Heike Plester-Moser (l.) in ihrem Element. Tanzkurse zu geben, ist ihr Beruf und ihre Leidenschaft. Aber derzeit ist sie zur Geduld verurteilt. Der Corona-Lockdown verbietet Tanzkurse. © Redaktion (Archiv)
Tanzlehrer

Eine Selmer Tanzlehrerin im Lockdown: Der eingefrorene Tango

Gerade hat die neue Staffel von „Let‘s dance“ bei RTL begonnen. Eigentlich ist das Vorbild der Sendung immer auch ein Motivationsschub für Couchpotatoes, tanzen zu lernen. Aber wo?

Mit der Beliebtheit der Sendung „Let‘s dance“ steigt bei so manchem Fernsehzuschauer sicher auch die Lust, auch tanzen zu lernen. Dann geht man los, sucht sich eine Tanzschule, einen Tanzlehrer, einen Tanzkurs oder einen Tanzverein seiner Wahl und sagt: „Ich möchte auch tanzen lernen.“ Normalerweise. Zurzeit sind aber alle Tango- und Walzerfiguren eingefroren. Corona lässt Tanzkurse nicht zu. Eine Branche, die von Bewegung lebt, ist zum Stillstand verurteilt. Wie geht es eigentlich einer heimischen Tanzlehrerin?

„Ich lebe noch“, sagt Heike Plester-Moser und in ihrer Stimme schwingt eine Mischung aus Resignation und Trotz mit. Sie ist ADTV-Tanzlehrerin und bringt seit Jahrzehnten Menschen dazu, sich rhythmisch zu Musik zu bewegen. Ob allein oder als Paar. Zurzeit jedoch ist das mit dem Beibringen nicht möglich. „Das Schlimmste ist eigentlich, dass man nicht planen kann, wann es weiter geht und in welcher Form, ob man mit Masken tanzen muss“, sagt sie im Gespräch mit der Redaktion. Wobei sie auf die letzte Frage schon die Antwort kennt: „Das werden meine Schüler nicht machen. Da hat keiner Lust zu.“ Tanzen müsse Vergnügen machen. Das sei mit Maske eben nicht der Fall. Das habe sich auch schon im vergangenen Jahr abgezeichnet. „Da gab es ja auch schon Hygieneregeln mit Desinfizieren. Das hat auch genauso gut funktioniert.. Aber bei vielen war die Angst zu groß und sie wollten den Kurs abbrechen.“ Dann sei der Lockdown im Frühjahr 2020 gekommen und Tanzkurse waren nicht mehr erlaubt. Die Kursstunden, die die Teilnehmer bereits bezahlt hatten, habe sie erst im September nachholen können.

Neue Kurse habe sie gestartet, aber der zweite Lockdown folgte, „und ich trage vom letzten Jahr wieder Stunden mit ins neue Jahr“. Allerdings ohne zu wissen, wann sie diese Stunde nachholen könne.

Onlinekurse nicht machbar

Nun gibt es ja Kurse, die lassen sich online organisieren. Tanzen auch? „Nein“, sagt Heike Plester-Moser. „Es hat keiner den Platz zuhause zu tanzen. Yoga geht wohl, aber tanzen nicht.“ Für Walzer oder Tango benötige man Platz. Zudem stehen weiter Faktoren bei einem Tanzkurs im Vordergrund: „Das ist die Geselligkeit, Leute zu treffen.“ Wie behelfen sich die Teilnehmer ihrer Kurse? „Die Leute tanzen nach den Videos, die wir im Unterricht gedreht haben.“

Da wäre aber auch noch die Frage, ob es angesichts der langen Zeit, in der keine Tanzkurse stattgefunden haben, überhaupt noch Teilnehmer für Kurse gibt, falls es wieder erlaubt wäre, oder ob sie die Lust am Tanzen verloren haben. „Aus den bestehenden Kursen, die ich teilweise 15 bis 20 Jahre habe, gäbe es Teilnehmer“, sagt die Tanzlehrerin. „Ich bekomme ja auch Nachrichten, dass es schade ist und wann es weiter gehe.“ Ob allerdings alle weitermachen würden, bezweifle sie. Sie rechne mit rund 20 Prozent, die nicht mehr weitermachen würden.

Angesichts der nicht gerade rosigen Lage der lokalen Tanzlehrer müsste der Allgemeine Deutsche Tanzlehrerverband (ADTV) doch Druck auf die Politik ausüben, oder? „Wir haben keine gute Lobby“, sagt Heike Plester-Moser. Sie habe Abschriften von Briefen des ADTV an Ministerien und die Bundeskanzlerin zugeschickt bekommen. „Da kam nichts zurück.“

Kein Argument spricht gegen Tanzkurse

Wären denn aber Tanzkurse unter Einhaltung aller Vorschriften, vor allem von Abstandregeln, überhaupt möglich? „Na klar. Die Paare, die verheiratet oder zusammen sind, können ja eng miteinander tanzen.“ Und die Volkshochschule plane, einen größeren Teil des Saals des Leohauses in Olfen zu nutzen, damit die Abstände zwischen den Tanzpaaren noch größer werden. Ihrer Meinung nach gebe es kein Argument, das dagegen spräche, Tanzkurse wieder zu erlauben.

„Let’s dance“ dagegen darf stattfinden. „Toll ist das nicht, aber die werden ja auch ständig auf Corona getestet“, sagt Heike Plester-Moser. „Da warten wir mal drauf. Wenn man natürlich jedes Mal vor einer Tanzstunde einen Test machen könnte, dann wäre es eine Frage, wie teuer das für die Teilnehmer wäre. Wenn die natürlich jedes Mal zehn Euro pro Person für einen Test zahlen müssen, dann ist das bald teurer als die Tanzstunde. Ob da alle bereit zu wären, ist eine andere Frage.“

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Redaktion Selm
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Arndt Brede
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