sind besorgt. Laut einer Umfrage des Ifo-Instituts klagen 74 Prozent von ihnen über Lieferprobleme der Produzenten. Das betrifft auch das kommende Weihnachtsgeschäft. Die Händler in Selm haben sich bereits darauf vorbereitet – dennoch müssen die Kundinnen und Kunden möglicherweise umplanen.

Hans-Georg Berken-Schirmeisen hält die Prognosen möglicher Lieferzeiten für Kaffeesatzleserei: „Es kann keiner genau sagen, wann was kommt.“ Das liege unter anderem am Transportweg. Weil viele Waren per Frachtschiff aus Fernost kämen, könne sich eine Lieferung leicht um mehrere Wochen verzögern.

„Ich muss damit leben“

Der Chef des Kaufhauses Berken kann aber weitestgehend beruhigen: „Ich weiß von keinem Produkt, das nicht pünktlich zum Weihnachtsgeschäft kommt.“ Allerdings gebe es wegen der vorgezogenen Bestellfristen ein grundsätzliches Problem bei vielen Händlern: „Es ist schwierig alles vorzufinanzieren, wenn die Ware erst im Dezember verkauft wird.“

Berken-Schirmeisen sieht die Verzögerung bei den Lieferungen pragmatisch, weil es für ihn keine alternativen Bestellmöglichkeiten gibt: „Ich kann nichts dagegen tun.“

Um das Weihnachtsgeschäft macht er sich dennoch keine Sorgen: „Ich glaube nicht, dass es unterm Weihnachtsbaum keine Geschenke gibt.“ Kundinnen und Kunden würden auch zu Weihnachten noch genug Auswahl bei der Kleidung haben. Beliebte Spielwaren könnten hingegen schwerer erhältlich sein, glaubt Berken-Schirmeisen.

Das kann Elisabeth Sandmann bestätigen. Die Inhaberin des Spielwarengeschäftes „Spielen und Träumen“ weiß: „Viele Firmen haben Lieferschwierigkeiten.“ In ihrem Geschäft ist das Lager aktuell deswegen voller als sonst. Der Grund: „Wir müssen uns für das Weihnachtsgeschäft bevorraten.“ Allerdings werde auch bereits jetzt Ware verkauft, die später unterm Weihnachtsbaum landet.

Laut Sandmann ist aber gerade nicht alles lieferbar, was die Kundinnen und Kunden womöglich zu Weihnachten verschenken wollen. „Wir haben dafür aber super schöne Alternativen“, verspricht die Chefin des Spielwarengeschäftes.

Regenjacken erst im Februar lieferbar

Christian Angersbach vom gleichnamigen Sporthaus an der Kreisstraße geht es ähnlich: Ob Skibekleidung, Fußbälle oder Regenjacken – die Engpässe ziehen sich durch nahezu die gesamte Produktpalette. Teilweise seien einzelne Produkte der Lieferanten erst wieder für Februar 2022 angekündigt, berichtet Angersbach.

Für lieferbare Ware gilt: „Wir haben relativ früh reagiert.“ Bereits im Frühjahr habe Angersbach die ersten Bestellungen für das Weihnachtsgeschäft getätigt. Denn: Es habe sich bereits vor über einem Jahr abgezeichnet, dass es zu Lieferproblemen kommen werde. Die Hersteller hätten in einigen Fällen zudem frühzeitig Fristen für Bestellungen genannt, zu denen ihre Produkte auch rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft im Schaufenster stehen können.

Bei einem passenden Angebot hat so mancher Händler in Selm zugeschlagen. Christian Angersbach hat sogar etwas mehr bestellt als sonst: „Wir haben das Warenvolumen um 20 Prozent erhöht.“ Auch im Sporthaus ist das Lager also voller als sonst.

Trotz der frühzeitigen Maßnahmen kann Angersbach aber nicht ausschließen, dass im Weihnachtsgeschäft manche Artikel in seinem Geschäft ausverkauft oder gar nicht erst verfügbar sein werden. Für Sportkleidung gilt: „Die eine oder andere Größe wird dann möglicherweise nicht vorrätig sein.“

Trotz der Lieferprobleme zum Jahresende scheinen sich die Händler insgesamt mit der Situation zu arrangieren. Oder wie Hans-Georg Berken-Schirmeisen sagt: „Ich muss damit leben.“

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1989 im Ruhrgebiet geboren, dort aufgewachsen und immer wieder dahin zurückgekehrt. Studierte TV- und Radiojournalismus und ist seit 2019 in den Redaktionen von Lensing Media unterwegs.
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Dennis Görlich

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