Landrat Mario Löhr (Mitte), der Leitende Kriminaldirektor Peter Schwab und Kriminaldirektor Christoph Strickmann, Leiter der Direktion Kriminalität bei der Kreispolizeibehörde Unna, stellten die Kriminalitätsstatistik für das Jahr 2020 vor. Die Corona-Krise machte sich auch hier bemerkbar. © Stephanie Tatenhorst
Kriminalstatistik

Kriminalität in 2020: Einziger Mord im Kreis Unna war in Selm

Wer im Kreis Unna einen Umzug plant und Angst davor hat, Opfer einer Straftat zu werden, sollte nach Bönen, Holzwickede oder Fröndenberg ziehen, sagt die Polizei. Und was ist mit Selm?

Es war ein launiger Funken Lokalkolorit, mit dem der neue Landrat des Kreises Unna bei der Pressekonferenz der Kreispolizeibehörde Unna eine Lanze für seine Heimatstadt brach. Mit einer Krimininalitätsrate von vier beziehungsweise fünf Prozent lebe man laut Aussage von Christoph Strickmann, Leiter der Direktion Kriminalität im Kreis Unna, in Bönen, Holzwickede oder Fröndenberg am sichersten und sollte dahin ziehen, wenn man unter diesen Gesichtspunkten einen Umzug plane.

Nur sechs Prozent aller Straftaten passieren in Selm

„Oder nach Selm“, warf Landrat Mario Löhr sofort ein, denn auch in Selm passieren nur 6 Prozent aller im Kreis Unna ohne Lünen verübten Straftaten. Und zudem sank die Zahl der Straftaten im Vergleich zum Vorjahr um 15,91 Prozent. 1036 Fälle wurden im Jahr 2020 registriert, im Jahr zuvor waren es noch 1232 Fälle gewesen.

Corona-Krise spielte der Polizei in die Karten

Kreisweit habe die Corona-Krise und Pandemie der Polizei in die Karten gespielt. „Das lag nicht allein an unserer Polizeiarbeit“, gab Strickmann zu. Doch auf die Fahnen schreiben kann sich die Polizei, dass deutlich über die Hälfte der Straftaten aufgeklärt werden konnte. In Selm sogar 58,3 Prozent aller Straftaten. Im Vorjahr lag die Aufklärungsquote noch bei 54 Prozent.

Doch auch hier hat Corona ein wenig die Finger im Spiel, denn die Art der ausgeübten Delikte hat sich verändert. Vieles passierte im privaten Umfeld, wo sich Täter und Opfer kannten. Die Täterermittlung fiel der Polizei daher relativ leicht.

Wie auch beim einzigen Mordfall im Kreis Unna, der sich im vergangenen Jahr in Selm abspielte. Ein Ex-Ehemann hatte seiner Ex-Frau aufgelauert und sie ermordet. Der gemeinsame Sohn fand später die tote Mutter und den schwer verletzten Vater, dessen Selbstmordversuch gescheitert war. „Auch hier mussten wir keinen Mörder suchen“, so Strickmann. Und: „Es ist schon sehr beruhigend, dass bei uns im Kreis nur 0,01 Prozent der Straftaten gegen das Leben gerichtet sind.“

Einige Verbrechen nahmen zu

Gestiegen ist in Selm auch die Zahl der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung von 23 auf 35 Fälle. 31 Taten konnten dabei aufgeklärt werden. Die Zahl von Vergewaltigungen und sexueller Nötigung sank von 3 auf 2 Fälle, fünfmal wurden im vergangenen Jahr exhibitionistische Handlungen angezeigt, in zwei Fällen konnte die Tat aufgeklärt werden.

Deutlich zugenommen hat im Corona-Jahr die Verbreitung pornografischer Schriften und Erzeugnisse, nämlich von sechs Fällen im Jahr 2019 auf 19 Fälle. 18 konnten jedoch aufgeklärt werden. Diese Zahl erklärt die Polizei aber auch mit großangelegten Ermittlungsverfahren in Lügde, Münster und Köln. „Dort kommen Dinge zutage, die uns zu Tätern führen, die hier im Kreis Unna leben“, erklärte Strickmann.

Gewaltverbrechen nahmen ab

Auch wenn Raubdelikte immer für Schlagzeilen sorgen – die konkrete Zahl stieg in Selm lediglich von 4 auf 5 Fälle. Die Zahl der Körperverletzungen sank sogar von 163 Fällen im Jahr 2019 auf 131 Fälle im vergangenen Jahr.

Die Straßenkriminalität sank von 360 Fällen auf 256 und damit um 28,89 Prozent. Eine Zahl, die die Leitung der Kreispolizeibehörde Unna vor allem auf die Corona-Krise zurückführt. Denn ebenso ging die Zahl der Diebstähle von 470 auf 307 zurück – und passierte damit seltener als einmal am Tag. „Der öffentliche Raum, wo Menschen aufeinandertreffen, wo es Gelegenheiten gibt, Konflikte auszutragen, existierte seit März nicht mehr“, sagt Strickmann. Die Leute blieben zuhause. Und ohne Tatgelegenheiten keine Taten.

Täter suchen andere Wege und Gelegenheiten

Doch Verbrecher suchen sich dann andere Wege, um an Geld zu kommen. Stark zugenommen haben Betrugsfälle gegenüber älterer Menschen durch den Enkeltrick oder falsche Polizisten. In Selm stieg die Zahl der gemeldeten Fälle von 38 auf 61. Ein Anstieg um 60,53 Prozent. Auch wenn es kreisweit in 92,70 Prozent der Fälle beim Versuch blieb, erbeuteten die Täter jedoch allein im Kreis Unna mehr als 950.000 Euro. Die Polizei will daher verstärkt diese Delikte in den Fokus rücken, um den Kriminellen hier das Handwerk zu legen.

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