Für die Rettungswagen in Selm soll es einen neuen Standort geben. Die Stadt selbst will jetzt eine Rettungswache bauen. © picture alliance / dpa
Rettungswache

„Es gab kein Ultimatum“: Volksbank zur Rettungswache in Selm

Die Stadt will die neue Rettungswache nun doch selbst bauen - und nicht mit der Volksbank als Investor. Es sei aber nicht so, betont der VB-Vorstand, dass er sich von dem Projekt zurückgezogen habe.

Es ist alles anders gekommen als zu Beginn geplant: Die Stadt Selm wird die neue Rettungswache, die es nach dem sogenannten Rettungsdienstbedarfsplan des Kreises Unna dringend geben muss, nun selbst bauen. Die Volksbank ist als möglicher Investor nicht mehr im Spiel, wie am Dienstag (13. April) bekannt wurde.

Es sei aber nicht so, das betont der Vorstand im Gespräch mit der Redaktion, dass die Volksbank sich aus dem Projekt zurückgezogen habe. Im Gegenteil: „Das war nicht unsere Entscheidung“, sagt Martin Potschadel. Es habe einfach keine Einigung gegeben zwischen der Volksbank und den an der Finanzierung des Rettungsdienstes beteiligten Krankenkassen. Die Diskrepanz des von der Volksbank kalkulierten Mietpreises und dem, den die Krankenkassen bereit waren zu zahlen, sei einfach zu groß gewesen.

Die Krankenkassen, so der Eindruck vom Volksbank-Vorstand, hätten sich da kein Stück bewegt. „Wir haben es wirklich versucht. Die Stadt hätte es ja auch gerne gesehen, dass wir der Investor werden“, so Thomas Krotki. Es sei bei den Krankenkassen allerdings keine Bereitschaft da gewesen, eine Lösung zu finden.

„Es gab kein Ultimatum“

Dass es einen gewissen Handlungsdruck in Bezug auf die Rettungswache gibt, sieht natürlich auch die Volksbank. 2019 hatte der Kreis Unna die Notwendigkeit einer neuen Wache festgestellt. Die Stadt ist am Zug, die Vorgaben des Kreises zu erfüllen. „Der Zeitdruck ging allerdings nie von uns aus“, sagt Martin Potschadel. „Eigentlich egal“ wäre es gewesen, wann es mit dem Bau losgeht. „Es gab kein Ultimatum oder sonst irgendwas von unserer Seite“, betont Thomas Krotki. „Das ist nicht unsere Art, mit möglichen Vertragspartnern umzugehen“, ergänzt Martin Potschadel.

Das ist etwas, das auch die Stadt Selm auf Anfrage der Redaktion noch mal betont. „Ich danke erneut ausdrücklich der Volksbank Selm-Bork, dass Sie uns auf dem Weg zum Bau der neuen Rettungswache begleitet hat. Für mich ist es wichtig klarzustellen, dass die Volksbank uns gegenüber nie ein Ultimatum gestellt hat, bis zu dem die Entscheidung zum Bau der Rettungswache durch die Volksbank erfolgen muss. Die Entscheidung weg von der Volksbank hin zum Bau in Eigenregie ist einzig und allein darauf zurückzuführen, dass die Gespräche mit den Krankenkassen in diesem Punkt gescheitert sind“, so Bürgermeister Thomas Orlowski.

Auch hätten die Krankenkassen signalisiert, „dass der Bau durch einen externen Investor dort nicht positiv beschieden wird“, wie Stadtsprecher Malte Woesmann erklärt. Etwas, das sich die Volksbank nicht so richtig erklären kann. „Die Baukosten werden dadurch ja nicht geringer sein“, sagt Thomas Krotki.

„Sehr“, so sagen es beide Vorstandsmitglieder, bedauerten sie, dass die Volksbank nun nicht als Investor auftreten könne. „Die Rettungswache wäre für uns eine schöne, besondere Investition gewesen“, sagt Martin Potschadel im Gespräch mit der Redaktion. Und eine, so ergänzt es Thomas Krotki, mit der sie auch nicht das große Geld verdient hätten. „Es ging um eine geringe einstellige Rendite“, sagt er.

Vertrag mit Bauunternehmer war schon fertig

Der Volksbank sei es ernst gewesen mit dem Projekt. „Wir hatten den Vertrag mit dem Bauunternehmer schon fertig hier liegen“, sagt Martin Potschadel.

Der kann jetzt aber wohl in den Mülleimer wandern. Die Volksbank ist aus dem Projekt raus, die Stadt baut in Eigenregie. „Die Stadtverwaltung prüft, ob die bestehenden Pläne Grundlage für den Bau werden können. Das Vergaberecht muss entsprechend beachtet werden“, so Malte Woesmann auf die Frage, ob es bei den bisherigen Entwürfen bleibt. Einen Zeitpunkt für den Beginn der Ausschreibungen gebe es noch nicht – sie sollen aber so schnell wie möglich erfolgen, so der Stadtsprecher.

Über die Entscheidung der Stadt wundert sich derweil beispielsweise die Selmer FDP: Schließlich habe der Rat noch gar nicht über die Änderung entschieden. „Bisher war Gegenstand der Ratserörterungen immer nur die Bauträgerschaft durch Dritte“, erklärt die Fraktion in einer Stellungnahme zur Rettungswache. Nicht geklärt sei in diesem Zusammenhang auch die Kostenfrage.

Auf Anfrage der Redaktion äußerte die Stadt sich nicht zu den veranschlagten Investitionskosten. Dazu könne man erst nach Abschluss der Ausschreibungen etwas sagen.

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Marie Rademacher
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