Hat sich die Corona-Krise auf die Zahlungsfähigkeit der Menschen in Selm ausgewirkt? Wir haben bei den Banken vor Ort nachgefragt. © Sabine Geschwinder (A)
Finanzen

Geldinstitute in Selm: Wegen Corona Kreditraten teilweise ausgesetzt

Die Corona-Krise hat sowohl in Unternehmen, als auch bei Selbstständigen und Privathaushalten zu finanziellen Engpässen geführt. Welche Auswirkungen das hatte, haben wir die Banken in Selm gefragt.

Das Jahr 2020 war nach Einschätzung von Marktexperten wegen der Corona-Krise auch für die Kreditwirtschaft und deren Geldhäuser speziell:

„Es war ein besonderes Jahr. Im Vordergrund stand nicht, Marktanteile oder Gewinne zu steigern; für die Sparkassen hatte es absolute Priorität, ihren Kunden durch die schwierige Zeit zu helfen.“

Das sagte zum Beispiel der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), Helmut Schleweis, am Donnerstag (11. März) auf der Bilanzpressekonferenz der Sparkassen-Finanzgruppe in Berlin. Wir haben uns mal vor Ort umgehört – Fragen und Antworten zum Thema:

Wie hat sich die Corona-Krise 2020 auf ihr Kundengeschäft ausgewirkt?

Volksbank Selm-Bork: Erfreulicherweise haben wir für das Jahr 2020 im Gesamtergebnis noch keine negativen Auswirkungen für unser Haus feststellen können.

Sparkasse an der Lippe: Insgesamt sehr heterogen. Rückgänge in einigen Bereichen (Versicherungsgeschäft) wurden durch andere kompensiert (Wertpapiergeschäft). Wie es sich schlussendlich auswirkt, werden wir in Kürze öffentlich mitteilen.

Konnten Kunden – private oder gewerbliche – ihre Kredite nicht mehr bedienen?

Volksbank Selm-Bork: Sowohl auf der Privatkunden- als auch der Firmenkundenseite kam es zu Anträgen zur Aussetzung von Zins- und Tilgungsbeiträgen, die sich jedoch im Bezug auf die Größenordnung unserer Bank in einem überschaubaren Verhältnis bewegt haben. Die überwiegende Anzahl der Anträge hatte daher eher einen Vorsichtscharakter als das es tatsächlich auf eine wirtschaftliche Notlage zurückzuführen gewesen ist. Die beantragten Zeiträume zur Aussetzung bewegten sich zwischen 2-6 Monaten.Sparkasse an der Lippe: Wir haben frühzeitig in individuellen Gesprächen unseren Kunden die Aussetzung der Kreditraten angeboten, das wurde bei rund 400 Krediten auch angenommen.

Gab es Totalausfälle?

Volksbank Selm-Bork: Nein. Mittel- bis langfristig gesehen rechnen wir aber aufgrund des doch inzwischen länger andauernden Lockdowns damit, dass es in einem gut verkraftbaren Umfang noch zu entsprechenden Kreditausfällen kommen kann/wird. Dies haben wir entsprechend bei unseren Planungen für die Jahre 2021 und 2022 berücksichtigt.Sparkasse an der Lippe: Eine Ausweitung der konkreten Ausfälle kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht festgestellt werden.

Wurden umgekehrt Kredite vielleicht stärker nachgefragt um finanzielle Engpässe zu überwinden?

Volksbank Selm-Bork: Wir verzeichnen nach wie vor eine gute Nachfrage nach Krediten, die nur zu einem kleineren Anteil aus dem Corona Sonderkreditprogramm der KfW stammen.Sparkasse an der Lippe: Nein, eher nicht, hier haben wir eher Zurückhaltung festgestellt.

Wie sah die Entwicklung im Bereich Bausparen/Immobilienkredite aus?

Volksbank Selm-Bork: Im Bereich der Immobilienfinanzierungen verzeichnen wir bereits seit längerer Zeit ein starkes Wachstum, welches zum Teil über unseren eigenen Wachstumsprognosen gelegen hat. Das Bausparen ist nach wie vor interessant, verzeichnet jedoch kein so starkes Wachstum, sondern bleibt derzeit auf gleichbleibendem Niveau.Sparkasse an der Lippe: In Anbetracht der zu erwartenden Zinsentwicklung konzentriert sich der Abschluss von Bausparverträgen auf „echte“ Interessenten von eigenen vier Wänden, während Bausparen früher auch als Anlageprodukt genutzt wurde. Die Nachfrage nach Immobilienkrediten ist stabil hoch. Hier bremst einzig das geringe Angebot von Immobilien.

Über den Autor
Redaktion Lünen
Jahrgang 1968, in Dortmund geboren, Diplom-Ökonom. Seit 1997 für Lensing Media unterwegs. Er mag es, den Dingen auf den Grund zu gehen.
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Torsten Storks
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